Blogpost
Donnerstag, 22. Januar 2026

Scrollicon
Ein Weißstorch steht auf seinem Horst vor blauem Himmel
22. Januar 2026, 10:27    office@wildes-bayern.de

Vogelgrippe – weiter keine Entwarnung


Die Vogelgrippe, fachlich Aviäre Influenza (AI) genannt, stellt weiterhin eine ernste globale Bedrohung für Wildvögel und die biologische Vielfalt dar. Gerade Wasservögel sind schwer betroffen.

Die besonders hochansteckenden und tödlichen Virusvarianten (HPAI) sind nach aktuellem Wissensstand vor allem im Zusammenhang mit der industriellen Geflügelhaltung entstanden. In solch tierreichen und dichten Beständen kann sich das Virus schnell vermehren und verändern. Von dort gelangt es immer wieder in die Umwelt, mit gravierenden Folgen für Wildvögel auf der ganzen Welt.

Öffentliche Aufmerksamkeit erhält die Tierseuche meist dann, wenn beliebte und bekannte Vogelarten, wie im Herbst der Kranich, betroffen sind. Anfang Dezember wurden in Getafe, einer Gemeinde nahe Madrid, hunderte Weißstörche tot aufgefunden, die an der Vogelgrippe verendet waren. Diese Störche stammten aus Nordeuropa und nutzten Spanien als Rast- oder Überwinterungsgebiet. Immer mehr Weißstörche ziehen heute nicht mehr bis nach Afrika, sondern bleiben aufgrund milder Winter und guter Nahrungsquellen in Südeuropa. Darum werden sich die Verluste in Spanien auch auf die Bestände in Deutschland auswirken.

Unklar ist bislang, wie das Virus in diese Storchenpopulation eingetragen wurde, da sich die Tiere bereits seit Monaten in Spanien aufhielten. Gleichzeitig wurden dort auch Ausbrüche in Geflügelhaltungen festgestellt. Ein zusätzliches Risiko besteht dadurch, dass viele überwinternde Storche sich von städtischen Abfällen ernähren, an Mülldeponien sammeln und dort anstecken können.

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) stuft das Risiko der Einschleppung und Ausbreitung der Vogelgrippe in Deutschland weiterhin als hoch ein, obwohl die Fallzahlen zuletzt gesunken sind. Das gilt sowohl für Wildvögel als auch für Geflügelhaltungen.

Um Wildtiere, Haustiere und uns Menschen zu schützen, sind jetzt folgende Maßnahmen besonders wichtig:

  • Tote Wildvögel, insbesondere Wasservögel, sowie auffällige Krankheitsanzeichen (z.B. Gleichgewichtsstörungen, verdrehter Kopf, Teilnahmslosigkeit) sollten bei der zuständigen Veterinärbehörde gemeldet werden.
  • Für Geflügelhaltungen gilt die Geflügelpest-Verordnung, entsprechende Schutzmaßnahmen sind gesetzlich vorgeschrieben.
  • Hunde sollten dort, wo Wasservögel rasten, unbedingt angeleint werden. Tote Vögel können von Hunden aufgestöbert und verschleppt werden. Auch noch lebende, infizierte Vögel können aufgescheucht werden. All das begünstigt die Ausbreitung des Virus.

Das Ansteckungsrisiko für Hunde ist zwar gering, aber nicht ausgeschlossen. Auch Füchse, Waschbären und Marder wurden bereits positiv getestet.

Freilaufende Katzen können infizierte Vögel erbeuten. Je nach Risiko sollte auch der Freigang ggf. eingeschränkt werden. Auch über die Nahrungskette wird das Virus verbreitet.

  • Auf das Füttern von Wasservögeln sollte unbedingt verzichtet werden. Dieses führt zu großen Ansammlungen und erhöhen das Infektionsrisiko.
  • Singvögel sind in der Regel nur selten betroffen. Futterstellen im eigenen Garten gelten als ein geringes Risiko, wenn auf Hygiene geachtet wird.
  • Aktuelle Nachweise der Vogelgrippe sind im Tierseucheninformationssystem (TSIS) öffentlich einsehbar.

Die Vogelgrippe zeigt deutlich, wie eng Tiergesundheit, Umwelt und menschliches Handeln miteinander verknüpft sind. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Wildtieren und Nutztierhaltung sind entscheidend, um weiteres Leid zu verhindern, für einzelne Tiere sowie für ganze Arten.

EZ

Weitere Informationen:

https://www.lbv.de/news/details/vorsicht-gefahr-einer-ausbreitung-der-vogelgrippe-waechst-auch-in-bayern/

https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/aviaere-influenza-ai-gefluegelpest/

https://www.lgl.bayern.de/tiergesundheit/tierkrankheiten/virusinfektionen/gefluegelpest/et_gefluegelpest_in_bayern.htm

https://www.dropbox.com/scl/fi/wmmri4olt7kmcp2h2c6vq/newsletter102025.pdf?rlkey=itn610cppchop82cfgqpc717p&e=2&st=qp08t685&dl=0

 




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Blauzungenkrankheit – von Kollateralschaden und Wächter-Arten

Großer Amerikanischer Leberegel: Warum mehr Abschuss das Problem nicht löst

Serie Wildkrankheiten: Vogelgrippe als Artenschutzproblem

„Rinder-Virus“? Welche Erkrankungen unsere Wildtiere bedrohen

Eisbär in Europa erstmals an Vogelgrippe eingegangen

Erstmals Vogelgrippe bei Kuh in Europa entdeckt

Vogelgrippe: Das kann helfen, Ansteckung zu verhindern

Myxomatose – die neue Bedrohung für unsere Hasen






Aktuelle Informationen



Blauzungenkrankheit – von Kollateralschaden und Wächter-Arten Die Gamsbrunft naht, und wer in dieser Zeit Glück und ein gutes Spektiv hat, kann erregte Gamsböcke beobachten, die mit…

Freitag, 02. Oktober 2026
Jetzt lesen
UPDATE Ausbau an Fellhorn & Co.: Liftbau schreitet voran Hier mal ein kleines Update in Sachen Scheidtobelbahn am Fellhorn im Oberallgäu – wir erinnern uns, das war die geplante…

Donnerstag, 01. Oktober 2026
Jetzt lesen
Weidesymposium verabschiedet grundlegende Erklärung Vom 18. bis 20. September 2026 kamen rund 200 Menschen – darunter auch Vertreter von Wildes Bayern – auf Schloss…

Donnerstag, 01. Oktober 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden