Blogpost
Donnerstag, 04. Dezember 2025

Scrollicon
Foto: Aus dunkelbrauner lockerer Erde schaut ein schwarzer Maulwurf mit rosa Nase und Händen hervor.
04. Dezember 2025, 13:56    office@wildes-bayern.de

Zum Tag des Bodens: Maulwurfsliebe und Buchtipps!


Am 5. Dezember ist nicht nur Nikolaus, sondern auch der Weltbodentag, also der internationale Tag des Erdbodens. Ins Leben gerufen haben ihn 2013 die Vereinten Nationen (UN), um auf die elementare Bedeutung der Böden für unsere Ernährung, Gesundheit, aber auch das Klima aufmerksam zu machen.

Wir behandeln unsere Böden wie Dreck

Leider sieht der Alltag um uns herum so aus, dass der Boden sprichwörtlich mit Füßen getreten wird – es ist vollkommen selbstverständlich, dass er mit schweren Maschinen befahren und auf Jahrzehnte hinweg verdichtet wird, oder dass heftige Regenfälle ihn von Äckern auf die Straße und in Gräben spülen. Erde ist offenbar für viele Menschen nur Dreck – dabei ist sie die Grundlage für alles, was wir sind.

Deshalb geben wir Ihnen zum Weltbodentag zwei tolle Buchtipps mit auf den Weg!

Warum wir dem Maulwurf die Füße küssen sollten

Und wir möchten eine Art ins Rampenlicht heben, die im Grunde ebenso schlecht behandelt wird wie der Boden selbst: Den Maulwurf. Geben Sie doch mal „Maulwurf schützen“ in Google ein – was kriegen Sie da? Zum allergrößten Teil Tipps, wie Sie Ihren Garten oder Rasen VOR DEM Maulwurf schützen. Dabei braucht der Erdbewohner, den wir nur allzu selten sehen, längst selbst unseren Schutz – denn gerade unsere geknechteten Böden brauchen dringend seine Hilfe!

Hier nur ein paar spannende Schlaglichter, die Sie zum Nachdenken bringen könnten:

  • Maulwurfshügel sind für die Tiere überlebenswichtig, weil sie für (gereinigte) Atemluft in den Gängen sorgen. Wer sie festtritt, verschließt ein solches „Atemloch“. Der Maulwurf kann im schlimmsten Fall ersticken oder wird sich im besten Fall durch das Anlegen eines weiteren Hügels zur Wehr setzen. Unser Tipp: Lassen Sie den Hügel, wo er gerade nicht wirklich stört, einfach mal bestehen. Bestreuen Sie die hervorragend durchgelockerte und mit Sicherheit schädlingsfreie Erde mit Blühsamen und kreieren Sie so kleine Blühinseln in Ihrem Garten.
  • Die Gänge eines einzigen Maulwurfs können Tausende Quadratmeter Grund durchziehen! Sofern die Tiere nicht bei der Bodenbearbeitung (schwere Maschinen, Pflug…) sterben, können sie also ein effizientes Gegenmittel zur Bodenverdichtung bieten. Wir sollten ihnen dafür die rosafarbenen Füßchen küssen, denn vor allem angesichts des Klimawandels sind Luft und Poren im Boden von unersetzlichem Wert.
  • Das dunkle, dichte Fell des Maulwurfs, wegen dem er früher sogar gejagt wurde, verliert bei Verarbeitung angeblich seinen Glanz und auch seine Haare. Doch wussten Sie, dass es in Form von Globuli in der Homöopathie zum Kurieren von Haarwuchsproblemen eingesetzt wird?
  • Maulwürfe sind grantige Einzelgänger, die sich – ähnlich wie Igel – gerade mal zur Paarungszeit tolerieren. Die Weibchen gelten als intersexuell, weil sie neben den weiblichen auch über männliche Keimdrüsen verfügen. Diese produzieren Testosteron und machen das „schwache Geschlecht“ schön kräftig und stark, damit es dem harten unterirdischen Alltag die Grabekrallen zeigen kann. Für mehr reichen die Hoden allerdings nicht aus – sie produzieren keine Spermien, und die Maulwurfsweibchen sind nicht in der Lage, sich selbst zu befruchten.
  • Es gibt wenig Forschungsergebnisse über Maulwürfe, denn die Tiere lassen sich im Labor nicht halten.

