Blogpost
Mittwoch, 01. Juli 2026

Scrollicon
Abgeschnittene Beine eines Rehkitzes liegen im Gras
01. Juli 2026, 13:41    office@wildes-bayern.de

Altötting: Entscheidungsschlacht für die Kitzrettung


Der Vorfall ereignete sich schon letztes Jahr, aber das Urteil erging nun mitten in der Mahd- und Kitzrettungssaison 2026: Das Amtsgericht Altötting hat einen Landwirt zu 50 Tagessätzen à 80 Euro, also 4.000 Euro, Strafe verurteilt, weil er keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen habe, um Kitze vor dem Mähtod zu schützen. Dadurch wurde ein Jungtier bei der Mahd einer Wiese von den Messern seines Mähwerks zerstückelt. Wildes Bayern hat damals Anzeige erstattet. Das Urteil ist nicht rechtskräftig – und wir sehen hier ein Kräfteringen um die grundsätzliche Verantwortung bei der Rehkitzrettung.

Der Landwirt hatte dem Artikel zufolge zwar einen „Piepser“ vorne am Traktor montiert, dessen nervtötendes Geräusch Tiere zur Flucht aus der Fläche bewegen soll, „und das hat bisher funktioniert“, wie er sagte. Er hatte aber, anders als in den Jahren zuvor, offenbar keinem der Jäger oder Drohnenpiloten in seinem Umfeld Bescheid gegeben und die Mahd der Waldwiese angekündigt.

Das Gericht wertete den Vorfall als eine vorsätzliche Tiertötung. In einer Pressemitteilung heißt es: „Das Gericht sah es zwar als erwiesen an, dass der Angeklagte am fraglichen Tag akustische Wildretter am Mähwerk eingesetzt hatte, die Wildtiere durch die Abgabe eines lauten Tons zur Flucht bewegen sollen. Darüber hinaus gehende Maßnahmen, wie die Absuche der Wiese oder den Einsatz einer Drohne mit Wärmbildkamera, habe er aber nicht durchgeführt. Hierbei sei es ihm jedoch bewusst gewesen, dass sich zur Zeit der Mahd typischerweise besonders junge Kitz in der Wiese befinden, welche durch akustische Signale mangels eines Fluchtreflexes nicht verscheucht werden.“

Wie sehr das Thema die Gesellschaft bewegt, zeigte sich unter anderem am Publikumsaufkommen: Draußen vor dem Gerichtsgebäude protestierten Tierschützer, drinnen im Gerichtssaal drängten sich die Zuschauer, darunter viele Landwirte (einer davon war im Vorjahr in zweiter Instanz vom Landgericht Traunstein wegen des gleichen Delikt verurteilt worden – und wartet nun auf eine endgültige Entscheidung in dritter Instanz).

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte haben Rechtsmittel gegen die Entscheidung im aktuellen Fall eingelegt. Aus Sicht von Wildes Bayern geht es hier tatsächlich um eine Grundsatzentscheidung. Denn unsere Erfahrung mit solchen Prozessen ist, dass hier die Verteidigung, die nach eigener Aussage sehr oft Landwirte in Tierschutzfragen verteidigt, immer wieder versucht, Urteile zu erwirken, die letztlich die gesetzliche Verpflichtung der Landwirte zur effektiven Kitzrettung unterminieren. Die Staatsanwaltschaft wie auch das Amtsgericht Altötting haben dem eine klare Haltung entgegengesetzt – man muss gespannt sein, wie das in der nächsten Instanz aussieht.

Unsere Pressemitteilung zu dem Vorfall aus dem Juni 2025 finden Sie hier

 

Bildquelle: privat




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

UPDATE Vorstellung des Wilde Bayern-Handbuchs zur Wildtierrettung

Verstümmelte Kitze auf Naturschutzfläche – Anzeige läuft

Petition zum Erhalt einer Wildtierstation

Seminar zu insektenfreundlichem Mähen in der Landschafts- und Grünpflege

Kitze zermäht – mehrere Anzeigen gegen Landwirte

Kitzrettung Wildes Bayern – Update

Sputnik Spring-Break-Festival – Todes-Schock für Natur und Tiere UPDATE

Kitz vermäht – 1.000 Euro gezahlt

Wildes Bayern im Einsatz mit Wir retten Rehkitze

Urteil: Windkraftanlagen im Vogelschutzgebiet rechtswidrig

HEUTE Online-Vortrag zur wildtierschonenden Mahd und Mähknigge

Rehkitze markieren bringt wichtige Daten UPDATE

Vorfall Kanisfluh 2022: Drohnenpilot verurteilt

Hirsch äst am Silo – abgeknallt

UPDATE Windkraft Öttinger Forst: Vortrag von Christine Miller

Dank an wildtierfreundliche Landwirte für Kitzrettung

Photovoltaik – die ungenutzte Chance für die Biodiversität – UPDATE

In zweiter Instanz: Landwirt für zermähtes Kitz verurteilt

EuGH-Urteil stärkt Naturschutz und die Arbeit von Wildes Bayern

Spatzen gestört – Gebäudeabriss untersagt

Förster in Strumpfhosen…

Bitte Petition unterstützen: Anleinpflicht zum Jungwildschutz

Rehkitz „gefunden“ und für social media missbraucht – Tier stirbt

Gams in Tirol und Vorarlberg – der Kampf geht in die nächste Runde

Erste Runde Wildes Bayern-Kitzrettung geschafft?

UPDATE Schonzeitaufhebung – nächster Etappensieg, doch der Kampf geht weiter

Insektenschutzstreifen – Naturschutz leicht gemacht

UPDATE Gerichtsurteil Kärnten: Jetzt alle Freihaltungen von Gams aufgehoben!

Jungwildrettung ein voller Erfolg für Natur- und Artenschutz

Kitze zermähen kostete Landwirt 1.000 Euro






Aktuelle Informationen



Video aus Polen: Wölfe greifen Bisons an Das Fotofallen-Video, das wir Ihnen hier verlinken, ist ein genialer Zufallsfang des Säugetierforschungsinstitut der Polnischen Akademie der Wissenschaften im Urwald…

Donnerstag, 02. Juli 2026
Jetzt lesen
UPDATE Ausbau an Fellhorn & Co.: Gericht stoppt den Liftbau Das Verwaltungsgericht Augsburg hat den Sofortvollzug für den Neubau eines Sessellifts am Fellhorn im Landkreis Oberallgäu aufgehoben. Die Bauarbeiten müssen…

Donnerstag, 02. Juli 2026
Jetzt lesen
Quagga-Muschel - eine Art auf Siegeszug auch in Oberbayern Invasive Arten zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Überlebenskonzept an verschiedenen Stellen der Erde einfach genial aufgeht. Dazu gehören zum…

Mittwoch, 01. Juli 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden