Blogpost
Dienstag, 30. September 2025

Scrollicon
Ein Wolf streift durch einen verschneiten Wald
30. September 2025, 06:21    office@wildes-bayern.de

Essay: Vier Punkte für eine bessere Wolfs- und Raubtierpolitik


Die Rückkehr großer Raubtiere wie des Wolfs ist eine Erfolgsgeschichte – zumindest aus Sicht des Naturschutzes. Jahrzehnte strikter Schutzmaßnahmen haben dazu geführt, dass sich die Bestände in weiten Teilen Europas stabilisieren oder dass sie wachsen. Doch dieser Erfolg wirft längst neue Fragen auf: Wie viel Schutz ist noch notwendig? Ab wann steht die Koexistenz im Vordergrund, und wer trägt die Kosten und Konflikte?

Zu diesem Thema haben sich die Autorinnen Hanna L. Pettersson und Erica Von Essen in der Veröffentlichung „Conservation Letters“ Gedanken gemacht. Pettersson ist Sozialwissenschaftlerin, die aber immer wieder interdisziplinär arbeitet, um sich dem Zusammenleben von Menschen und Wildtieren zu widmen. Von Essen ist Gelehrte im Bereich Mensch und Wildtiere, die vor allem die Frage untersucht, welche neue Rolle Tieren im Zeitalter des Anthropozäns zukommt. 

Der Beitrag ist besonders interessant, weil aktuell über die Herabstufung des Wolfs im europäischen Schutzrecht gestritten wird. Während große Umweltschutzorganisationen wie WWF oder Birdlife warnen, dass dies den Weg für unkontrollierte Jagd ebnet, verweisen Befürworter darauf, dass Anhang V nicht bedeutet, dass gejagt werden muss – er erlaubt lediglich flexible Regelungen.

Die Autorinnen befürworten, Raubtiere als Mitbewohner einer veränderten Landschaft begreifen. Das vermeintlich „Wilde“ wird immer stärker mit menschlichen Strukturen verflochten sein. Die zentrale Frage, die sie daraus ableiten, lautet: Wie kann eine ehrliche, ausgewogene und gerechte Wolfs- und Raubtierpolitik aussehen? Pettersson und van Essen kommen zu folgenden vier Punkten:

  • Schutz- und Managementkonzepte müssen auf lokale Gegebenheiten reagieren. Wo enge Koexistenz möglich ist, sollte sie gefördert werden. Wo Konflikte untragbar werden, braucht es flexible Eingriffe.
  • Herdenschutz, Monitoring oder Wildtiermanagement dürfen nicht allein auf die Schultern der betroffenen Landwirte fallen. Europäische Fördermittel könnten hier viel stärker lenkend wirken.
  • Politische Manipulation von Bestandszahlen oder „politische Populationen“ unterminieren Vertrauen. Eine einheitliche, transparente Datenerhebung ist dringend notwendig.
  • Betroffene Gemeinschaften müssen von Beginn an in Entscheidungsprozesse eingebunden werden, um dauerhafte Akzeptanz zu schaffen.

Den vollständigen Essay in englischer Sprache können Sie hier bei Conservation Letters nachlesen

 

 




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Tschernobyls Rinder – back to the roots

Unbändige Hitze – Wasser für Tiere nötig!

Lesetipp für den Sommer: Naturschutz und Landschaftsplanung

Fledermäuse: Lautlose Schädlingsbekämpfer auf unseren Äckern

Europäische Sumpfschildkröten kehren nach Hessen zurück

UPDATE Verstümmelte Kitze: Staatsanwalt verweigert die Arbeit – Ermittlungen eingestellt!

Weideprämie gestrichen – was Bürokratieabbau wirklich meint

UPDATE Reise mit Bärenforscherin – wir waren dabei!

Video aus Polen: Wölfe greifen Bisons an

Allmende – Weiden für unser aller Artenvielfalt

Jetzt Petition für besseren Umgang mit Schalenwild in Thüringen unterzeichnen!

Vormerken: Online-Seminar zur Wiedervernässung

Vorbildliches Bündnis naturschützender Verbände in Herborn

Internationales Jahr für Beweidung und Hirtentum * Veranstaltungen

UPDATE: Über 150 Verbände fordern mehr Unterstützung für Beweidung

Tausend Füße brauchen einen Ausweg

Vormerken und anmelden: VLAB-Artenschutztag 2026

Seminar zu insektenfreundlichem Mähen in der Landschafts- und Grünpflege

Kitze zermäht – mehrere Anzeigen gegen Landwirte

Kitzrettung Wildes Bayern – Update

Fördert der Mensch als „Schutzschild“ den Goldschakal?

Zoos wollen mehr für heimischen Artenschutz tun

Vorträge zu „Naturschutzbeweidungen im Wald“ jetzt online

Jetzt noch anmelden: Tagung zu Bestäubern in der Agrarlandschaft

US-Studie zur Nutztierhaltung: Keiner will das

Urteil: Windkraftanlagen im Vogelschutzgebiet rechtswidrig

HEUTE Online-Vortrag zur wildtierschonenden Mahd und Mähknigge

Konflikte kreativ lösen: Die Biber-Praxisfibel

Eichhörnchen – Daten sammeln und helfen!

Kreuzottern – jetzt gut darauf achtgeben!






Aktuelle Informationen



Pinguine als Schadstoff-Frühwarnsystem Über die gefährliche Ewigkeitschemikalie PFAS berichten wir hier im Blog immer wieder. Bekannt ist, dass sie sich bereits weltweit bis…

Donnerstag, 06. August 2026
Jetzt lesen
Tschernobyls Rinder - back to the roots Als 1986 der Reaktor in Tschernobyl havarierte, richteten die Behörden eine Sperrzone von 30 Kilometern ein, um die Menschen vor…

Montag, 03. August 2026
Jetzt lesen
"Wenn schon, dann mich zuerst" - Rotwildjagdzeit beginnt Auch wenn der Blick dieses Rotwildkalbs im Aufmacherbild eher scheu und schutzsuchend ausschaut, aber zum Auftakt der Jagdzeit für Alttiere…

Freitag, 31. Juli 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden