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Donnerstag, 23. Juli 2026

Scrollicon
In einiger Entfernung liegt ein Rehkitz auf einer gemähten Wiese unter einem Baum
23. Juli 2026, 16:00    office@wildes-bayern.de

UPDATE Verstümmelte Kitze: Staatsanwalt verweigert die Arbeit – Ermittlungen eingestellt!


Die Nachricht hat uns getroffen wie ein Schlag vor den Kopf: Die Ermittlungen zu unserer Anzeige wegen der zwei schwer verletzten Rehkitze (eins musste eingeschläfert werden) auf einer frisch gemähten Fläche bei Oberschleißheim sind eingestellt. Das hat uns die Staatsanwaltschaft München I mitgeteilt.

Die Begründung in dem Schreiben macht einfach nur noch fassungslos ob so wenig Bereitschaft, hier auch nur einen Bleistift in die Hand zu nehmen.

Kurzfassung:
Der Angeklagte (Herr M.), der den Motormäher bediente, sagte, der andere, der mit der Handsense mähte (Herr W.), hätte ein verletztes Kitz sofort bemerken müssen, denn das bemerke man. (!)
Er selbst, der Herr M.,  habe die Fläche abgesucht, nur ein Kitz gefunden und fotografiert und dann auch keine Kollision bemerkt – also sei da keine gewesen. (!)

Die Staatsanwaltschaft schreibt dazu, das könne letztlich nicht widerlegt werden. (!!) Der Gruppenleiter der Staatsanwaltschaft München I, Staatsanwalt Dr. O. meint dazu wörtlich: „Der Beschuldigte M. konnte ein Lichtbild eines unverletzten Rehkitzes vorlegen. Die taktile Wahrnehmbarkeit einer Kollision zwischen Mäher und Rehkitz kann nicht mit einer für die Erhebung der öffentlichen Klage erforderlichen Gewissheit festgestellt werden. Im Übrigens würde das am Fahrlässigkeitsvorwurf hinsichtlich des ersten Rehkitzes nichts ändern und allenfalls im Hinblick auf das zweite Rehkitz auf einen bedingten Vorsatz schließen lassen, wobei wiederum nicht festgestellt werden könnte, ob das eingeschläferte Rehkitz das erste oder zweite Opfer war.“ Dem „Beschuldigten M. könne nach dieser Auffassung allenfalls ein Fahrlässigkeitsvorwurf gemacht werden. Aber Fahrlässigkeit würde halt nicht „strafbarkeitsbegründend“ sein.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Man zeige einfach ein Foto von irgendeinem Rehkitz und der Herr Staatsanwalt Dr. O. sagt, achso, na dann ist ja nichts passiert. Selbst die Tatsache, dass neben der  „taktilen Wahrnehmbarkeit“ (also einem Rumpler oder Hoppala bei dem verwendeten Handmäher) ein verletztes verstümmeltes Rehkitz auch markerschütternd schreit, wollte diesem Beamten nicht geläufig sein. Auch mit der Frage, wie man  Mähgut zusammenschwaden und aufhäufeln kann, ohne ein darunter oder daraufliegendes, schreiendes Kitz zu bemerken, war Dr. O. keinen Gedanken wert.

Das kann man nur als klare Arbeitsverweigerung verstehen, denn nachvollziehbar mit einem gesunden Menschenverstand ist das nicht mehr. Herr Dr. O. hat die lästige Sache nun an das Landratsamt zur Weiterverfolgung der Ordnungswidrigkeit weitergeleitet. Und ab ins Wochenende. Die Einstellungsverfügung (Az 232 Js 165551/26) wurde zufällig am Freitag unterzeichnet.  Erledigt!

Wildes Bayern hat keine Chance, gegen diese Entscheidung vorzugehen. Aber wir fragen uns angesichts so einer fadenscheinigen, oberflächlichen und achtlosen Antwort ehrlich: Ist das unser Rechtsstaat, oder ist das schlicht die Weigerung nachvollziehbare Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen. Es tut uns bitter leid um die beiden Jungtiere, die so viel Pein erleiden mussten. Zum Glück wissen sie nicht um die Achtlosigkeit, mit der ihr Schicksal in bayerischen Amtsstuben behandelt wird.

