Wenn der Mensch im Wald Lücken im Blätterdach schafft und Totholz liegen lässt, kommen mehr Vögel und Fledermäuse in diesen Wald. Das zeigt eine Studie des Biozentrums der Julius-Maximilians-Universität Würzburg mit anderen Forschungseinrichtungen. In sechs Regionen zwischen Lübeck und Passau untersuchten die Wissenschaftler über sieben Jahre hinweg 234 gleich große Waldflächen, auf denen sie diversere Strukturen angelegt hatten: aufgelichtete Baumkronen, abgestorbene Baumstümpfe oder liegende Stämme.
Die Vögel könnte man mit Heimwerkern vergleichen: Sie besetzen feste Reviere, wenn sie dort alles finden, was sie brauchen – vom Nistplatz bis zum Futter. Sie profitieren davon, wenn ihr angestammtes Waldstück mit Totholz und Lücken möglichst komplex strukturiert ist.
Fledermäuse dagegen sind eher Pendler: In einer Nacht legen sie weite Strecken zurück und besuchen dabei verschiedene „Spezialgeschäfte“. Mal jagen sie Insekten in einer dunklen, dichten Ecke des Waldes, mal nutzen sie helle Lücken als Einflugschneisen. Für sie ist es wichtig, dass es strukturell unterschiedliche Waldabschnitte in einem Gebiet gibt.
Die Würzburger Studie zeigte, wie die Artenvielfalt durch Kronendachlücken und Totholz zunimmt. Bei den Fledermäusen kamen in „unordentlicheren“ Wäldern im Schnitt zwei Arten neu dazu, zum Beispiel die Nordfledermaus oder die Zweifarbfledermaus. Das sind fast zehn Prozent der 25 Fledermausarten, die es in Deutschland überhaupt gibt.
Die Vögel profitierten besonders stark von lokalen Eingriffen, wie künstlich geschaffenen Waldlücken mit Totholz. Bei ihnen stieg vor allem die sogenannte funktionelle Vielfalt – das heißt, es kamen Arten mit sehr eigenen Lebensweisen dazu, etwa Totholzspezialisten, wie verschiedene gefährdete Spechtarten.
Um herauszufinden, welche Tiere in den Waldstücken leben, nutzten die Forschenden ein akustisches Monitoring. Zu Zeiten, zu denen die Tiere am aktivsten sind, nahmen Rekorder die Rufe oder Gesänge auf. Die unsichtbaren Spione überwachten den Wald über drei Monate hinweg, ohne dass die Tiere durch die Anwesenheit von Menschen gestört wurden. Auf diese Weise identifizierte das Forschungsteam insgesamt 17 Fledermaus- und 72 Vogelarten.
Die Ergebnisse zeigten, dass man auch in monotonen, artenarmen Wäldern die Artenvielfalt fördern kann. Dazu genügen kleine Eingriffe, die die Strukturvielfalt erhöhen und so wertvolle Nischen schaffen. Das macht den Wald vielfältiger und zieht Schädlingsbekämpfer wie Vögel und Fledermäuse gleichermaßen an.
Mehr Informationen finden Sie hier
Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier
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