Blogpost
Dienstag, 26. Mai 2026

Scrollicon
Nicht alle Insekten sind der Stadt gewachsen
26. Mai 2026, 11:00    office@wildes-bayern.de

Nicht alle Insekten sind der Stadt gewachsen


Rund 30 Freiwillige haben sich über einen Monat hinweg wiederholt in 24 verschiedenen Gärten in der Stadt Zürich vor Blumentöpfe gesetzt und gewissenhaft jedes Insekt protokolliert und gefangen – für jeweils neun Stunden am Stück. Ziel war es, dass Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Gärten der Stadt Zürich untersuchen konnten, wo und wann Insekten Pflanzen bestäuben. Dafür haben sie sogar Insektenzungen vermessen!

Die Studie zeigt erstmals im Detail, welche Insektenarten im Tagesverlauf welche Gärten und Blüten besuchen, und wie gut sie die Blüten bestäuben. Die Stadtgärten lagen in unterschiedlich stark verdichteten Stadteilen und beinhalteten ein unterschiedlich breites Blütenangebot. Erwartbarerweise zeigten sich auch große Unterschiede in den vorkommenden Insektenarten.

Solche Unterschiede zu analysieren, hilft den Forschenden, herauszufinden, wie eine Stadt aussieht, in der Blüten bestäubende Insekten ein passendes Zuhause finden. Das ist wichtig, weil viele dieser Insektenarten, zum Beispiel Hummeln, eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen spielen. Städte können eine große Vielfalt an Wildbienen beherbergen und sind deshalb wichtig für deren Schutz.

Insektenzungen vermessen

Um herauszufinden, wie sich die Insekten an ihre Umgebung anpassen, vermaßen die Forschenden sogar ihre Zungenlänge. Denn davon hängt ab, welche Blüten ein Insekt nutzen kann: Nur Bestäuber mit langen Zungen, wie Hummeln, erreichen den tief verborgenen Nektar von spezialisierten Blüten, wie in den komplexen Kelchen von Akelei oder den Lippenblüten des Wiesensalbei. Bestäuber mit kürzeren Mundwerkzeugen, wie Schwebfliegen, sind hingegen auf leicht zugängliche Blüten angewiesen, zum Beispiel auf die Doldenblüten des Giersch.

Die Forschenden stellten fest, dass in blütenreichen Gärten der dicht bebauten Innenstadt vor allem große Wildbienen, wie Hummeln, aktiv sind. Sie sind in der Lage, auch größere asphaltierte Flächen zu überwinden und so zu isolierten «Blüteninseln» zu gelangen. Das versetzt sie in die Lage, selbst in dicht bebauten Innenstädten von einem vielfältigen Blütenangebot zu profitieren.

Auch kleine Wildbienen mit relativ langen Zungen profitieren von diesen blütenreichen Gärten, vermutlich eben darum, weil sie klein sind und so genügend Nahrung und auch Nistplätze finden. Pflanzen, an deren Nektar nur Insekten mit langen Zungen kommen, können also fast überall in der Stadt gut bestäubt werden.

Blüten fehlen die Bestäuber

Anders sieht die Lage bei Schwebfliegen und Käfern aus – sie finden in stark bebauten Quartieren keinen geeigneten Lebensraum. Die federleichten Schwebfliegen, die als Larven Blattläuse fressen, brauchen viele Grünflächen, um sich wohlzufühlen. Und viele Käfer, die im Totholz brüten, finden in zubetonierten Gegenden keine passenden Brutstätten. Die Folge ist, dass Blüten, die von solchen Insekten bestäubt werden, in dicht bebauten Stadtteilen seltener bestäubt werden und deshalb weniger Samen und Früchte produzieren.

Einsatz von Privaten und Städten nötig

Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass es den Einsatz auf allen Entscheidungsebenen – von der privaten bis zur Ebene der Stadtplanung – braucht, um die Artenvielfalt und Ökosystemleistungen wie Bestäubung in der Stadt zu fördern. Private Gartenbesitzende können auf kleiner Fläche immer etwas für die Biodiversität machen, selbst wenn sie einen sehr isolierten Garten in der Stadtmitte haben.

Aber die Bemühungen von Einzelpersonen genügen nicht. So sind Käfer und Schwebfliegen auf Lebensräume im ganzen Stadtviertel angewiesen, einzelne Gärten reichen ihnen nicht. Hier geht es also darum, dass Städte ihre Grünanlagen erhalten und auch vernetzen.

Die vollständige Pressemitteilung der WSL finden Sie hier

Und hier noch ein sehr schönes Video über Wildbienen mit Tipps für ihren Schutz auf Youtube




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

„Schädling“? Das Reh ist der Sündenbock der Forstlobby

Petition: Finger weg von unseren Stadtwäldern!

Wilde Gärten – die Vielfalt vor der Haustür

Buchtipp: Von Pflanzen, die sich mögen & Tieren, die uns helfen

Zum Weltbienentag: Buch- und Bautipps und mehr

UPDATE: Über 150 Verbände fordern mehr Unterstützung für Beweidung

Auen und Weidetiere – eine fruchtbare Symbiose

Videotipp: Der Bach, der Wald – und der Filmer Jan Haft

Ein Managementplan für Stadtbienen

Wilde Gärten-Vortrag im Schwarzwald

Jetzt noch anmelden: Tagung zu Bestäubern in der Agrarlandschaft

UPDATE Rotwildforum in Niedersachsen als VIDEO

Heute ein Stündchen Schmetterlings-Webinar

Eichhörnchen in der Stadt – besser oder schlechter dran?

Hummeln, die heimlichen Rock´n Roller

EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur gilt auch in der Stadt!

Vögel und Bäume machen Lärm erträglicher

Jagdgesetz – Bayerns Abschied von der Fairness

Update gArtenvielfalt: Internetseite mit tollen Tipps

Großartiges Video über Winzlinge im Wald

Amphibien wandern – toller Kurzfilm dazu!

Jetzt unsere Insekten mit Blüten verwöhnen

Wählen Sie Ihr Gartentier des Jahres!

Tag des Artenschutzes: Bauen Sie eine Eidechsenburg!

Mein liebster Gärtner – der Maulwurf UPDATE

UPDATE Windkraft Öttinger Forst: Vortrag von Christine Miller

Sehr schönes Video über Rehkitzrettung

Wie schlau sind Wölfe wirklich? * VIDEO *

Die Masse an Insekten schrumpft, weil Arten verschwinden

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE






Aktuelle Informationen



Niederösterreich: Polizei soll verletzte Wildtiere töten Tiermediziner in Niederösterreich schlagen Alarm: Die Landesregierung hat offenbar in einem internen Leitfaden ihre Polizisten angewiesen, verletzte, teils streng geschützte…

Montag, 08. Juni 2026
Jetzt lesen
Zum heutigen Tag der Meere: Tolle Wal-Karten zu gewinnen! Der 8. Juni ist der internationale Tag der Ozeane. Anlässlich ihrer sehr bekannten Umwelt-Konferenz in Rio im Jahr 1992 begründeten…

Montag, 08. Juni 2026
Jetzt lesen
Totes Wild melden hilft Tierleben retten! UPDATE Hier ein aktueller Beitrag aus dem Garmischer Tagblatt zum Thema "Fallwild" und was sich dahinter verbirgt. Meldung vom 23. April…

Freitag, 05. Juni 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden