Auch wenn der Blick dieses Rotwildkalbs im Aufmacherbild eher scheu und schutzsuchend ausschaut, aber zum Auftakt der Jagdzeit für Alttiere und Kälber muss man leider sagen: Wenn Ihr schon schießt, dann nehmt bitte zuerst das Kalb und dann die Mutter – denn wenn die Mutter übrigbleibt, kann sie wenigstens halbwegs unbeschadet weiterleben.
Aber allzu viele „Jäger“ nehmen es damit nicht so genau und schießen einfach das, was ihnen leichter erscheint, erst die Mutter und dann ein verwirrtes Kalb. Immer wieder hören wir leider von Ansagen und Überzeugungen, hinter denen letztlich kriminelle Handlungen stecken. Jahr für Jahr sind verwaiste Kälber zu beobachten, die dann in den Wochen nach dem Verlust der Mutter verdursten, verhungern oder im Winter schutzlos bleiben und, von allen anderen Rotwildstücken vertrieben, in jämmerlichem Zustand durch die Landschaft irren.
Woher kommt dieser fanatische Jagddruck auf Alttiere, die man nach dem Gesetz nur erlegen darf, wenn zuvor das Jungtier erlegt wurde? Weil uns seit Jahren Medien und „Experten“ die Botschaft in Hirn hämmern: Wir müssen das Rotwild reduzieren, und dazu muss man die „Vermehrungsträger“ schießen. Aha! Vermehrungsträger sind Tiere, die sich fortpflanzen, also weibliche Tiere. Denn der Hirsch kann leicht durch einen anderen „Samenspender“ im Rudel ersetzt werden. Was diese vielen selbst ernannten Fachleute übersehen, ist die schlichte Tatsache, dass auch ein Wildkalb im Herbst ein potentieller Vermehrungsträger ist, ebenso wie das Schmaltier. Das Feuer auf Alttiere ist also absolut nicht zwingend notwendig und schon gar nicht angeraten, wenn man ein wenig erfahrener Schütze mit wenig Zeit und wenig Sachkenntnis ist – von denen gibt es übrigens immer mehr und mehr.
Jagd ist nur legitim, wenn vorher Monitoring und Ansprache stehen. Also erst mal wissen, ob der Bestand überhaupt „reduziert“ werden muss oder ob man ihn vielleicht einfach besser lenken könnte. Und wie hoch ist überhaupt die Vermehrungsrate? Das alles sind Daten, die man in gut geführten Revieren gar nicht so schwer erheben kann. Früher waren das das kleine Einmaleins von Berufsjägern.
Doch in Revieren, in denen Dauerfeuer auf wilde Pflanzenfresser erfolgt, technische Aufrüstung unsichtbares und unstetes Wild erzeugt hat und statt klarer Bejagungsziele eine Schar glaubensfester „Wild-weg-Ideologen-Sturmtruppen“ (eine WwIS) den Ton angeben, geht es eben nur noch darum, noch früher und schneller noch mehr Tiere zu schießen.
Da ist es dann nur zwangsläufig, dass ein von dieser Ideologie beeinflusster bayerischer Jagdminister gerade daran bastelt, die Jagdzeit auf Rotwild dauerhaft in das Frühjahr hinein auszuweiten. Staatsminister Aiwanger lässt seine Ministerial-Förster gerade eine neue Jagdzeitenregelung ausarbeiten, bei denen Alttier und Kalb schon im Juli geschossen werden dürfen und einjähriges Rotwild ab Mai. Stramm nach dem Motto: Ein Problem, das keins ist. Ein Mittel, das nicht wirkt. Und trotzdem: mehr davon! Willkommen in Aiwangers Jagdzeitenreform!
Bildquelle: Monika Baudrexl
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Danke für diesen wichtigen Beitrag –
es sollte für jeden ehrlichen Jäger selbstverständlich sein.
Kalb vor Alttier, Kitz(e) vor Geiß, immer das Jungtier vor der Mutter!
Freude macht das sowieso nicht, wer schießt schon gern auf „Kinder“.
Trotzdem, Abschüsse zu denen man stehen kann sind erforderlich und
gut wäre es auf diese Weise die spätwinterliche Jagd Ende Dezember und Januar einzustellen.
Auch damit ist dem Wild gedient und der Jagddruck gemindert.
Vielleicht ist auch das für Manche der Grund – auf weiteste Entfernungen auf Wild schießen – dann braucht man dem Kalb, dem Kitz nicht in „diese Lichter“ zu schauen.
Warum jagen wir? Wir können es nicht leicht erklären.
Und gerade hier trifft er wieder zu dieser Grundsatz, der uns Jäger leiten sollte:
„Das ist des Jäger’s Ehrenschild, dass er beschützt und hegt das Wild, waidmännisch jagt, wie sich’s gehört, den Schöpfer im Geschöpfe ehrt!“
Nur so und nicht anders!
Waidmannsheil
Ludwig Fegg
Ein Blick auf die Jagdzeiten für Rotwild in unserem Nachbarland Schweiz muss die Frage aufwerfen, weshalb in Bayern die Jäger nicht fähig sind, ihren Abschuss in wesentlich kürzerer Zeit und frühestens ab 15. August durchzuführen……
Wenn ein „Jagdminister“ gegen alle Erkenntnisse aus der Rotwildforschung der letzten Jahrzehnte die sowieso schon viel zu langen Jagdzeiten zum Nachteil des Wildes ändert, um damit keine Wählerstimmen von „Forstministerin“ Kaniber aufgehetzten Mitgliedern im Waldbesitzer- und Bauernverband zu verlieren, sollte er seinen Hut nehmen. Solange Parteipolitik statt Sachverstand regiert, werden wir nie „auf einen grünen Zweig kommen“ – im wahrsten Sinne des Wortes!