Wer das UN-Jahr des Hirtentums und der Beweidung richtig ernst nimmt, der durfte natürlich bei der Reise in der Slowakei mit Dr. Michaela Skuban nicht fehlen. Wir waren dort und sind intensiv eingetaucht in die Landschaft der Bären, Schafe und Herdenschutzhunde!
Wie von Dr. Skuban versprochen, war die Reise eine gelungene Mischung aus Kultur, Natur und traditioneller Nutzung. Die sehr kleine Gruppe wanderte zum Beispiel zur Ruine der Wüsten Burg (Pustý hrad) oberhalb von Zvolen, die schon aus der Bronzezeit stammt und bis ins 15. Jahrhundert hinein genutzt wurde. Seit einigen Jahren wird hier archäologisch gearbeitet, die riesige Anlage, die mit einem kolossalen Blick auf allen Seiten über das Land aufwartet, wurde gut für ein internationales Publikum erschlossen, und weitere Bauteile werden immer noch freigelegt.


Auch die Tatsache, dass die Slowakei viele heiße und mineralische Quellen besitzt und dass Thermalbäder sowie das Abfüllen von Mineralwässern an Quellen in Kurparks hier zum Alltag gehören, haben wir selbst erleben, fühlen und schmecken dürfen.


Der Schwerpunkt der Reise lag allerdings natürlich vor allem auf den Bären und Wölfen, die fast überall in den Wäldern um diese genannten Orte leben. Dr. Michaela Skuban konnte vor allem aus ihren vielfältigen Tätigkeiten als Biologin, unter anderem für den Nationalpark, berichten. Die gebürtige 48-jährige Deutsche, die seit rund 20 Jahren fast durchgehend in der Slowakei lebt, hat immer wieder Bären und Wölfe mit gefangen, besendert und ihre Wege verfolgt.


Wie sie sagt, ist der große Vorteil in der mittleren und östlichen Slowakei jener, dass die Siedlungen und Industrie sich weitgehend in den Tälern erstrecken, an die relativ ruhige Wälder in den Bergen angrenzen. Die hier lebenden großen Beutegreifer Bär, Wolf und Luchs (wobei Bären eine Mischform sind!) ziehen zwar durchaus auch nach unten auf die Felder, finden aber immer gute Rückzugsräume. Dr. Skuban schätzt, dass derzeit rund 2000 Bären in der Slowakei leben.
Ihr Management unterliegt dabei traurigerweise nicht so sehr wildbiologischen Erkenntnissen und Ansprüchen als vielmehr den vorherrschenden politischen Richtungen. Die vorhergehende Tendenz lautete, dass die Bären harmlos seien – in Folge dessen wurde kaum in den Bestand eingegriffen, und es wurden nur Maßnahmen zur Lenkung oder Vergrämung ergriffen. Wie sich hin und wieder zeigt, ist diese „Verharmlosung“ fatal. Die aktuelle Regierung setzt nur auf Abschuss, aber ohne Studien durchzuführen, was mit den Bären wirklich los ist, oder ob die Entfernung einzelner Individuen den gewünschten Effekt hat.
Nach Einschätzung von Dr. Skuban nehmen die Bären mancherorts überhand, und in der Folge kommt es zu Übergriffen. Einer ereignete sich just am Tag unserer Abreise aus der Slowakei. Solche Ereignisse verunsichern die Menschen und bringen sie gegen die Bären auf. Die Folge sind dann unter Umständen übermäßige und pauschale, wenig ökologisch verträgliche Eingriffe, wie zum Beispiel eine Reduktion um 350 Stück.

Bei unseren Wanderungen und auch in der Region Orava nahe der polnischen Grenze war erstaunlich zu sehen, dass Beweidung hier überall verbreitet ist, auch wenn Bär und Wolf gleich um die Ecke wohnen. Trotzdem ist die Landschaft keineswegs, wie bei uns, von hohen und massiven Zäunen zum Schutz der Nutztiere durchschnitten. Wir haben Rinder auf schier unendlichen Weiden gesehen, die gerade mal von einem einzigen Draht in Hüfthöhe umzäunt waren.
Viele große Schafherden ziehen frei, aber behütet von Schäfern und eindrucksvollen Hunden, durch die Landschaft. Das Highlight unserer Reise war der Besuch bei Schafhalter Vlado Ondrík in der Region Orava, der pro Alm einen bis drei hauptberufliche Schäfer und zehn bis 20 wirklich große Hunde einsetzt. Die Herdenschutzhunde, zum Beispiel Kangal oder Slowakischer Tschuvatsch (Cuvac), sind prinzipiell sehr menschenfreundlich – aber sie sind nunmal Schutzhunde, und als solche können sie auch ganz anders, wenn sie eine Bedrohung für ihre Schafe sehen! Man muss im Umgang mit ihnen also klar kommunizieren und aufpassen, keine Missverständnisse aufkommen zu lassen.


Wer mit Dr. Michaela Skuban reist, profitiert nicht nur von ihrem schier unerschöpflichen Wissen über – gefühlt – jeden Winkel dieses von ihr sehr geliebten Landes, sondern natürlich vor allem von ihren hervorragenden Kontakten. Dank diesen erhielten wir zum Beispiel Zufahrtsrechte im Biosphärengebiet rund um den einstigen Vulkan Pol´ana, einem Bereich, wo eine hohe Dichte von Wölfen und Bären vorkommt. Aber auch die Auswahl der Pension, in der die Reisegruppe untergebracht war, spricht von ihrer sehr guten Kenntnis der Region. Das „Mönchstor“ in Slovenska lupca ist eine ebenso liebevoll wie besonders geführte Kneipe und Unterkunft.
Eine solche Reise können wir nur jedem Naturfreund, der sich mal eine Schicht tiefer über die Slowakei und ihre tierischen wie menschlichen Bewohner informieren möchte, wärmstens empfehlen. Die Kontaktdaten von Michaela Skuban stehen unten!
Weitere Informationen: www.michaelaskuban.com
Meldung vom 6. Mai 2026
Die Biologin Dr. Michaela Skuban, von deren Tätigkeit als Bärenforscherin wir hier im Blog schon häufiger berichtet haben, bietet eine einzigartige Reise an: Vom 8. bis 12. Juli kann man sie auf einer Natur und Kultur-Reise in die Slowakei begleiten. Thema sind auch die Schäfer als Bindeglied von Tradition und Naturschutz. Alle Details entnehmen Sie bitte dem unten verlinkten PDF!
Preis: 850 € pro Person (Unterbringung, Frühstück, Abendessen ohne Getränke, Eintrittskarten, Transport)
Mindestteilnehmerzahl sind vier Leute, Maximum sind 15 Leute.
Anmeldung bitte bis Ende Mai per E-Mail an:
Alle Informationen zu der Reise finden Sie hier
Mehr Informationen über Michaela Skuban und Ihre Tätigkeit finden Sie hier
Bildquelle: Michaela Skuban, Vivienne Klimke, DSC_9618
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