Tausende Mini-Amphibien verlassen jetzt im Juni ihre Geburts-Gewässer und gehen an Land. Mancherorts sieht es aus, als seien die Winzlinge vom Himmel gefallen, deshalb nennt das Phänomen sich tatsächlich Frosch- oder Krötenregen. Darauf macht die Deutsche Wildtier Stiftung aufmerksam. Wir bitten Spaziergänger und Landwirte dringend, die Augen offenzuhalten und betreffende Wege, Äcker und Wiesen nicht zu betreten, gegebenenfalls sogar mit der Mahd zu warten – das Phänomen ist recht schnell vorbei.
Nur zehn Millimeter klein, sehen die Jungtiere exakt aus wie Miniaturausgaben erwachsener Tiere. Denn ihre Metamorphose haben sie in den zwei bis vier Monaten Entwicklungszeit im Wasser abgeschlossen. Aus dem Laich – bei Kröten in Schnüren, bei Fröschen in Klumpen abgelegt – bildeten sich zuerst die Kaulquappen. Dann wuchsen Hinter- und Vorderbeine, und die Kiemen wichen einer Lunge.
Sobald dann der Schwanz vollständig zurückgebildet ist, krabbeln die fertigen Amphibien an Land. „Das geschieht immer nahezu zeitgleich“, sagt Kathrin Mayer, Biologin bei der Deutschen Wildtier Stiftung. „Weil dann in einigen Regionen urplötzlich Tausende Miniaturamphibien auf dem Boden herumwuseln, spricht man im Volksmund auch vom Frosch- oder Krötenregen.“
Alle Amphibien sind auf feuchte Haut angewiesen – sie regulieren darüber ihren Wasserhaushalt und nehmen Sauerstoff auf. „Oft wird ihnen Trockenheit zum Verhängnis“, sagt Mayer: „Sie sterben durch den Wasserverlust über die Haut, noch bevor ein Sauerstoffmangel entsteht.“ Der Klimawandel mit zunehmend langen Trockenphasen und der damit einhergehende Lebensraumverlust setzen den feuchtigkeitsliebenden Tieren zunehmend zu.
Etwa die Hälfte aller 21 heimischen Amphibienarten wird auf der Roten Liste bereits als „gefährdet“ geführt. Lebensgefährlich wird es für die jungen Kröten und Frösche auch, wenn Menschen sie übersehen: Sie sind gerade mal so groß wie Stubenfliegen. Also so klein, dass Rollerfahrer, Radfahrer und sogar Fußgänger sie oft unbemerkt zerquetschen.
Am wohlsten fühlt sich der Nachwuchs an schattigen und dunklen Orten. Totholz-, Laub- und Reisighaufen, alte Backsteinmauern mit Lücken und Hohlräume unter Baumwurzeln bieten Schutz vor Menschen und Fressfeinden wie Igeln, Mardern und Vögeln. Nachts gehen die kleinen Amphibien auf Beutezug. Auf dem Speiseplan stehen Insekteneier, Springschwänze, Blattläuse, kleine Spinnen und Milben. „Es ist wichtig, im Garten keine Chemie zu verwenden – die Gifte töten diese Beutetiere und damit die Nahrung für die Amphibien“, sagt Mayer.
Zwei bis fünf Jahre verbringen die jungen Amphibien jetzt an Land, bevor sie geschlechtsreif werden. Dann wandern sie zu dem Gewässer zurück, in dem sie selbst geschlüpft sind. Dort legen die Weibchen ihren Laich ab, der von den Männchen befruchtet wird – und wenn alles gut geht, beginnt der Kreislauf eines Amphibienlebens von Neuem.
Bildquelle: Vivienne Klimke
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