Einige biologische Infos zum Maulwurf (Talpa europaea) finden Sie hier

Buchtipp 1: Wilde bunte Würmer mit irren Frisuren

Unser erster Buchtipp zum Tag des Bodens stammt aus dem Leykam-Verlag und ist ein Kinderbuch mit dem Titel: Wo die Wilden Würmer wohnen.

Ein gemalter grün-brauner Buchumschlag mit dem Titel: "Wo die wilden Würmer wohnen"

Buchtitel „Wo die wilden Würmer wohnen“

Die Wilden Würmer sind die Nematoden oder Fadenwürmer, und in diesem Buch sind sie bunt tätowiert und tragen wilde Frisuren. Auf allen Seiten des Buches krabbeln sie und andere tierische Figuren wild durcheinander und vermitteln oder kommentieren die Botschaften, die da so rüber gebracht werden. Auszug aus dem Pressetext:

„Habt ihr gewusst, dass Mistkäfer auf Kacke tanzen, Spinnen sich als Ameisen verkleiden und manche Schnecken sich mit Pupsgeräuschen verteidigen? In einem Gramm Boden leben mehr Organismen, als es Menschen auf der Erde gibt. Maulwürfe, Regenwürmer, Asseln, Pilze und Billionen winziger Wesen sorgen dafür, dass Pflanzen wachsen, Wasser sauber bleibt und aus Kacke wertvolle Nährstoffe entstehen. Sie lockern den Boden auf, recyceln Abfall und sind geheime Helden des Lebens! Ohne einen gesunden Boden gäbe es keine saubere Luft, kein sauberes Wasser und keine Nahrung.“

Autorin Elisabeth Etz erklärt, was Boden ist, wie er entsteht und welche Rolle zum Beispiel die „Kacke“ dabei spielt (ein Kapitel, das die kleinen Leser sicher besonders lieben werden!). Dann geht es um die Mitbewohner der Wilden Würmer, die Mistkäfer und „Aufräumkommandos“ aus Schnecken. Etwas ernster sind die letzten Seiten, in denen es um das Nutzen von Boden und seine Gefährdungen geht.

Uns hat das Buch gut gefallen, weil es Kindern im Grundschulalter schon erzählt, dass der Boden etwas Wichtiges und Schützenswertes ist. Die Zeichnungen mit den drolligen Kommentaren sind witzig und lenken spielerisch davon ab, dass hier teilweise ganz schön anspruchsvoller Stoff vermittelt wird – wenn auch in angenehm gut verdaulichen kleinen Portionen pro Seite.

Aus unserer Sicht definitiv ein tolles Weihnachtsgeschenk für Kinder ungefähr zwischen der zweiten und vierten Schulklasse!

Elisabeth Etz und Nini Spagl: Wo die Wilden Würmer wohnen. Leykam Verlag, Graz, ISBN: 978-3-7011-8357-9

Hier finden Sie mehr Infos des Leykam Verlags zu diesem Buch

 

Buchtipp 2: Warum Gärtnern bedeutet, den Boden in Ruhe zu lassen

Ein Buch, das einen bunten Hintergrund aus fotografierten farbigen Karotten hat, vor dem in großen weißen Lettern steht: Das Große Bodenhandbuch

Buchtitel Bodenhandbuch

Unser zweiter Buchtipp: Das große Bodenhandbuch.

Darin geht es nicht um Böden allgemein, sondern um regeneratives Gärtnern und ökologischen Gemüseanbau. Autor Jesse Frost lebt als Farmer, Gärtner, Journalist und Podcaster in Kentucky und verfolgt als oberste Prämisse: Nicht umgraben – no till! Das Buch ist gemäß seinen drei Leitsätzen in drei Kapitel gegliedert: So wenig wie möglich stören, den Boden möglichst bedeckt halten und so viel wie möglich bepflanzen.

