Am Fluss Blanice im Sumava-Mittelgebirge an der bayerisch-tschechischen Grenze hat die Naturschutzorganisation „european wildlife“ ein neues Wildnisgebiet mit einer wilden Pferdeherde eröffnet. Die Pferde kamen aus einem ähnlichen Reservat auf dem früheren Militärübungsgelände Milovice bei Prag.

Wildponies im Sumava-Reservat
European Wildlife will die Landschaft wieder in ein natürliches Gleichgewicht bringen, indem wilde Herden von Pferden oder Bisons dort weiden. Das geschieht mittlerweile auf über 700 Hektar Fläche an 16 Standorten in der Tschechischen Republik Am neuen Standort sollen die Pferde helfen, Offenlandlebensräume für seltene Insekten, Vögel und andere Arten zu erhalten, die durch zunehmende Bewaldung immer weiter zurückgedrängt werden.
Mehr Informationen zu European Wildlife finden Sie hier
Ein ganz ähnliches Projekt läuft zum Beispiel in Illinois in den USA. Dort wurde jüngst eine Bisonherde in Kane County in die „Freiheit“ entlassen, um zu helfen, das frühere Prärie-Ökosystem wiederherzustellen. Die Prärien oder „grasslands“ wurden in den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts vielfach unter Pflug genommen und sozusagen „gewaltsam“ in Ackerland umgewandelt. Im 19. Jahrhundert waren in Illinois 22 Millionen Acres Land von so genanntem „grassland“ bedeckt – bis Ende der 1970er Jahre verblieben davon gerade noch 2.300 acres (die Zahlen der acres sind ungefähr 2,5mal so hoch wie in Hektar).
Jetzt ziehen nach 200 Jahren also erstmals wieder Bison- oder Buffalo-Herden durch Kane County in Illinois. Eine kleine Herde wurde im Burlington Prairie Forest Schutzgebiet freigelassen, um die ökologischen Funktionen wieder herzustellen. Ihre Weidetätigkeit, Bewegung, Bodenstörung und mehr erzeugen Lebensraumbedingungen, die zum Teil seltenen Pflanzen- und Tierpopulationen helfen. Dass die Weidetiere weg waren, hat zahlreiche Komponenten der natürlichen Prärie-Lebensgemeinschaft ebenfalls ausgeschaltet!
An dem Projekt sind auch indigene Kooperationspartner beteiligt, für die die Rückkehr der großen Pflanzenfresser auch der Wiederbeginn einer alten Beziehung zwischen Menschen und ihrem Land bedeutet.
Die Herde wird anfangs noch stärker gemanagt und erst sukzessive wirklich in die Freiheit entlassen. Zu Beginn gibt es Zäune, und Gesundheit, Verhalten und Lebensraumbedingungen werden überwacht. Es muss sichergestellt sein, dass die über Jahre zurückentwickelte Prärievegetation die Grasfresser auch ernähren und erhalten kann.
Die Bisons werden als Schlüsselarten des Prärieökosystems angesehen. Ihr Grasen erzeugt eine Strukturvielfalt an Pflanzen in verschiedenen Höhen und Zusammensetzungen, was wiederum Insekten, Vögeln und Kleinsäugern nutzt. Tritt- und Suhlmulden sammeln Wasser und bieten Lebensräume für Amphibien und Wirbellose. All diese Prozesse gehören zu einer gesunden Prärielebensgemeinschaft.
Hier finden Sie mehr Infos zu dem Bison-Prärie-Projekt in Illinois auf einer englischsprachigen Seite des Staates Illinois
Hier finden Sie den zugrundeliegenden Artikel in englischer Sprache aus Conservation Frontlines
Bildquelle: European Wildlife
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