In den Niederlanden ist im Januar zum ersten Mal in Europa das Vogelgrippevirus H5N1 in einer Kuh und in ihrer Milch nachgewiesen worden. Wie so häufig, wirft der Fall ganz nebenbei ein Schlaglicht auf Umstände, die beinahe noch beunruhigender sind als die biologischen Tatsachen an sich.
Denn: Erst nachdem auf einem Bauernhof in Nordfriesland eine Katze verendete, kam heraus, dass dort schon länger das Vogelgrippevirus in einer Kuh präsent war. Man muss also durchaus von einem krassen Zufall sprechen, denn wer, bitte, untersucht schon eine Katze, die auf einem Bauernhof stirbt? Umgekehrt – sollten Milchkühe und ihre Milch nicht höchstgradigen Kontrollen unterliegen?
Die Katze verstarb im Dezember. Als bei den Untersuchungen herauskam, dass sie Vogelgrippe gehabt hatte, wurden alle Kühe und ihre Milch getestet. In einer Milchprobe fanden sich Antikörper gegen das Virus – das heißt offenbar, dass die Kuh die Krankheit bereits durchgemacht hatte und wieder gesund geworden war. Wie die Landwirte mitteilten, hatte das Tier tatsächlich im Dezember unter Atemwegsproblemen und einer Euterentzündung gelitten. Mehr war aber scheinbar nicht aufgefallen oder untersucht worden!
Da die Milch pasteurisiert wurde, bestand angeblich zu keiner Zeit eine Gefahr für die Milchkonsumenten. Für die Katze war das anders, nachdem sie vermutlich rohe Milch im Umfeld von Stall oder Milchkammer aufgenommen hatte.
Den vollständigen Bericht der Neuen Zürcher Zeitung finden Sie hier
Meldung vom 22. August 2025: Vogelgrippe verbreitet sich wohl auch über Milchvieh
Immer wieder gab es in den letzten Jahren Meldungen über Vogelgrippe bei Säugetieren. Jetzt sind auch Milchkühe dran, und die Entwicklung ist besorgniserregend.
Seit 2024 breitet sich das Vogelgrippe-Virus H5N1 in Milchviehbeständen der USA aus. Besonders betroffen ist Kalifornien, wo bis zum Sommer 2025 bereits über 760 Betriebe positiv getestet wurden. Eine neue Studie aus den USA zeigt nun, dass die Übertragung des Virus auf Milchviehbetrieben viel komplexer ist als bislang angenommen.
Forschende untersuchten 14 betroffene Betriebe in Kalifornien und nahmen Proben aus der Luft, Milch und dem Abwasser. Dabei konnten gleich mehrere Übertragungswege nachgewiesen werden. Sowohl in Aerosolen und der Ausatemluft von Kühen, im Abwasser und im Euter der Kühe befand sich das Virus. Auch in Sumpfproben, auf Feldern und in Güllegruben wurden die Forschenden fündig.
Auffällig ist, dass viele Kühe, die das Virus im Euter trugen, keinerlei Krankheitszeichen zeigten, wie eine Mastitis, obwohl ihre Milch hochinfektiös war. Das Virus war auch nicht immer über das ganze Euter verteilt, sondern manchmal nur in einem oder mehreren Vierteln.
In Luft- und Wasserproben konnten darüber hinaus Mutationen des Virus entdeckt werden, die unter Umständen eine noch bessere Anpassung an den Menschen ermöglichen könnten. Das zeigt, wie schnell sich das Virus weiterentwickelt.
Die Belastung von Abwasser und Güllegruben ist besonders alarmierend für Wildtiere. So wird das Virus auf Feldern verteilt, außerdem können Abwässer einen Anziehungspunkt für beispielsweise Zugvögel darstellen, die dort trinken oder Nahrung suchen. So eröffnet sich eine Brücke zwischen infizierten Milchviehbeständen und freilebenden Tierpopulationen.
In der Vergangenheit hat H5N1 bereits gesamte Kolonien von Seevögeln oder Robben dezimiert. Die neuen Erkenntnisse lassen die Sorge wachsen, dass Wildtiere auf Umwegen über landwirtschaftliche Betriebe immer stärker in das Infektionsgeschehen einbezogen werden.
Die Forschenden der Studie schlagen vor, Übertragungswege konsequent einzudämmen. Nötige Maßnahmen wären die Desinfektion von Melkgeräten nach jedem Tier, persönliche Schutzausrüstung, Behandlung der Milch kranker Tiere vor dem Entsorgen, Aufbereitung von Abwasser und Schnelltests zur frühzeitigen Erkennung infizierter Tiere.
Nur wenn Abwassermanagement und Seuchenschutz auf den Betrieben ernst genommen werden, können auch Wildtiere besser geschützt werden.
EZ
Die original Studie könnt Ihr hier nachlesen
Bildquelle: Photorama/Pixabay.de
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