Rund 30 Freiwillige haben sich über einen Monat hinweg wiederholt in 24 verschiedenen Gärten in der Stadt Zürich vor Blumentöpfe gesetzt und gewissenhaft jedes Insekt protokolliert und gefangen – für jeweils neun Stunden am Stück. Ziel war es, dass Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL in Gärten der Stadt Zürich untersuchen konnten, wo und wann Insekten Pflanzen bestäuben. Dafür haben sie sogar Insektenzungen vermessen!
Die Studie zeigt erstmals im Detail, welche Insektenarten im Tagesverlauf welche Gärten und Blüten besuchen, und wie gut sie die Blüten bestäuben. Die Stadtgärten lagen in unterschiedlich stark verdichteten Stadteilen und beinhalteten ein unterschiedlich breites Blütenangebot. Erwartbarerweise zeigten sich auch große Unterschiede in den vorkommenden Insektenarten.
Solche Unterschiede zu analysieren, hilft den Forschenden, herauszufinden, wie eine Stadt aussieht, in der Blüten bestäubende Insekten ein passendes Zuhause finden. Das ist wichtig, weil viele dieser Insektenarten, zum Beispiel Hummeln, eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Wild- und Nutzpflanzen spielen. Städte können eine große Vielfalt an Wildbienen beherbergen und sind deshalb wichtig für deren Schutz.
Um herauszufinden, wie sich die Insekten an ihre Umgebung anpassen, vermaßen die Forschenden sogar ihre Zungenlänge. Denn davon hängt ab, welche Blüten ein Insekt nutzen kann: Nur Bestäuber mit langen Zungen, wie Hummeln, erreichen den tief verborgenen Nektar von spezialisierten Blüten, wie in den komplexen Kelchen von Akelei oder den Lippenblüten des Wiesensalbei. Bestäuber mit kürzeren Mundwerkzeugen, wie Schwebfliegen, sind hingegen auf leicht zugängliche Blüten angewiesen, zum Beispiel auf die Doldenblüten des Giersch.
Die Forschenden stellten fest, dass in blütenreichen Gärten der dicht bebauten Innenstadt vor allem große Wildbienen, wie Hummeln, aktiv sind. Sie sind in der Lage, auch größere asphaltierte Flächen zu überwinden und so zu isolierten «Blüteninseln» zu gelangen. Das versetzt sie in die Lage, selbst in dicht bebauten Innenstädten von einem vielfältigen Blütenangebot zu profitieren.
Auch kleine Wildbienen mit relativ langen Zungen profitieren von diesen blütenreichen Gärten, vermutlich eben darum, weil sie klein sind und so genügend Nahrung und auch Nistplätze finden. Pflanzen, an deren Nektar nur Insekten mit langen Zungen kommen, können also fast überall in der Stadt gut bestäubt werden.
Anders sieht die Lage bei Schwebfliegen und Käfern aus – sie finden in stark bebauten Quartieren keinen geeigneten Lebensraum. Die federleichten Schwebfliegen, die als Larven Blattläuse fressen, brauchen viele Grünflächen, um sich wohlzufühlen. Und viele Käfer, die im Totholz brüten, finden in zubetonierten Gegenden keine passenden Brutstätten. Die Folge ist, dass Blüten, die von solchen Insekten bestäubt werden, in dicht bebauten Stadtteilen seltener bestäubt werden und deshalb weniger Samen und Früchte produzieren.
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass es den Einsatz auf allen Entscheidungsebenen – von der privaten bis zur Ebene der Stadtplanung – braucht, um die Artenvielfalt und Ökosystemleistungen wie Bestäubung in der Stadt zu fördern. Private Gartenbesitzende können auf kleiner Fläche immer etwas für die Biodiversität machen, selbst wenn sie einen sehr isolierten Garten in der Stadtmitte haben.
Aber die Bemühungen von Einzelpersonen genügen nicht. So sind Käfer und Schwebfliegen auf Lebensräume im ganzen Stadtviertel angewiesen, einzelne Gärten reichen ihnen nicht. Hier geht es also darum, dass Städte ihre Grünanlagen erhalten und auch vernetzen.
Die vollständige Pressemitteilung der WSL finden Sie hier
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