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Mittwoch, 20. November 2024

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„Ameisen“ – und Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr raus
20. November 2024, 09:49    Christine Miller

„Ameisen“ – und Sie kommen aus dem Staunen nicht mehr raus


Ameisen sind für uns vollkommen alltäglich – oder eben auch gar nicht. Denn in wessen Alltag kommen sie tatsächlich vor? Wer denkt sich schon, wenn er eine Ameise sieht: „Oh, da ist ja eine Ameise!“ Und ganz ehrlich, wie oft sehen wir sie überhaupt? Sie leben unter unseren Füßen, Terrassenplatten und Autoreifen und erhalten kaum Beachtung (außer sie werden lästig).

Deshalb möchten wir Ihnen den tollen Band „Ameisen“ aus dem Schweizer Haupt-Verlag ans Herz legen. Wer dieses Buch aufschlägt und darin liest, kommt bald aus dem Staunen nicht mehr heraus, denn es steckt voller Rekorde und unglaublicher Geschichten. Und der Leser bekommt das leicht unheimliche Gefühl, dass neben uns noch eine zweite Existenzform diese Erde beherrscht.

Heeresameisen in Verteidigungsstellung

 

Hier nur mal einige Schlaglichter: Ameisen leben auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Der schmerzhafteste Stich aller Insekten kommt von einer Ameise. Sie heißt 24-Stunden-Ameise, denn so lange währt der Schmerz von ihrem Gift. Der schnellste Schnapper im Tierreich findet sich ebenfalls bei einer Ameise: Odontomachus (nomen est omen) bauri verfügt über einen Triggermechanismus, der ihre Kauwerkzeuge mit einer Geschwindigkeit von 230 km/h schließt! Es gibt Ameisenarten, die über 20 Zentimeter weit springen können. Die so genannten Drakula-Ameisen ernähren sich von der Lymphflüssigkeit ihrer eigenen Larven. Und: Das vergrößerte Bild einer Polyrhachis ypsilon (einer Weberameisenart) stellt an Gruseligkeit die schlimmsten Versionen von Spinnen glatt in den Schatten: Goldene Haare auf einem Körper, der nicht nur auf spinnenartig langen, schwarzen Beinen daherstelzt, sondern am Rücken auch noch abschreckende schwarze Dornen trägt… !

Weberameise – schaut gruselig aus, baut aber Nester aus Seide, indem sie die Seidenraupenlarven hält

 

Und doch: Mit allergrößter Faszination habe ich das Buch von Heather Campbell und Benjamin Blanchard gelesen. Sie ist Dozentin für Entomologie in Shropshire, UK und Mitherausgeberin des Journal of Ecology. Er ist promovierter Evolutionsbiologe an der Universität von Chicago und verfasst den Wissenschaftsblog The Daily Ant.

Das Werk ist ein Buch gewordenes Understatement – darin kommt es seinem Thema irgendwie gleich. Schlicht und schwarz und in durchaus handlichem Format kommt es daher, aber schon wer versucht, das ameisenklein geschriebene Inhaltsverzeichnis zu entziffern, merkt, dass die leichte Hülle ein inhaltliches Schwergewicht beherbergt.

Wer sich in dieses Buch vertieft, muss eine gewisse Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit der Wissenschaft mitbringen, als erstes zum Beispiel mit den Begriffen der Myrmekolog:In (das sind die Ameisenforscher), Mesosoma oder Gaster (das sind Brustteil und Hinterleib der Ameise). Als Hilfe gibt es hinten im Buch ein Glossar.

Die sechs Kapitel- und zahlreichen Unterüberschriften sind manchmal komplett nüchtern, oft auch humorvoll, aber doch völlig unaufgeregt angesichts des unfassbar Spannenden, was dann darin zu lesen ist.

Jede Doppelseite des Buches ist mit Fotos reich illustriert, und auch hier kann man nur staunen, wie es gelungen ist, diese Vielfalt an qualitativ hochwertigen Bildern zusammenzubringen. Sie sind nicht in erster Linie ästhetisch, sondern illustrieren optimal die Schilderungen im Text. Kaum zu glauben, dass es auf der Welt so viele professionelle Ameisenfotografen gibt.

Was sollen wir sagen? Diese Buch sollte irgendwie jeder gesehen haben, denn es öffnet wirklich unseren anthropozentrierten Horizont. Den Einstieg finden dann vielleicht nur die, die sich ernsthafter mit dem Thema auseinander setzen wollen. Doch das Werk ist eine Schatztruhe, die wir vom Wilden Bayern in unserer Bibliothek nicht mehr missen wollen!

Heather Campbell / Benjamin Blanchard (2024): Ameisen. Die faszinierende Welt der kleinen Naturarchitekten. Haupt Verlag Bern, ISBN: 978-3-258-083742

** Und nicht vergessen: Im April bietet Wildes Bayern seinen Mitgliedern eine kostenlose Ausbildung zum Ameisenheger an! Gleich anmelden? Hier! **

 

Bildquelle: Haupt Verlag, Chien Lee, Ajornyot wildlife photography/Shutterstock




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