Der Boden unserer Acker-, Moor und Waldflächen ist entscheidend, um wichtige Ökosystemfunktionen und -dienstleistungen wie Nahrungsmittelproduktion, Kohlenstoffspeicherung, Erosionsschutz und Wasserregulierung aufrechtzuerhalten. Doch 70 Prozent der europäischen Böden sind mit Pflanzenschutzmitteln kontaminiert, wie eine Studie unter der Co-Leitung der Universität Zürich jetzt herausgefunden hat. Das wirkt sich gravierend auf nützliche Bodenorganismen wie zum Beispiel Pilze und Fadenwürmer aus.
Die in der Fachzeitschrift «Nature» veröffentlichte Studie wurde von einem internationalen Gremium aus zehn europäischen Forschungseinrichtungen durchgeführt, darunter die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Union (JRC), die spanische Universität Vigo, Agroscope und die UZH. Die Wissenschaftler:innen untersuchten die Auswirkungen von 63 gängigen Pflanzenschutzmittel auf die Böden und entnahmen insgesamt 373 Bodenproben aus Feldern, Wäldern und Wiesen in 26 europäischen Ländern.
Am häufigsten fanden die Forschenden Fungizide, also Wirkstoffe gegen Pilze. Diese machten 54 Prozent aller Pflanzenschutzmittel aus, gefolgt von Herbiziden – vor allem Glyphosat – mit 35 Prozent und Insektiziden mit elf Prozent. Die meisten Pflanzenschutzmittel wurden auf landwirtschaftlichen Feldern gefunden, aber auch in Wäldern und Wiesen, wo normalerweise keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden – was wahrscheinlich auf die Verbreitung des Pflanzenschutz-Sprühnebels durch Winde zurückzuführen ist.
Das Problem verschiedener Pflanzenschutzmittel besteht darin, dass sie nicht nur Schädlinge bekämpfen, die unsere Nutzpflanzen beeinträchtigen, sondern auch nützliche Bodenorganismen. Daher untersuchten die Forschenden in den Proben die Artenvielfalt von Bodenorganismen wie Bakterien, Pilzen, Fadenwürmern und Einzellern. Sie stellten fest, dass Pflanzenschutzmittel die lebenden Bodenlebensgemeinschaften stark verändern.
Mykorrhiza-Pilze, die für unsere Nutzpflanzen wichtig sind, sind besonders von Pflanzenschutzmittel betroffen. Die Pilze verbinden sich mit den Wurzeln von Nutzpflanzen und helfen ihnen, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Besonders schädlich ist das Fungizid Bixafen, das zur Bekämpfung schädlicher Pilze auf Getreide eingesetzt wird: Es beeinträchtigt viele der untersuchten Bodenorganismen.
Die Forschenden konnten zudem zeigen, dass Pflanzenschutzmittelrückstände auch die eigentliche Funktion der Böden verändern. «Einige Organismen, insbesondere mehrere Arten von Bakterien, profitieren vom Pflanzenschutzeinsatz, wahrscheinlich weil andere Organismen reduziert werden», ergänzt Julia Königer von der Universität Vigo und Erstautorin der Studie. Die Forschenden konnten dies nachweisen, indem sie Schlüsselgene für Bodenfunktionen wie die Rückgewinnung und Freisetzung von Nährstoffen wie Phosphor und Stickstoff untersuchten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmittel die natürliche Nährstoffversorgungs-Funktion des betroffenen Bodens beeinträchtigt und zusätzliche Düngung erforderlich ist, um die Erträge aufrechtzuerhalten.
Die schädlichen Auswirkungen verschiedener Pflanzenschutzmittel auf Vögel, Bienen und andere Insekten sind seit langem bekannt und dokumentiert. Die Studie zeigt darüber hinaus, dass Pflanzenschutzmittel auch für unsere Böden eine sehr große Umweltbelastung darstellen. Oft wird gar nicht bedacht, wie Pflanzenschutzmittel auf Organismen wirken, die nicht das Ziel sind. Da einige Wirkstoffe nur schwer abbaubar sind, verbleiben sie jahrelang im Boden und haben langfristig grosse Auswirkungen auf das Bodenökosystem.
Um dieses zu schützen, müssen ökotoxikologische Bewertungen über Tests mit einzelnen Arten hinausgehen und auch die Auswirkungen der Pflanzenschutzmittel auf Ebene der Lebensgemeinschaften und ihren Funktionen für den Boden berücksichtigen. Laut den Forschenden müssten diese Aspekte dringend in die aktuelle Pflanzenschutzmittelregulierung integriert werden.
Die Original Studie in englischer Sprache können Sie hier nachlesen
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