Das auch in Bayern heimische Sikawild steht seit 2025 auf einer Schwarzen Liste der EU-Kommission: Es wurde als invasives Neozoon eingestuft und darf deshalb ab 2027 nicht mehr als Gehegewild gehalten werden. In freier Wildbahn gilt eine rigorose Pflicht zum Abschuss, wie sie zum Beispiel auch für Waschbären existiert. Ziel ist es, die Art unbedingt aus dem Ökosystem zu entnehmen, weil sie heimische Arten gefährdet. Aber auch Gatterhaltungen sollen rigoros ausgelöscht werden
Dagegen gehen immer mehr Verbände auf die Barrikaden, vor allem Nutzerverbände. In Österreich waren es zuletzt der Jagd-Dachverband Jagd Österreich gemeinsam mit der neu gegründeten Österreichischen Wildtierstiftung. Ihre Gegenwehr ist begründet: Seit Jahren wurde in unserem Nachbarland immer wieder überprüft, ob durch die biologisch mögliche Verpaarung von Sika- mit Rotwild eine genetische Durchmischung der beiden Arten stattgefunden hat – und das war bisher nicht der Fall.
In den 1990er Jahren schlugen englische Forscher Alarm als sie auf der Insel eine hohe Hybridisierungsrate von Sikawild und Rotwild entdeckten. Die Gefahr, dass der Genpool der heimischen Art unwiderbringlich durch den Eintrag des früher für Parks eingeführten asiatischen Sikawildes verändert wird, gab den Ausschlag für die Einstufung der EU. Allerdings war die intensive Vermischung von Rot- und Sikawild, wie sie in Großbritannien festgestellt wurde bei Rotwild und Sikawild auf dem europäischen Festland nicht in gleichem Ausmaß vertreten. Hybride fand man vor allem in Osteuropa und auch in geringem Umfang in Zentralitalien.
Solche Sika-Rotwild-Mischlinge sind kaum an ihrem Aussehen erkennbar. Nur genetische Analysen oder ungewöhnliche Brunftschreie (Sikawild, „jodelt“ so wie der amerikanische Wapiti) können das Eindringen von Sika-Genen in Rotwildbestände belegen.
Unter welchen Umständen sich Rothirsche und Sikahirsche bei der Partnerwahl irren ist kaum untersucht. Denn das Risiko von Verpaarungen scheint in der freien Wildbahn nicht überall gleich verteilt zu sein. Nachdem in Österreich die beiden Arten bisher genetisch getrennt geblieben sind, hoffen die Österreicher, dass mit dem Risiko der „invasiven“ Art Sikawild, etwas differenzierten umgegangen wird und der radikale Kahlschlag zumindest in den Gatterbetrieben ausbleibt.
Die Pressemitteilung von Jagd Österreich finden Sie hier
Bildquelle: Fran Ben/Pixabay.de
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