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Dienstag, 10. März 2026

Scrollicon
Vor grauem Hintergrund ein mehrfarbiger Buchtitel mit dem Titel: Die Vergiftung der Welt
10. März 2026, 18:00    office@wildes-bayern.de

UPDATE PFAS – Buchtipp „Die Vergiftung der Welt“


Im Oekom-Verlag ist am 25. Februar ein wichtiges, aufwühlendes Buch zum Thema der Verschmutzung mit PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) erschienen. Es ist das Ergebnis langjähriger Recherchen einer amerikanischen Investigativjournalistin, das eigentlich über die Verschmutzung einer Region im Staat New York mit der Ewigkeitschemikalie berichten sollte – doch es berichtet über ein Problem, das heute jede und jeden von uns genauso betrifft. Das deutsche Vorwort hat nicht etwa ein prominenter Umweltschützer geschrieben, sondern der Leiter des Netzwerks Investigative Recherche, Daniel Drepper. Er meint: „Das Ergebnis von Blakes jahrelanger Arbeit ist eines der besten journalistischen Bücher, die ich je gelesen habe. Und eines der wichtigsten…“

Inzwischen haben wir das Buch auch gelesen und zudem an einer Online-Diskussion mit der Autorin teilgenommen, und wir können Dreppers Meinung nur zustimmen. PFAS und verwandte Chemikalien sind in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit noch kaum bekannt – dabei hat vielleicht jeder von uns sie schon im Blut. Wer in dem Buch von Mariah Blake über die Entwicklung dieser üblen Gifte liest, die schon vor dem Zweiten Weltkrieg entwickelt wurden und dann aufgrund des Kriegs unter größter Geheimhaltung weiterverarbeitet und genutzt wurden, der wird nicht nur wütend, sondern er kriegt auch Angst.

Wütend angesichts dessen, dass die Firmen schon sehr früh wussten, was sie hier taten: Menschen starben, Tiere starben, geheime Untersuchungen ergaben eine immense Toxizität schon bei geringster Dosierung. Aber alles wurde unter dem Deckel gehalten, und die Verschmutzung wurde ohne jede Einschränkung weiter betrieben, solange es nur irgendwie ging.

Angst angesichts dessen, dass die Firmen und Produkte, die PFAS in unser aller Leben tragen, so präsent und allgegenwärtig in unseren Leben sind: 3M, Goretex, Teflon, Scotchguard… Aber wie Blake beschreibt, stecken die Chemikalien auch in Zahnseide, Schminke, sogar in Bio-Nahrungsmitteln und Babykleidung. Wir wissen zudem, dass sie beim Bau von Windrädern zum Einsatz kommen.

Was würden wir finden, wenn wir unser Blut und unser Trinkwasser daraufhin untersuchen lassen würden? Die Meldung, dass im „Chemiedreieck“ bei Altötting das Fleisch von Wildschweinen nicht mehr konsumiert werden darf, weil es zu hohe PFAS-Werte enthält, ist vermutlich nur die Spitze eines grausigen Eisbergs.

Das Bayerische Landesamt für Umwelt berichtet hier über die giftigen Stoffe und seine Untersuchungsergebnisse dazu.
Die amerikanische Umweltbehörde EPA, die im Laufe der Jahre immer wieder zu PFAS geforscht hat, aber von der Politik zurückgepfiffen wurde, hat aktuell folgende Dokumente zum Thema PFAS auf Ihrer Internetseite: EPA Suchergebnisse PFAS

Gegen den Widerstand von Industrie und Politik in die Öffentlichkeit gebracht haben das Thema in den USA mutige „Allerweltsbürger“, die enge Verwandte verloren hatten und denen im Zuge dessen aufgefallen war, dass in ihrem Umfeld zuviele Leute jung an bestimmten Krebsarten starben. Vorstöße, die Politik zu Untersuchungen und strengen Regulationen zu bringen, scheiterten wieder und wieder am starken Lobbyismus der betreffenden Unternehmen. Erst juristische Klagen und die Veröffentlichung über die Medien brachte nach vielen Jahren den Umschwung.

Heute ist bekannt, dass die giftigen Chemikalien PFAS, PFOAS und andere sowie jene Stoffe, die als Ersatz für sie gedacht waren, sich in jedem noch so entlegenen Winkel der Welt verbreitet haben. Dort gehen sie nie wieder weg, reichern sich an und werden damit ständig bedrohlicher. Menschen in den USA, die jahrelang kontaminiertes Wasser getrunken haben, haben Blutwerte, als hätten sie über Jahre hinweg direkt in der Chemiefabrik selbst gearbeitet. Die Folgen können missgebildete Kinder, Nierenkrebs, Hormonstörungen, Hodenkrebs, Schilddrüsenerkrankungen und vieles mehr sein.

