Blogpost
Mittwoch, 08. Oktober 2025

Scrollicon
Zwei Kühe grasen auf einer grünen Alm vor Bergkulisse
08. Oktober 2025, 11:28    office@wildes-bayern.de

Ein tolles Bild von Schrott-Wissenschaft


Ein Forscherteam der Uni Göttingen ist der interessanten Frage nachgegangen, ob es stimmt, dass das Futter von artenreichen Wiesen und Weiden die Milchleistung von Kühen fördert und zudem ihren Methanausstoß verringert. Doch das Ergebnis der Studie dürfte nicht nur sie selbst überrascht haben: Sie lieferten ein schönes Bild davon ab, wieviel Schrott-Science da draußen so unterwegs ist.

Die Wissenschaftler machten sich nicht selbst an Feldversuche, sondern nahmen 16 bereits existierende Studien zu ihrem Thema unter die Lupe, um daraus eine so genannte Meta-Analyse zu erstellen. Auf den ersten Blick war ihr Ergebnis enttäuschend: Sie fanden keine ausreichenden Anhaltspunkte, die die oben genannte These bestätigen würden.

Auf den zweiten Blick wurde aber etwas viel Wichtigeres deutlich: Allein zehn der 16 als Grundlage herangezogenenen Studien wurden über einen viel zu kurzen Zeitraum erstellt, um eine Aussage überhaupt möglich zu machen. Sie dauerten nämlich gerade mal zehn Tage oder weniger – und das, obwohl in dem Fachgebiet bekannt sein dürfte, dass die Primärproduktivität und der Nährwert von Grünlandflächen sowohl innerhalb der Jahreszeiten als auch zwischen verschiedenen Jahren schwanken. Um hier wirklich eine Aussage treffen zu können, wären also Studiendauern von einer ganzen oder, besser noch, mehreren Vegetationsperioden nötig gewesen.

Und noch einen interessanten Punkt stellten die Forscher fest, als sie die Studien durchforsteten: Pflanzenarten, die sich auf die Methan-Emissionen auswirken könnten, kamen auf den untersuchten Flächen kaum vor. Ein weiterer Faktor, der also die Studienergebnisse verzerrt haben dürfte.

Auch wenn wir vom Wilden Bayern absolut auf Wissenschaft schwören, muss man natürlich bei jeder Studie die Bedingungen hinterfragen, unter denen sie erstellt wurde. Das ist auch gar nicht so schwer, denn „Wissenschaft“ ist in erster Linie eine Methode, Fragen zu stellen und dann Untersuchungen durchzuführen, die helfen können, diese Fragen zu beantworten. Und zum Schluss muss man mit statistischen Methoden prüfen, ob die erzielten Ergebnisse auch zufällig passiert sein könnten.

Für Naturwissenschaftlicher ist das eigentlich das tägliche Brot. Aber falsche Fragen, zu kurze Studienzeiten, Vergleiche von Äpfeln mit Birnen und am Ende ein paar Umfragen anstelle von echter Datenerhebung sind die typischen Erkennungsmerkmale von „Schrott-Wissenschaft“. Wer weiß, worauf er achten muss, ist oft erstaunt, was da alles als „faktenbasierte und evidenzorientierte wissenschaftliche Erkenntnisse“ verkauft wird. Wir vom Wildes Bayern verlassen uns nach wie vor auf die Wissenschaft – aber nur, wenn es eine echte ist!

Die Pressemitteilung zur Studie mit einem Link zur original Publikation finden Sie hier




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Rückkehr der wilden Weidetiere

Gänsestudie: Fressen ist wichtiger als fürchten

Update gArtenvielfalt: Broschüre mit aktuellen Tipps

Dem Bösewicht auf der Spur: Erster Waldschädling entdeckt

Erstmals Vogelgrippe bei Kuh in Europa entdeckt

Die Masse an Insekten schrumpft, weil Arten verschwinden

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE

Save the date: Internationale Igelkonferenz in Kopenhagen

ANL-Exkursion zur Beweidung ins Donaumoos UPDATE

UPDATE Artenkenntnis: Naturbindung ist eine Generationenfrage

UPDATE 21. November – Führung „Neuperlach der Tiere“

Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur

Neugierige Vögel könnten im Wandel besser bestehen

Forscher warnen: Genetische Vielfalt nicht außer Acht lassen! UPDATE

Feiern wir das Wilde nur, wenn es uns vertraut erscheint?

Neue Wildtier-Studie: Ungeahnte Schlüsselakteure der Artenvielfalt!

Plastikmüll vom Acker wandert in Vogelnester

Aufleben.ch – tolle Tipps für mehr Artenvielfalt in Stadt und Gärten

Wiederansiedlung von Luchsen in Colorado: Ein Lehrstück

Artenvielfalt für die Stadt in „Pixelgröße“: PikoParks

Insektenschutz: Licht in der Nacht minimieren und fokussieren!

Fledermäuse markieren – nur für ein höheres Ziel!

Motten suchen das Licht – was das für unsere Wälder bedeutet

Begnadete Landschaftspfleger im feuchten Grünland

Spannende Fachtagung zur Waldweide UPDATE

UPDATE Igelschutz: Song „Kleiner Igel, kämpf“ geht ans Herz

Smile! Fotos als Datenquelle für den Artenschutz

Tiertragödien am Berg – bessere Nutzungskonzepte müssen her!

Puma-Studie könnte unserem Steinwild helfen

Fair Trade und Artenvielfalt – hängt das zusammen?






Aktuelle Informationen



Buchtipp: Die Wildnis in uns - und unser Band mit den Tieren Kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie ein Buch aufschlagen und nach wenigen Zeilen Lesen ganz kribbelig werden, weil sie sich…

Freitag, 06. März 2026
Jetzt lesen
Jetzt unsere Insekten mit Blüten verwöhnen Wenn im März die ersten warmen Sonnenstrahlen die Erde aufwecken und Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge wieder zu sehen sind, ist…

Freitag, 06. März 2026
Jetzt lesen
Rotwild retten? – die Mehrheits-Politiker im Bundestag sagen Nein! Es ist längst kein Geheimnis mehr: Wir schauen in Deutschland dem Rotwild beim Aussterben zu. Zersiedelung und Zerschneidung der Lebensräume…

Donnerstag, 05. März 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden