Ganz ehrlich, so richtig überwältigt war ich von „Fair Trade“-Produkten bisher nicht. Aber dass fair gehandelte Produkte auch die Artenvielfalt fördern, könnte mich zum Umdenken bringen. Sollte man Fair Trade nicht nur beim Einkaufen unterstützen, sondern kann sich hier eine neue Stimme im Natur- und Artenschutz erheben? Das jedenfalls legt eine neue Broschüre des Forums Fairer Handel nahe, und eigentlich klingt das Prinzip plausibel.
Glaubt man der Broschüre „Biologische Vielfalt und Fairer Handel“, dann wirkt die Bezeichnung des Fairen Handels, die sich ja in erster Linie auf Menschen, also die Produzenten und Produzentinnen, bezieht, indirekt sehr wohl auch auf Strukturen der Landwirtschaft und damit auf Natur und Artenvielfalt. Denn zum Beispiel wirtschaften Bäuerinnen und Bauern, die sich auf alte Sorten spezialisieren, ohnehin naturverträglicher, ohne Einsatz von Gentechnik und unter Umgehung der großen Agrar- und Chemiekonzerne. Produkte werden im Regenwald geerntet oder auch produziert, statt diesen für den Anbau zu roden. Die Fair-Handels-Organisation „GEPA“ gibt an, dass 86 Prozent ihrer Produkte aus ökologischem Landbau stammen.
In der Broschüre heißt es: „Auch wenn es noch effektivere politische Maßnahmen zum großflächigen Schutz der biologischen Vielfalt braucht, passiert bereits jetzt viel im Fairen Handel zum Erhalt der Biodiversität.
Im Prinzip 10 der Grundsätze des Fairen Handels der Welt-Fair-Handelsorganisation ist die nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen aus lokalen Quellen vorgeschrieben. Auswirkungen auf die Umwelt sollen minimiert werden. Wo möglich, soll ökologisch und pestizidarm gewirtschaftet werden. Das schützt die Umwelt und damit auch die Biodiversität.
Zudem erlauben kleinbäuerliche Strukturen mehr Vielfalt als die industrielle Landwirtschaft. Viele Fair-Handels-Projekte arbeiten mit bewährtem traditionellem und lokalem Wissen, z. B. in der Wildsammlung, beim Agroforst oder beim Einsatz von alten Sorten. Nicht zuletzt erhalten Kleinbäuer*innen durch den Fairen Handel faire Löhne und finanzielle Planbarkeit. So müssen sie nicht die natürlichen Ressourcen ausbeuten und können umweltverträglich wirtschaften. Der Faire Handel schützt die Biodiversität auch aus eigenem Interesse: Denn eine starke Landwirtschaft braucht gesunde Ökosysteme, die einen lebendigen Boden bereitstellen und für Bestäuber, Wasserregeneration oder Nährstoffbereitstellung sorgen.“
Wer sich selbst informieren möchte, kann die Broschüre hier herunterladen
Bildquelle: pixabay.de
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