Wenn wir Menschen von Gruppen in der Einzahl reden, wird es oft ganz schön plakativ. Das trifft auch die Tierwelt: Von Wolf und Biber sprechen viele zum Beispiel gerne in der Einzahl und impliziert damit eigentlich, dass es da eigentlich keine Differenzierungen gibt, nichts, auf das man im Umgang Rücksicht nehmen müsste. So auch beim Borkenkäfer.
Der ist halt nur eins, ein Schädling, und damit hat sich´s! Oder?
Ganz und gar nicht, antwortet jetzt der Quelle & Meyer Verlag und haut ein knapp zweieinhalb Kilogramm schweres, rund 700 Seiten umfassendes und fast 100 Euro werthaltiges Gegenargument auf den Ladentisch: Das Buch „Die Borkenkäfer Deutschlands“ von Wolfgang Rohe. Rohe ist Diplom-Biologe, spezialisiert auf Forstzoologie und Professor in Göttingen.
Er macht gleich im ersten Satz mal klar: „Der wahre König des Waldes ist nicht der Rothirsch, sondern der Borkenkäfer.“ (Womit wir vom Wilden Bayern völlig konform gehen, es ist allerdings wie Äpfel mit Birnen vergleichen, denn der Hirsch ist – anders als der Borkenkäfer – eine Art des Offenlandes, die nicht gut an den Wald als Lebensraum angepasst ist und sich selbst wohl nie als dessen König ausgerufen hätte.) Irgendwie haben aber beide Tiere das selbe Problem: Sie haben eine große gestalterische Kraft, was Gehölze und Landschaften angeht, die vom nutzungsinteressierten Menschen stark abgelehnt wird.
Während der Rothirsch an seiner gezielten Verdrängung und Ausrottung vermutlich irgendwann zugrunde geht, sieht Rohe den, pardon, DIE Borkenkäfer auf der Überholspur: „Eine dauerhafte und nachhaltige naturnahe Bewirtschaftung der Wälder ist nur mit den Borkenkäfern und ihren natürlichen Feinden (Antagonisten) realisierbar.“ Beschäftigen wir uns also lieber gleich mit ihnen, wir müssen es ja doch irgendwann, fügt er sinngemäß hinzu.
Der dicke, schwere Wälzer auf dem Tisch macht einem dieses Vorhaben vielleicht erstmal schwer. Mit großer Dankbarkeit haben wir allerdings festgestellt, dass Rohe seine Leser ernst nimmt und nicht allein auf Wissenschaftler als Publikum setzt. Er nimmt sich Zeit und Raum, um verständlich zu erklären, was wir wissen müssen. Grundlegenden Dingen, wie Systematik und wissenschaftlicher Namensgebung, widmet er eigene Kapitel. Das nutzt dem Leser nicht nur für dieses Buch, sondern auch darüber hinaus. Und so folgen wir ihm dann doch willig in das Dickicht von 125 unterschiedlichen Arten der Borkenkäfer, Splint- und Eichenkernholzkäfer.
Und die haben wirklich deutlich mehr zu bieten als so manche Menschen, die sie gerne auf ein einzelnes Exemplar mit genau einer Eigenschaft reduzieren würden. „Erste Nachweise von Borkenkäfern stammen aus der mittleren Kreidezeit“ – das sind mal eben rund 120 Millionen Jahre. „Aufgrund ihrer evolutio-
nären Plastizität und Anpassungsfähigkeit sind Borkenkäfer in der Lage, sich in gesunden, toten oder sterbenden Pflanzen zu entwickeln. Deshalb sind sie von zentraler Bedeutung für die Ökologie der Wälder.“ Nur ein Prozent von ihnen töten regelhaft gesunde Bäume, so der Wissenschaftler.
Für uns ist das Argument genug, um sich „den Borkenkäfer“ doch mal genauer anzusehen! Deshalb hier unser Buchtipp für Sie.
Wolfgang Rohe (2025): Die Borkenkäfer Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Quelle & Meyer-Verlag, Wiebelsheim. ISBN ISBN 978-3-494-01872-0
Eine Rezension zu „Die Borkenkäfer…“ aus ANLiegen Natur finden Sie hier
Eine Leseprobe aus „Die Borkenkäfer…“ finden Sie hier
Und hier noch der Werbetext des Verlags zum Buch:
„Die Vielfalt und Dynamik der Borkenkäfer wird die Zukunft unserer heimischen Wälder in verstärktem Maße beeinflussen. Die symbiontisch lebenden Borkenkäfer sind die evolutionär und ökologisch wichtigste Unterfamilie der Rüsselkäfer. Sie nehmen in heimischen Waldökosystemen eine zentrale Rolle ein und sind selbst eine bedeutende Nahrungsbasis für viele Tiergruppen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz leben ca. 125 Arten, überwiegend in Laub- und Nadelbäumen. Dadurch, dass der Klimawandel für die Zukunft neue Wälder erzwingt, wird es immer wichtiger, spezielle Artenkenntnisse zu Borkenkäfern und deren Biologie zu besitzen. Dieses notwendige Wissen vermittelt Prof. Dr. Wolfgang Rohe in dem vorliegenden Buch, welches daher nicht nur in die Hand aller Praktiker aus den betreffenden Bereichen wie Forst, Landschaftspflege und Naturschutz gehört, sondern Lehrenden und Lernenden der entsprechenden Fächer zu dem nötigen Grundwissen verhilft. Auch politisch Verantwortliche und kommunale Entscheider sollen die Erkenntnisse dieses neuen Standardwerkes bei relevanten Entscheidungen berücksichtigen. Ferner werden alle entomologisch und naturkundlich Interessierten dort ebenfalls wertvolle Anregungen finden.“
Bildquelle: Quelle & Meyer Verlag
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