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Dienstag, 24. März 2026

Scrollicon
Zwischen Bäumen stehen einige dunkle Wisente in einer verschneiten Landschaft.
24. März 2026, 13:57    office@wildes-bayern.de

Bison und Wisent als Landschaftsgestalter


Während wir in Bayern oft über Rotwild und Gams diskutieren, zeigt ein Blick über die Grenzen, welches Potenzial in den größten Landsäugetieren unserer Hemisphäre steckt. Im Webinar „Wild Rangelands“ im Rahmen der „US–German Partnership on Wilderness“ berichteten am 18. März Experten aus den USA, Polen und Deutschland über die beeindruckende Renaissance des Bisons in Nordamerika und des Wisents in Europa.

Eines wurde dabei überdeutlich: Diese Tiere sind weit mehr als nur imposante Fotomotive – sie sind Architekten der Biodiversität.

Nordamerika: Vom Beinahe-Aussterben zur ökologischen Vision

In den USA galt der Bison Ende des 19. Jahrhunderts fast als ausgerottet. Von ehemals geschätzten 30 Millionen Tieren blieben lediglich ein paar Hundert übrig. Heute ist die Population auf rund 200.000 Tiere angewachsen, doch rechtlich gelten sie oft noch als „Nutzvieh“ (Livestock).

Projekte wie die „American Prairie“ in Montana zeigen jedoch den Weg in Richtung Wildnis:

  • Ankauf von Weideland und Umwandlung ehemaliger Rinderfarmen in zusammenhängende Schutzgebiete
  • Indigenes Wissen: Die Zusammenarbeit mit Native Americans ist essenziell, um die kulturelle und ökologische Verbindung zum Bison wiederherzustellen.
  • Adaptive Wissenschaft: Mittels Audio-Monitoring und Kamerafallen wird genau dokumentiert, wie die Bisons das Land verändern.
Das gibt es auch in Europa!

Polen ist weltweit führend in der Erhaltung der Wisente. Aus einem winzigen Restbestand von nur 54 Tieren nach dem Ersten Weltkrieg ist die Population bis 2024 auf über 12.000 Individuen weltweit angewachsen.

  • Erfolgsmodell: In den letzten zehn Jahren wurden die Bestände in Polen massiv dezentralisiert, um das Krankheitsrisiko zu minimieren
  • Herausforderungen: Trotz des Erfolgs gibt es Konflikte. Die Akzeptanz in der lokalen Bevölkerung sinkt oft, wenn Tiere Schäden in der Landwirtschaft anrichten oder Siedlungen aufsuchen. Zudem erschwert die aktuelle politische Lage (Krieg in der Ukraine) den grenzüberschreitenden Austausch.
Deutschland: Die Döberitzer Heide als Leuchtturmprojekt

Hannes Petrischak präsentierte beeindruckende Daten aus der Döberitzer Heide bei Berlin. Auf dem rund 1.800 Hektar großen ehemaligen Truppenübungsplatz leben Wisente, Przewalski-Pferde und Rotwild in einem weitgehend ungestörten System.

Besonders spannend ist, dass sich dort seit 2021 ein Wolfsrudel niedergelassen hat. Die Wisente reagierten sofort, indem sie größere Herden bildeten, um ihre Kälber zu schützen. Während der Wolf den Rotwildbestand reguliert, profitieren die Wisente von der Anwesenheit des Beutegreifers, da sich ihr Sozialverhalten natürlicher entwickelt.

Brauchen wir Ökosystem-Ingenieure?

Große Pflanzenfresser schaffen Lebensraum für Tausende andere Arten.

Aktivität des Bisons/Wisents Profit der Tier- und Pflanzenwelt
Sandbaden Offenbodenstellen für Wildbienen, Sandlaufkäfer und die seltene Küsteneinschneiderbiene.
Dung-Eintrag 36 Arten von Mistkäfern (z. B. der Stierkäfer), Hornissen-Raubfliegen und seltene Pilze wie die Punktierte Porenscheibe
Fressen/Verbiss Unterdrückung invasiver Arten (z. B. Spätblühende Traubenkirsche), Schaffung lichter Waldstrukturen für Trauermantel oder Wiedehopf
Trittsiegel In wassergefüllten Senken finden hochbedrohte Arten wie der Sommer-Feenkrebs oder Triops ein Zuhause.
Was können wir lernen?

Die Rückkehr des Wisents ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes (Statusänderung von „Endangered“ zu „Near Threatened“). Doch der Erfolg bringt auch Verantwortung mit sich:

  1. Management statt Vernachlässigung: Es braucht klare Regeln für den Umgang mit Schäden und die Akzeptanz der Landbewohner.
  2. Vernetzung: Inselpopulationen allein reichen nicht aus, wir brauchen Wanderkorridore.
  3. Natürliche Prozesse zulassen: Wie die Döberitzer Heide zeigt, funktioniert Ökologie am besten, wenn wir den Tieren den Raum geben, ihre Rolle als Gestalter der Landschaft einzunehmen – inklusive der Interaktion mit Beutegreifern wie dem Wolf.

Wildnis braucht nicht nur Platz, sondern auch Mut zur Koexistenz.




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