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Dienstag, 18. November 2025

Scrollicon
Ein Junge in blauer Jacke mit Mütze streckt die Hand durch einen Zaun, hinter dem Damwild steht
18. November 2025, 17:44    office@wildes-bayern.de

UPDATE Artenkenntnis: Naturbindung ist eine Generationenfrage


Erst vor kurzem haben wir Ihnen an dieser Stelle eine Untersuchung vorgestellt, die aufzeigt, wie wichtig die Eltern bei der Vermittlung von Artenkenntnis an ihre Kinder sind (s. unten). Jetzt greift eine umfassende Studie aus England dieses Thema in weit größerem Rahmen auf und kommt zu dem Ergebnis: Die Weitergabe von Naturwissen und -verbundenheit zwischen den Generationen ist der Schlüsselfaktor, der unsere Naturverbundenheit prägt und somit den Erhalt der Natur fördert. Fehlt diese „Grundbildung“, ist das der Ausgangspunkt für generationenlanges Entfremden von der Natur.

Die Wissenschaftler waren anhand von Daten aus den Jahren 1800 bis 2020 der Frage nachgegangen, welche Faktoren den Rückgang an Naturverbundenheit, den sie diagnostiziert haben, eigentlich verursacht. Die Studie arbeitet mit hoch komplexen, theoretischen Datenmodellen, aber als besonders wichtiger Faktor kam heraus, dass die Kindheit die kritische Zeit für jedes Individuum ist, um Naturerfahrung zu sammeln und später Nähe zur Natur zu behalten.

Werden Kinder in ein familiäres Umfeld hinein geboren, das wenig Draht zur Natur hat (zum Beispiel beeinflusst von einer städtischen Umgebung), dann wirkt sich dieser Mangel über Generationen hinaus aus. Diesen Effekt irgendwann wieder umzudrehen, sei sehr aufwändig, beschreiben die Autoren. Es entstehe eine Art Verzögerung, durch die die Verbesserung von Umweltbedingungen mehrere Generationen bräuchte, um sich in eine gesteigerte Naturnähe umzusetzen, weil den Nachfahren die entsprechende Orientierung fehle.

Die fortschreitende Verstädterung erodiert also die Beziehung zur Natur und das Verständnis dafür – und  was man nicht versteht, kann man in der Folge auch nicht schützen. Und ohne eine Verbundenheit zur Natur geht es auch den Menschen schlecht! Wir brauchen Natur für unser psychisches Wohlbefinden. Doch selbst, wenn versucht wird, mit einzelnen Erziehungsprojekten oder der Anlage von Grünräumen in der Stadt dieser Entfremdung entgegenzuwirken, scheint das in den Modellen der Entwicklung nicht wirksam entgegensteuern zu können.

 

Kinder laufen durch einen Wald auf den Betrachter zu, zwei Betreuer dabei

Die Wilden Wald Kinder in Aktion

Der Appell der Forscher: Natur muss in der zukünftigen Stadtplanung und Erziehung eine langfristige und gewichtige Rolle spielen – Projekte wie die „Wuiden Woid Kids“ von Wildes Bayern, wo Kinder einen Nachmittag in der Woche komplett in der Natur verbringen, sind also unschätzbar wertvoll für den Naturbezug künftiger Generationen.

Hier noch einige Zahlen zum Thema:

  • Studien aus UK und USA zeigen: 92 % der Zeit verbringen Menschen in Gebäuden oder Fahrzeugen und nur 7 % draußen. Aber die Hälfte dieser 7 % auch wieder in der Stadt.
  • Die mittlere Zeit, die Menschen pro Tag in „Grünräumen“ verbringen, ist 4 Minuten und 36 sek.
  • Vorschlag der Forscher: Mehr Zeit draußen verbringen, z.B. 35 % der Zeit oder mindestens 45 Minuten pro Tag
  • Weiterer Vorschlag: Mehr Draußen-Unterricht in Schulen und mehr Eltern-Kind-Natur-Projekte, vor allem auch für junge Eltern
  • Mehr Grünräume, Parks und Grünzüge in den Städten

