Ein Forscherteam der Uni Göttingen ist der interessanten Frage nachgegangen, ob es stimmt, dass das Futter von artenreichen Wiesen und Weiden die Milchleistung von Kühen fördert und zudem ihren Methanausstoß verringert. Doch das Ergebnis der Studie dürfte nicht nur sie selbst überrascht haben: Sie lieferten ein schönes Bild davon ab, wieviel Schrott-Science da draußen so unterwegs ist.
Die Wissenschaftler machten sich nicht selbst an Feldversuche, sondern nahmen 16 bereits existierende Studien zu ihrem Thema unter die Lupe, um daraus eine so genannte Meta-Analyse zu erstellen. Auf den ersten Blick war ihr Ergebnis enttäuschend: Sie fanden keine ausreichenden Anhaltspunkte, die die oben genannte These bestätigen würden.
Auf den zweiten Blick wurde aber etwas viel Wichtigeres deutlich: Allein zehn der 16 als Grundlage herangezogenenen Studien wurden über einen viel zu kurzen Zeitraum erstellt, um eine Aussage überhaupt möglich zu machen. Sie dauerten nämlich gerade mal zehn Tage oder weniger – und das, obwohl in dem Fachgebiet bekannt sein dürfte, dass die Primärproduktivität und der Nährwert von Grünlandflächen sowohl innerhalb der Jahreszeiten als auch zwischen verschiedenen Jahren schwanken. Um hier wirklich eine Aussage treffen zu können, wären also Studiendauern von einer ganzen oder, besser noch, mehreren Vegetationsperioden nötig gewesen.
Und noch einen interessanten Punkt stellten die Forscher fest, als sie die Studien durchforsteten: Pflanzenarten, die sich auf die Methan-Emissionen auswirken könnten, kamen auf den untersuchten Flächen kaum vor. Ein weiterer Faktor, der also die Studienergebnisse verzerrt haben dürfte.
Auch wenn wir vom Wilden Bayern absolut auf Wissenschaft schwören, muss man natürlich bei jeder Studie die Bedingungen hinterfragen, unter denen sie erstellt wurde. Das ist auch gar nicht so schwer, denn „Wissenschaft“ ist in erster Linie eine Methode, Fragen zu stellen und dann Untersuchungen durchzuführen, die helfen können, diese Fragen zu beantworten. Und zum Schluss muss man mit statistischen Methoden prüfen, ob die erzielten Ergebnisse auch zufällig passiert sein könnten.
Für Naturwissenschaftlicher ist das eigentlich das tägliche Brot. Aber falsche Fragen, zu kurze Studienzeiten, Vergleiche von Äpfeln mit Birnen und am Ende ein paar Umfragen anstelle von echter Datenerhebung sind die typischen Erkennungsmerkmale von „Schrott-Wissenschaft“. Wer weiß, worauf er achten muss, ist oft erstaunt, was da alles als „faktenbasierte und evidenzorientierte wissenschaftliche Erkenntnisse“ verkauft wird. Wir vom Wildes Bayern verlassen uns nach wie vor auf die Wissenschaft – aber nur, wenn es eine echte ist!
Die Pressemitteilung zur Studie mit einem Link zur original Publikation finden Sie hier
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