Wir empfehlen dieses Buch wirklich jedem Leser im Erwachsenenalter. 

Mariah Blake: »Die Vergiftung der Welt. Der globale PFAS-Skandal und wie er vertuscht wird«; 336 Seiten, Klappenbroschur, ISBN 978-3-98726-515-0

Die Internetseite von Mariah Blake finden Sie hier

 

Hier ein Auszug aus dem Pressetext des Oekom-Verlags:
»Die Vergiftung der Welt« von Mariah Blake ist eine bahnbrechende Recherche über die jahrzehntelange Kampagne der Chemieindustrie, die Gefahren sogenannter Ewigkeitschemikalien zu verschleiern – erzählt anhand der Geschichte eines US-Dorfes, das sich einer massiven Gesundheitskrise gegenübersieht.
Als in seinem Umfeld immer mehr Menschen an Krebs erkrankten, beschlich einen Versicherungskaufmann aus Hoosick Falls, New York, ein furchtbarer Verdacht: Könnten diese Häufungen mit der örtlichen Wasserversorgung zu tun haben? Er beauftragte eine Analyse seines Leitungswassers und bekam die Bestätigung: Es fanden sich hohe Konzentrationen von PFAS, sogenannten Ewigkeitschemikalien. Diese Entdeckung setzte eine Kettenreaktion in Gang, die schließlich offenbarte, dass mehr als hundert Millionen Amerikaner*innen belastetes Trinkwasser konsumierten. Für viele war diese Erkenntnis ein Schock – nicht jedoch für die US-Regierung und die Hersteller dieser giftigen Chemikalien. Sie kannten die Risiken seit Jahren.
(…) Ausgehend von Hoosick Falls verfolgt die Autorin die erschütternde Historie des Skandals: Sie geht zurück bis zum Manhattan Project und in die Nachkriegszeit, in der Wissenschaftler*innen feststellen, dass die Chemikalien sich nicht zersetzen und sich im Blut anreichern. In den 1980er-Jahren testeten PFAS-Hersteller heimlich ihre eigenen Beschäftigten und stießen auf Zusammenhänge mit Geburtsfehlern, Krebs und anderen schweren Erkrankungen. Heute verschmutzen diese extrem giftigen und langlebigen Chemikalien den gesamten Planeten. Sie finden sich inzwischen nicht nur in den entlegensten Teilen der Welt, sondern auch in nahezu jedem Menschen.
Um die Allgegenwart von PFAS in unserem Trinkwasser, unserer Nahrung und Alltagsprodukten einzudämmen, arbeitet die EU seit einigen Jahren an umfassenden Vorschriften; 2026 treten Teilverbote der über 10.000 Chemikalien umfassenden PFAS in Kraft. Gegen ein generelles Verbot wehrten sich nicht zuletzt Chemie-Konzerne – mit Taktiken, die Blake in ihrem Buch entlarvt. »Die Vergiftung der Welt« ist daher nicht nur eine aufrüttelnde Investigativrecherche, sondern auch ein Lehrstück darüber, wie die Industrie Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz vor PFAS bekämpft – und so unser aller Gesundheit gefährdet.

 

Meldung vom 6. Februar 2025: REACH-Kongress zeigt hohe Verschmutzung in Deutschland auf

Die europäische Chemikalien-Agentur REACH hat sich auf ihrem 6. Kongress im September 2024 in Dessau unter anderem mit dem Thema der gefährlichen „persistierenden Stoffe“, also den „Ewigkeitschemikalien“, beschäftigt, über die wir hier schon einige Mal berichtet haben.

Wer die Vortragsfolien durchblättert, stößt unter anderem auf internationale Karten, die aufzeigen, dass es gerade in Deutschland besonders viele Standorte mit nachgewiesener Verschmutzung durch PFAS gibt. Das Schlimme ist: Es gibt keine Möglichkeiten, diese Stoffe wieder loszuwerden. „Persistente Stoffe verbleiben in Böden und Gewässern und können dort unvorhersehbare Risiken haben“, warnt der Präsident des Umweltbundesamts.

Tatsächlich kann man hinterher nichts mehr gegen eine PFAS-Verschmutzung tun, außer den Eintrag in die Umwelt zu vermeiden. Das kommt für Deutschland leider zu spät!

Das Umweltbundesamt hat alle Infos zum Kongress auf seiner Internetseite veröffentlicht, inklusive der interessanten Vortragsfolien. Wer also in das Thema PFAS und Co. tiefer einsteigen möchte, kann das unter diesem Link hier tun.

Und hier findet Ihr eine gute Zusammenfassung darüber, was PFAS eigentlich sind, und wie sie uns bedrohen

 

UPDATE 31.10.2024

Eine Studie hat jetzt den Zusammenhang der „Ewigkeitschemikalien“ PFAS und Schlafstörungen aufgezeigt. Konkret stellte sich zum Beispiel heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen PFDA, PFOA, and PFHxS und kürzerer Schlafdauer gibt. Einen weiteren Zusammenhang gibt es zwischen PFAS und Schlafstörungen und Beeinträchtigungen durch zu wenig Schlaf. „Unsere Analyse einer PFAS-Mischung zeigte einen sukzessiven Rückgang der Schlafdauer und einen Anstieg im Level der Schlafstörungen sowie der schlafbezogenen Beeinträchtigungen.“

Die original Studie in Englisch findet Ihr hier

 

Meldung vom 20. August 2024

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) gehen derzeit der Frage nach, wie sich die „Ewigkeitschemikalien“ PFAS auf das Gehirn auswirkt. Die Untersuchungen werden an Zebrafischen durchgeführt und sind ziemlich komplex, aber bereits jetzt konnte festgestellt werden, dass die Aufnahme dieser Stoffe mit abnormen Folgen verbunden ist, insbesondere in sensiblen Entwicklungsphasen des Gehirns.

Die ausführliche Pressemitteilung des UFZ findet Ihr hier

Meldung vom 20. August 2024

Das Land Rheinland-Pfalz hat kürzlich bekannt gegeben, dass offenbar alle Wildschweine so hohe chemische Belastungen in der Leber tragen, dass man diese gar nicht mehr verzehren sollte. Konkret geht es um die so genannte „Ewigkeitschemikalie“ PFAS, also die perfluorierten und polyfluorierten Alkylsubstanzen. Sie sind zum teil toxisch und umweltschädlich, nur schwer abbaubar und reichern sich sowohl im Wasser und im Boden als auch im menschlichen Körper an. Sie sind wasserlöslich und hoch mobil – einmal freigesetzt, fängt man sie also auch nicht wieder ein. PFAS wurden früher zum Beispiel in Feuerlöschschaum verwendet. Heute zum Glück nicht mehr – man sollte wohl mit so schädlichen Substanzen, die sich in der Umwelt anreichern, nicht mehr weiter arbeiten.

Dachten wir!

Aber wir wurden eines Besseren belehrt: PFAS scheint DAS Mittel der Zukunft zu sein. „Ohne PFAS ließen sich die Schlüsseltechnologien der Transformation zur Klimaneutralität nicht produzieren: kein Windrad, kein Energiespeicher, kein E-Auto, keine Halbleiter“! Das behaupten nicht etwa irgendwelche Querdenker, sondern der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der Verband der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) und der Verband der Automobilindustrie (VDA). Diese Organisationen haben sich 2023 zusammengeschlossen, um ein Verbot der „Ewigkeitschemikalie“ zu blockieren, das die EU anstrebte. (Ihre Veröffentlichung findet Ihr hier). 

Das Windkraft-Journal bringt es nochmal anders auf den Punkt: „Pauschales PFAS-Verbot gefährdet die Klimaziele des European Green Deal“.

Wir haben uns ziemlich die Augen gerieben. Nicht genug, dass für vermeintlich grüne Energien gerade Wälder abgeholzt, Ackerflächen überbaut und die Lebensräume bedrohter Arten – und oft auch die Arten selbst – zerstört werden – jetzt erweisen sich Windräder und E-Autos auch noch als Giftschleudern schlimmster Sorte?! Das Wort „nachhaltig“ bekommt eine völlig andere Bedeutung, wenn man weiß, dass der Preis für den grünen Strom oder das emissionsbefreite Auto PFAS heißt – Ewigkeitschemikalie. Die vergifteten Lebern der Wildsauen sind da wohl nur das erste Warnsignal.

Informationen der Europäischen Chemikalienbehörde REACH zu den PFAS findet Ihr hier

Bildquelle: Oekom Verlag




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