Windräder haben offenbar eine magische Attraktion auf Fledermäuse in der Paarungszeit – und werden zu hoch effizienten Todesfallen, wenn die Tiere in den Rotorbereich fliegen. Details dazu hat jetzt eine Studie des Museums für Naturkunde in Berlin ergeben.
Fledermausmännchen singen, ähnlich wie Singvögel, um Weibchen anzulocken und Konkurrenten abzuschrecken. Dabei fliegen sie oft um markante Landschaftselemente herum. In homogenen, strukturell armen Landschaften, wie zum Beispiel Ackerflächen, stellen Windkraftanlagen attraktive Strukturen dar, die Männchen wahrscheinlich als „Gesangswarten“ nutzen. Damit bringen sie sich nicht nur selbst in Gefahr, sondern ihr vergleichsweise weit zu hörender Gesang kann auch Weibchen zu den Anlagen locken.

Grafische Darstellung der Studie zu singenden Fledermäusen an Windrädern
Das legten die Ergebnisse nahe, die die Forscher aus über 83.000 Datensätzen von singenden Fledermäusen an Rotorkanzeln gewonnen haben. Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 2012, 2014 und 2015 und wurden an 22 Windrädern an sechs verschiedenen Standorten in fünf unterschiedlichen Naturräumen in Deutschland aufgezeichnet.
Bei ihrer Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass tatsächlich an allen untersuchten Windrädern Fledermausgesang aufgenommen wurde, und in 88 Prozent der untersuchten Jahre. Die sieben Arten, deren Gesang sie identifizieren konnten, stimmen mit 95 Prozent der Totfunde nach Turbinenschlag überein. Die zwei Arten, die am häufigsten tot aufgefunden werden, sind auch die, deren Gesang mit einem Anteil von 65 Prozent am häufigsten an Windrädern aufgenommen wurde, nämlich der Große Abendsegler und die Rauhautfledermaus.
Die Fledermäuse sangen zwischen Mai und Oktober, wobei es einen Höhepunkt ab Juli bis Oktober gab. Die Gesänge der Männchen hatten je nach Art eine Tragweite von bis zu 100 Metern, und ihre Dauer war meist lang genug, dass auch weit entfernte Weibchen, wenn sie ihnen folgten, in dieser Zeit noch in den Rotorbereich gelangen konnten.
Die Forschenden hoffen laut einer Pressemeldung, dass sich ihre neuen Erkenntnisse mittelfristig in effektivere Schutzstrategien umwandeln lassen. „Windenergie leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, aber dies darf nicht auf Kosten des Artenschutzes geschehen“, sagt Mirjam Knörnschild, Seniorautorin der Studie. Wenn wir verstehen, warum Fledermäuse Windkraftanlagen gezielt anfliegen, können Betreiber präziser und artsensibler als bisher abschalten, um die Schlagopferzahl zu minimieren.“
Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier
Die Pressemeldung des Museums für Naturkunde Berlin finden Sie hier
Bildquelle: Miriam Knörnschild
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