Werden Kinder in ein familiäres Umfeld hinein geboren, das wenig Draht zur Natur hat (zum Beispiel beeinflusst von einer städtischen Umgebung), dann wirkt sich dieser Mangel über Generationen hinaus aus. Diesen Effekt irgendwann wieder umzudrehen, sei sehr aufwändig, beschreiben die Autoren. Es entstehe eine Art Verzögerung, durch die die Verbesserung von Umweltbedingungen mehrere Generationen bräuchte, um sich in eine gesteigerte Naturnähe umzusetzen, weil den Nachfahren die entsprechende Orientierung fehle.

Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier

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Wildes Bayern e. V., IBAN: DE53 7115 2570 0012 3590 63, BIC: BYLADEM1MIB, Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee

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Meldung vom 30. Oktober 2025: Artenkenntnis: Die Eltern haben sie in der Hand

„Artenkenntnis“ ist schon fast ein Buzz-Word unter Naturschützern dieser Tage, also ein elektrisierendes Schlagwort, denn sie scheint noch schneller dahin zu schmelzen als unsere Biodiversität. Eltern können aber was dagegen tun, haben die Wissenschaftler Prof. Martin Remmele und Petra Lindemann-Matthies von der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe in einer Studie herausgefunden. Sie haben untersucht, von welchen Faktoren das Naturwissen der Kinder beinflusst wird.

Dazu veranstalteten sie unter anderem ein Naturquiz mit 100 Kindern im durchschnittlichen Alter von acht Jahren und je einem Elternteil: Ihnen wurden in vier Präsentationen 48 gut erkennbare Fotos von je 24 Pflanzen und Tieren gezeigt. Anschließend wurde verglichen, wieviele Arten beide kannten, und wie ähnlich sich ihre Kenntnisse waren.

Das Ergebnis bestätigt die Befürchtungen vieler Naturschützer. Beide Gruppen schnitten alles andere als herausragend ab: Während die Eltern knapp ein Drittel der gezeigten Pflanzen und 35 Prozent der Tiere kannten, konnten die Kinder nur 17 Prozent der Pflanzen und ein gutes Fünftel der Tiere benennen. Zu den bekanntesten Arten zählten Löwenzahn, Gänseblümchen, Fuchs, Wildschwein und Grashüpfer.

Allerdings zeigte sich: Je mehr die Erwachsenen wussten, desto mehr wussten auch die Sprösslinge, und zwar zum Großteil über die gleichen Arten. Das galt vor allem für Pflanzen. Beim Thema Tiere konnte der Nachwuchs zum Teil mit eigenem Wissen glänzen, was die Forscher darauf zurückführen, dass sich Kinder per se stärker für Tiere interessieren und sich hier vielleicht auch mal auf eigene Faust Informationen besorgen.

Bei den Kindern zeigten sich noch weitere Einflussfaktoren: Die älteren wussten mehr als die jüngeren, naturinteressierte mehr als solche ohne Naturinteresse, und Kinder vom Land kannten mehr Pflanzen als jene aus der Stadt.

Neben dem Quiz wurden die Eltern auch danach befragt, welche vier Einflussfaktoren sie für ihre eigenen Artenkenntnisse und die ihrer Kinder am höchsten einschätzten. Hier war unter anderem interessant, dass zwar über ein Drittel der Eltern angab, sich selbst viel Wissen über die Natur angeeignet zu haben – zum Beispiel aus Büchern -, dass aber unter zehn Prozent von ihnen das Gleiche von ihren Kindern annahmen. Statt dessen wurde die Rolle des Kindergartens als Naturvermittler von über der Hälfte der Eltern als bedeutend eingeschätzt. Sich selbst sahen rund 80 Prozent der Eltern in der Vermittlerrolle für Naturwissen, gefolgt von der Grundschule, dem Kindergarten und direkten Naturerfahrungen.

Die vollständige Studie können Sie hier nachlesen.

Hier gelangen Sie zu einem früheren Blog von uns zum Thema Artenkenntnis mit vielen Links

Bildquelle: privat




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