 

Eine gemähte Wiese mit Streuobstbäumen

Die Wiese, auf der die Kitze gefunden wurden

Ein Rehkitz liegt auf gemähtem Gras, an seinem linken Vorderbein und rechten Hinterbein ist Blut zu erkennen.

Angemähtes Kitz am Fundort bei Oberschleißheim

 

Meldung vom 23. Juni 2026

Rund 24 Stunden lagen zwei Rehkitze mit schlimmen Schnittverletzungen hilflos auf einer Wiese. Eins musste danach eingeschläfert werden, weil zwei Beine abgetrennt waren und es keine Überlebenschance hatte. Das ist das Ergebnis eines unglaublichen Fiaskos aus mangelhafter Kommunikation, Gedankenlosigkeit und möglicher Schlamperei eigentlich fachkundiger Akteure auf einer Streuobstfläche bei Oberschleißheim.

Wildtierschützer, die unmittelbar vor Ort leben, hatten den Flächenpächter, den Bund Naturschutz in Bayern (BN), vorab informiert, dass sich eine Geiß mit Kitzen dort befände. Trotzdem wurde offenbar gemäht, ohne die Wiese vorher abzusuchen.

Die Kitzretter wurden am anderen Morgen darauf aufmerksam, gingen die Fläche ab und entdeckten die beiden Opfer. In Absprache mit einem Jäger nahmen sie sie auf und versuchten ihnen Hilfe zukommen zu lassen. Aber einem Rehkitz, dem zwei Füße abgeschnitten wurden, ist kein artgerechtes Leben mehr möglich. Deshalb musste eins der Tiere eingeschläfert werden. Das andere trug ebenfalls schwere Schnittverletzungen davon, konnte aber behandelt werden und lebt jetzt in einer Aufzuchtstation.

Doch wie kam es überhaupt zu der Mahd der Fläche? Wie sich inzwischen herausgestellt hat, ist ihr Besitzer die Bayerischen Staatsforsten AöR, Forstbetrieb Freising. Doch diese übt nur das Jagdrecht aus. Die sonstige Nutzung ist verpachtet, und die Bewirtschaftung erfolgt gesplittet: Um die Streuobstbäume kümmert sich der BN, während die darunter liegende Wiese über die Untere Naturschutzbehörde des Kreises München-Land „gepflegt“ wird.

Diese unübersichtliche Konstellation führte dazu, dass die Information der Kitzretter an den BN ins Leere lief. Dieser gab die wichtige Nachricht aber auch nicht weiter. Gemäht wurde die Fläche letztlich durch Auftragnehmer der Unteren Naturschutzbehörde München-Land und des dortigen Landschaftspflegeverbands.

Dass es zu den schweren Verletzungen der Rehkitze kam und diese angeblich unbemerkt geblieben sein sollen, ist uns vollkommen unverständlich, immerhin arbeiteten die vermeintlichen „Landschaftspfleger“ im Dienste des Naturschutzes mit Ibex-Motormähern, die von einer Person, die am Boden geht, geführt werden! Die Arbeiter sammelten hinterher auch das gemähte Gras noch auf. Als das Kitz mit den abgeschnittenen Beinen am nächsten Tag gefunden wurde, lag es offen auf der kurzgeschorenen Fläche.

Wir sind völlig entsetzt über die Gedankenlosigkeit und Fühllosigkeit, von der dieses Vorkommnis spricht. Um die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft ziehen zu lassen, haben wir Anzeige bei der Staatsanwaltschaft I in München erstattet.

Bildquelle: privat




Beate Kübler schrieb:


Ich bin nun im 3. Jahr für wir-retten-rehkitze.com unterwegs.
Stehe dafür an meinen freien Tagen mitten in der Nacht auf.
100% Erfolgsquote haben auch wir nicht – wie Nähe PAF schmerzlich erlebt.

Aber danke, daß ihr Anzeige erstattet habt. Eine Wiese NICHT abzusuchen geht gar nicht – totales Versagen bei einer derartigen Konstellation!

Liebe Grüße an Vivi — see you!
Beate

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Ludwig Fegg schrieb:


So etwas darf nicht vorkommen! Unfassbar!
Danke für die Information der Öffentlichkeit und damit für die Sensibilisierung vieler Menschen, die sonst gar nicht auf den Gedanken kämen, hier Meldung zu machen.
Ja, bitte macht alle die Augen auf, schaut wo ein Reh in der Wiese steht, dort könnten Kitze liegen!