Diese Einteilung ist sehr angenehm und hilft, den umfangreichen und tiefgehenden Stoff zu verarbeiten. Der Leser, so er denn eher Gärtner als Landwirt ist, sieht sich hier natürlich mit Plänen und Tipps konfrontiert, die sich auf eine große Fläche und einen Betrieb beziehen. Aber schön ist, dass Jesse Frost keine Eins-zu-eins-Umsetzung erwartet, sondern jeden ermutigt, einfach mal so gut wie es geht anzufangen.

So hat auch er mal begonnen, nachdem seine Farm – wie bei vielen Leidensgenossen – ausgelaugt war und keinen Ertrag mehr lieferte. Ähnlich wie zum Beispiel Benedikt Bösel in Brandenburg und das Ehepaar Tree in Sussex musste auch Jesse Frost erstmal ganz unten angekommen sein, bevor ihm bewusst wurde, dass nur die Natur helfen kann, wieder Leben ins Land zu bringen. Eine ungeheure Stimulation für jeden von uns, so klein unsere Fläche auch sein mag!

Jesse Frost (2025): Das große Boden-Handbuch. Regeneratives Gärtnern und ökologischer Gemüseanbau – auch ohne Umgraben. 256 Seiten mit Fotos und Illustrationen, Hardcover, ISBN 978-3-98726-137-4

Mehr Infos zum Großen Bodenhandbuch auf den Seiten des Oekom-Verlags finden Sie hier

Hier kommen Sie zur UN-Seite des World Soil Day

Bildquelle: Leykam Verlag, Oekom Verlag, Dirk (Beeki) Schumacher auf Pixabay




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Buchgeschenk für Wildtierfreunde: „Wir retten Rehkitze“

Wie versprochen – hier kommen unsere Kinderbuchtipps!

Bestandsaufnahme unserer Vögel für 2025 erschienen

Buchtipp nicht nur für Nerds: Viren

Online-Vortrag und Buch über das Knepp rewilding project

Buchtipp: Die Besonderheiten der Borkenkäfer

Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur

UPDATE – EU verabschiedet Bodenüberwachungsgesetz

Kinderbuch zum Abenteuer Naturschutz: „Wo die Eule schläft“

UPDATE Gewinner der Verlosung: „Selma, Du machst das falsch“

Buchtipp Botschaft der Wildtiere

Murmeltieren geht im Klimawandel der Lebensraum aus

Angenehm ideologiefrei: „Würde und Rechte von Tieren“

Nimmt der Klimawandel uns in die Zange? UPDATE

Zwischen Schalenamöben mit Scheinfüßchen

Mein liebster Gärtner – der Maulwurf?!

Regenwürmer und die Gefahr durch Pestizide

„Ameisen“ – und Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr raus

Bezauberndes Kinderbuch: Die Konferenz der Vögel

Buchtipp: Schützen Frauen die Erde besser?

Ferien- und Buchtipp: „Zoos in Bayern“

Schönes Geschenk: „Ein Garten voller Tiere“






Aktuelle Informationen



Dank an wildtierfreundliche Landwirte für Kitzrettung Im Frühjahr 2025 haben die beiden Wildes Bayern-Drohnenteams um Vivienne und Thomas Burger und Manfred und Christine Röder wieder mit…

Mittwoch, 14. Januar 2026
Jetzt lesen
Neuer Jagdgesetzentwurf - verpasste Chancen und Mankos Über zehn eng beschriebene Seiten umfasst die Stellungnahme von Wildes Bayern zum aktuell in der Diskussion befindlichen Entwurf eines neuen…

Mittwoch, 14. Januar 2026
Jetzt lesen
"Fütterung" bei Rottach-Egern UPDATE: Endlich eine Lösung! Endlich kommt das Rotwild bei Rottach-Egern zu seinem Recht! Nach konsequentem Dranbleiben von Wildes Bayern hat das Landratsamt offenbar die…

Mittwoch, 14. Januar 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden