Vor wenigen Wochen ist sie erschienen, die bereits viel zitierte Rotwild-Genetik-Studie aus München. Prof. Andreas König von der Technischen Universität ist darin den vielen „Gerüchten“ um den genetischen Niedergang unseres heimischen Hirsches auf den Grund gegangen, vermeintlich mit wissenschaftlicher Akribie. Das Ergebnis war so, wie wir es erwartet hatten, und wie es der Auftrag- und Geldgeber wohl auch verlangte: „Dem bayerischen Rotwild geht es prächtig“, so die Pressemeldung der Forstministerin Michaela Kaniber. Aber die Fachleute, die wissen, wie man wirklich untersuchen kann, ob Bayerns Rotwildpopulationen isoliert, genetisch variabel oder ingezüchtet sind und möglicherweise Probleme haben, schüttelten fassungslos den Kopf ob der dreisten Wissenschafts-Simulation aus dem Dunstkreis Kanibers.
Hier mal ein Überblick über die Schwachstellen, Tricks und Fehler der ministeriell beförderten „Forschung“:
Tatsächlich zeigt selbst die bemüht Ministeriums-freundliche Studie der Forstbeamten Bayerns, dass es dem Rotwild in Bayern grundsätzlich genauso schlecht geht wie in Hessen, Baden-Württemberg oder Nordrhein-Westfalen. Nur dort, wo reger Austausch mit den großen zusammenhängenden Populationen in Tschechien oder Österreich besteht, können sich die Rothirsche noch artgerecht anpassen.
Die kleinen isolierten Populationen von Spessart bis Kürnach, von den Freisinger Isarauen bis in die Hassberge, von der Oberpfalz bis zum Odenwald driften bereits genetisch vor sich hin. Für sie besteht die akute Gefahr, dass sie auch kleine Umweltveränderungen nicht mehr meistern können, da ihre Fitness immer weiter nachlässt.
Der Rothirsch ist krank – auch und vor allem in Bayern. Ob die Autoren der Forstbehörden-Studie überhaupt alle Erkenntnisse und Fakten aus ihrer eigenen Untersuchung erkannt und verstanden haben, darüber kann man spekulieren. Auf jeden Fall waren sie von Anfang an bemüht, ihre Untersuchung so aufzustellen, dass sie ihrer Ministerin das gewünschte Ergebnis apportieren und für die Pressemeldung vor die Füße legen konnten.
Derartige Hütchen-Spiele dienen nur dem Zweck, der Bevölkerung die Folgen einer fehlgeleiteten und letztendlich gescheiterten Politik im Umgang mit unseren Naturschätzen zu verschleiern. Und in diesem Sinne ist die von den Autoren König, Peters, Jacobs und Brem vorgelegte Studie zum „Zustand der bayerischen Rotwildvorkommen“ nur der Beweis für den Bankrott einer fehlgeleiteten bayerischen Forstpolitik.
Liebe Bayern – lasst Euch das nicht mehr länger gefallen – im Interesse der Wahrheit, der Demokratie und des Rotwildes!
CM
Bildquelle: Monika Baudrexl
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