Mein Dank an alle Bauern und sonstigen Bewirtschafter von Flächen, die mähen (müssen), die Kitzretter informieren und um Hilfe zur Suche bitten.
Diese Kitzretter sind wirklich zu bewundern, sie stehen frühmorgens gegen 04.00 Uhr auf, arbeiten meist ehrenamtlich, haben Spendengelder für die Drohnenbeschaffung gesammelt und suchen nun in aller Frühe Felder und Wiesen ab, um Rehkitze vor dem sicheren Mähtod zu retten. Dann gehen sie in die Arbeit oder bereiten die Kinder für den Schultag vor.
Das ist eine tolle Leistung!
Schön, dass dies viele Bauern erkannt haben, den Ehrenamtlichen Kaffee am Morgen anbieten und einen kleinen Geldbetrag für die Anfahrtskosten und sonstigen Ausgaben leisten. Zudem können sie Mitglied im Kitzrettungsverein werden und finanziell unterstützen.
Nix ist umsonst! Danke dafür!
Informativ:
Es gibt bereits diverse Urteile zum Thema Mähtod. Hierbei bewegten sich die Urteile von Freispruch über Geldstrafen im Bereich von rund 1.000 bis zu 10.000 Euro bis hin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung. Rehkitze werden hauptsächlich im Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Juni geboren. Sie verstecken sich häufig im hohen Gras und haben anfangs noch keinen Fluchtreflex. Das ist ein natürliches Verhalten, um nicht von Fressfeinden entdeckt zu werden. Sie fliehen daher auch nicht, wenn das Mähwerk anrückt.
(Aus Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt)

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Ulrich Haizinger schrieb:


Bleibt nur zu hoffen, dass die Betreiber tausender Mähroboter, die Nacht für Nacht unzählige Igel verstümmeln oder töten mit gleicher konsequenz verfolgt werden. Alle Menschen sind gleich, nur manche sind gleicher.

Antworten
Christine Miller schrieb:


Sehr richtig! Deshalb planen wir auch das gerichtlich prüfen zu lassen. Eine gute Zusammenschau finden Sie dazu auch in den Bayerischen Verwaltungsblättern 2/2026 Seite 37 pp.

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Lutz Herz schrieb:


Einfach übel, und dann sind auch noch Naturschutzverbände involviert

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Wendt schrieb:


