Hier kommt ein prägnantes Beispiel dafür, warum es so gefährlich ist, wenn wir Naturbestandteile, wie Tierarten, aus dem ökologischen Netz verlieren – oft, ohne sie überhaupt gekannt und erforscht zu haben. Forscherteams der Freien Universität Berlin, der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und anderer Institutionen haben entdeckt, dass das seit Jahrhunderten erforschte Ameisengift doch wesentlich mehr ist als bloß ein bisschen ätzende Säure – und dass das möglicherweise Auswirkungen für unsere gesamte menschliche Gesundheit haben könnte.
Seit ihrer Entdeckung im 17. Jahrhundert wurde Ameisensäure als zentraler und nahezu alleiniger Inhaltsstoff der Ameisengifte betrachtet. Nur in einer jahrzehntealten und weitgehend unbeachteten Publikation wurde mal erwähnt, dass diese Gifte vielleicht auch eiweißartige Stoffe enthalten. Dem gingen die Forscher bei den Schuppenameisen, zu denen auch die Waldameisen gehören, nach und fanden jetzt heraus: Das Gift enthält einen komplexen Cocktail aus Eiweißen und weiteren bioaktiven Substanzen, mit denen die Tiere ihre Nester vor Krankheitserregern, wie Pilzen oder Mikroben, schützen.
In den Giften der Schuppenameisen konnten sie zwei völlig neue Peptid-, also Eiweiß-Familien nachweisen, die in diesen Ameisen einzigartig, aber weit verbreitet sind. Die Peptide leisten offenbar einen Beitrag zur Nesthygiene. Die Ameisen schmieren ihre Brut mit ihrem Gift ein. Während die Ameisensäure verdunstet, bleiben die Peptide auf den Puppen zurück und wirken dort Infektionen entgegen.
Einige der Peptide zeigen eine ausgeprägte Wirkung gegen Pilze. Das ist besonders interessant vor dem „Hintergrund einer Bedrohung sozialer Gemeinschaften durch Umweltmikroben und Krankheitserreger sowie zunehmender Resistenzen dieser Mikroben gegen antimikrobielle Wirkstoffe“, wie einer der Wissenschaftler sagte. Damit eröffnet die riesige Familie der Schuppenameisen ein enormes Potenzial für die Entdeckung weiterer bioaktiver Substanzen. Allerdings: Die Waldameise ist in Deutschland bereits vom Aussterben bedroht. Und das Rote Liste-Zentrum hält für über die Hälfte aller 108 heimischen Arten fest, dass sie im Bestand gefährdet sind. Eine ist bereits ausgestorben, nur ein gutes Viertel gilt als ungefährdet.
In Zeiten, in denen wir Menschen mit einer Zunahme an Erregern zu kämpfen haben, während zugleich immer mehr Antibiotikaresistenzen auftreten, könnten die neuen Entdeckungen zur Ameisensäure eine sehr wichtige Erkenntnis sein. Die Forscher sehen darin „Bedeutung für die medizinische Wirkstoffforschung“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Durch die interdisziplinäre Herangehensweise und die Untersuchung der Giftsekrete mehrerer Ameisenkolonien verschiedener Ameisenarten zählt die Arbeit zu den bisher umfassendsten vergleichenden Analysen von Ameisengiften.
Die gemeinsame Pressemitteilung der Freien Universität Berlin und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg finden Sie hier
Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier
Bildquelle: K. A./Pixabay
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