Tja. Die Münchner Staatsanwaltschaft. Etwas anderes, als eine Einstellungsverfügung, habe ich nicht erwartet. Ich mache schon viele Jahre Anzeigen gegen Tierärzte, die mangels Sachkunde Igel noch auf dem Behandlungstisch ins Jenseits befördern oder Finder anweisen, einem noch lebenden Igel, bei dem die Maden bereits ein Auge ausgefressen haben und die Maden bereits im Gehirn waren, wieder auszuwildern, aber auch gegen einen Landwirt, der zwei Kitze die Beine angemäht hat, diese einfach liegen ließ und ungerührt mit dem Kreisler das geschnittene Gras anteilte. Aber jedesmal bekomme ich von der Münchner Staatsanwaltschaft die Antwort, „eingestellt“. Meiner Meinung nach haben Söder und Co. die Richter und Staatsanwälte angewiesen, Bauern, die Tiere quälen oder Kitze vermähen grundsätzlich straffrei davon kommen zu lassen. Anders ist nicht erklärbar, dass jeder Bauer machen kann was er will. Ihm passiert schon nichts. Bei meinem Fall war es so, dass der Staatsanwalt trotz Zeugen und Fotos von den vermähten Kitzen, den Bauern straffrei davon kommen ließ, mit dem Argument, der Bauer hatte ja einen akustischen Wildwarner am Traktor. Somit entfällt der Vorsatz. Daraufhin erhob ich Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft. Aber auch dieser behauptete, es fehle der Vorsatz, denn es gab ja einen Wildwarner am Traktor. Dabei verhält es sich so, dass junge Kitze und Hasen noch keinen Fluchtreflex haben. Somit kein Wildwarner der Welt die jungen Kitze und Hasen zur Flucht bewegen wird. Das Witzige war, dass mir der Münchner Oberstaatsanwalt dann noch zur Untermauerung am Festhalten der Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft einen Link mitschickte, in dem aber genau das stand, was ich kritisiert hatte. Nämlich, dass junge Kitze und Hasen nicht flüchten, weswegen immer die Wiese abgesucht werden muss. Ich würde mir jedenfalls die Einstellung des Verfahrens nicht gefallen lassen. Denn dann machen die weiter wie bisher und lassen alle Bauern, die Kitze in Bayern vermähen weiterhin straffrei davon kommen. Das spricht sich doch rum bei den Bauern, dass ihnen nix passiert, wenn sie Wildtiere vermähen. Die lachen sich ins Fäustchen und amüsieren sich über uns blöde Tierschützer. Dass die Politik die Anschaffung von Drohnen finanziert, ist nicht, weil sie so große Wildtierfreunde sind, sondern eine reine Alibifunktion. Man tut dies, damit das Ansehen der vielen Tiermörder unter den Bauern, nicht noch tiefer in der Öffentlichkeit sinkt. Es kommt von denen ja auch jeder Bibermörder straffrei davon. Deutschland ist schon lange kein Rechtsstaat mehr, denn es regiert die Agrarlobby. Aus Sorge um den Verlust bäuerlicher Wählerstimmen wird insbesondere in Bayern alles so gemacht, dass es den Bauern passt. Vergiftete Greifvögel, illegal getötete Biber, Fischotter und Wölfe sowie vermähte Rehkitze sind ein Kolateralschaden, den Politik, Behörden und Medien schulterzuckend hinnehmen. Ihre Helfer sind die Medien. Vorrangig der Münchner Merkur. Dieser betreibt Meinungsmanipulation, um der Poltik und ihren Stammwählern, den Bauern, gefällig zu sein.

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Michael Rittner schrieb:


Es gibt sehr viele Landwirte die bei der Wildtierhilfe mitmachen und sehr engagiert sind, es sind sehr viele Landwirte am Schutz der Tiere aktiv mit dabei, auch Jäger. Gerade die Kitzrettung ist zum großen Teil Ehrenamt, das heißt, alles wird privat oder durch Spenden finanziert. Für die ganzen Ehrenamtlichen ist diese Entscheidung natürlich nicht gerade von Vorteil.Wir hätten ein Tierschutzgesetz und auch seit dem 01.04.2026 ein neues Jagdgesetz in Bayern. Alles ist dort geregelt und auch beschrieben, was vor der Mahd zu tun ist. Leider ist in diesem Fall hier nichts von dem umgesetzt worden! Und leider sind auch noch Institutionen involviert, die einen Namen mit „Naturschutz“ tragen. Die sollten es eigentlich kennen das „Gesetz“, sollte man meinen… Landwirte leben von ihrer Mahd und es hängt zum Teil deren Existenz davon ab, dass Sie mähen, sollen aber alles organisieren, wie ggf. den Lohnunternehmer, die Kitzretter, den Jäger, und das Wetter muß mitspielen! So viele Landwirte machen da mit, obwohl es oft schwer ist, alles kurzfristig zu organisieren. Aber in dem Fall war nicht mal wirtschaftliches Interesse im Spiel, die Mahd hätte ohne Probleme zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden können, nicht gerade in der Brut- und Setzzeit, trotz Vorwarnung! Auch von Hege und Pflege von den Zuständigen keine Spur. Am Ende wie in dem Fall sind die Ehrenamtlichen die Dummen, und müssen letzlich mit so einer Entscheidung klar kommen. Auch Landwirte, die immer darauf bedacht sind, auf ihren Flächen nachschauen zu lassen und oft große Umstände haben, werden da das Nachsehen haben. Solange die Gesetze, die vorhanden sind (!), ignoriert werden, auch seitens von denen, die Sie eigentlich verfolgen sollten, oder diese Gesetze eben nicht für jeden gültig sind, wird sich nichts ändern. Zum Leidwesen der Tiere. Solche Entscheidungen lassen einen tatsächlich an dem Sinn der Sache zweifeln….Ein Feibrief ist diese Entscheidung für alle denen es egal ist, aber es bekommt der eine auf den Deckel der sich an alles gehalten hat und trotzdem etwas passiert ist….

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