Blogpost
Dienstag, 17. Februar 2026

Scrollicon
Eine schneebedeckte Fläche mit Tierfährten, auf der Gras freigeschlagen ist; im Hintergrund eine Fütterungsanlage
17. Februar 2026, 14:36    office@wildes-bayern.de

Offener Brief von Wildes Bayern an Miesbacher Kandidaten UPDATE


Die Kommunalwahl im Landkreis Miesbach wirft ihre Schatten voraus – im wahrsten Sinne des Wortes Schatten, denn hier reiht sich ein Skandal an den nächsten. Landrat Olaf von Löwis, der zur Wahl nicht mehr antritt, hat in den letzten Zügen seiner Amtszeit nicht nur in Sachen Rotwildfütterung Rottach-Egern (hier unsere Berichte dazu) viel Tierleid und Waldschäden mit zu verantworten gehabt, sondern hat jetzt, auf den allerletzten Drücker, der Natur noch so richtig eine reingewürgt: Er hat sowohl den Leiter seiner Unteren Jagdbehörde wie auch die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde und andere Mitarbeiter kurzfristig versetzt.

Über die Gründe solchen Handelns in den letzten Tagen einer Amtszeit kann nur spekuliert werden. Mit welcher Intention legt ein verantwortlicher Kommunalpolitiker kurz vor Schluss den Tier- und Naturschutz wie auch die Kontrolle über die Jagd nachhaltig lahm?

Unser Offener Brief (unten) erbringt in der Zwischenzeit aufschlussreiche Antworten (UPDATE 17.2.!) – wenn auch nicht nur schöne. So hat uns der aktuelle Zweite Landrat, Jens Zangenfeind, wissen lassen, dass er – sofern er der zukünftige Landrat ist – „sehr bald mit allen Beteiligten spreche um eine Lösung zu finden. Die Art der Kommunikation, das Miteinander umgehen und die gegenseitigen Vorwürfe müssen endlich ein Ende haben.“ Er will mit einer „sachlichen Diskussion wieder auf einen guten Weg kommen“…

Für uns sind das die altbekannten, nichts sagenden und auch nichts bewirkenden Floskeln. Wenn überhaupt, lesen wir heraus, dass die Lobbyisten im Landkreis auch bei Herrn Zangenfeind ein offenes Ohr finden werden, während die stummen „Mitbürger“, unsere Tierwelt, das Nachsehen haben wird. Das ist leider nichts, das wir vom Wilden Bayern mittragen können.

Einen ganz anderen Tonfall haben wir von Thomas Tomaschek zu hören bekommen, dem wir dafür schon jetzt herzlich danken! Er schreibt uns:

„Auch herrenlose Wildtiere sind als Lebewesen und Mitgeschöpfe zu achten und zu schützen. Die Bayerische Verfassung formuliert diesen Anspruch eindeutig – und daran gilt es, sich zu orientieren.

Der gesetzlich verankerte Grundsatz „Wald vor Wild“ ist aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß. Er sollte zu „Wald und Wild“ bzw. „Wald mit Wild“ weiterentwickelt werden. Dies liegt allerdings nicht in meiner unmittelbaren Zuständigkeit.

Meine Haltung zur aktuellen Auseinandersetzung um die Wildfütterung in Rottach-Egern ist klar: Ich gehe seit knapp zehn Jahren in Kreuth selbst auf die Jagd und habe dort über viele Jahre hinweg auch aktiv bei der Bestückung der Fütterung in der Klamm mitgeholfen. Da das Wild im Winter faktisch nicht abwandern kann, sind wir aus tierschutzfachlicher Sicht verpflichtet, es durch Fütterungen zu unterstützen. Eine gezielte Unterversorgung durch Nichtfüttern mit dem Ziel der Bestandsreduzierung widerspricht dem Tierschutzgedanken.
Ich halte es daher so, wie es seit Jahrzehnten gängige und bewährte Praxis ist und auch in den umliegenden Gebieten umgesetzt wird: Im Winter muss gefüttert werden! Dies hilft und lenkt das Wild gezielt und reduziert nachweislich den Verbiss. Damit ist die Winterfütterung eine Win-Win-Situation für Wald und Wild.

Sollte ich zum Landrat gewählt werden, werde ich mein Handeln konsequent an diesen Grundsätzen ausrichten und mich für ein ausgewogenes Miteinander von Wald und Wild einsetzen. Generell möchte ich betonen, dass mir Tier- und Naturschutz ein zentrales Anliegen sind. Deshalb will ich die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt gezielt stärken und ihre fachliche Expertise wertschätzen und konsequent einbinden.“

Mittlerweile hat uns auch die Antwort des Kandidaten Franz Schnitzenbaumer erreicht, die uns ebenfalls zumindest begrenzte Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage für das Rotwild im Landkreis Miesbach macht. Er schreibt:

„Grundsätzlich kann ich Ihnen … sagen, dass ich bereits als Kind  dabei war, als vom damaligen Revierjäger Konrad Esterl eine Wildfütterung in der Valepp initiiert wurde. Schon damals wurde dieses Thema kontrovers diskutiert. Ich bin mir sicher, dass man, wenn man das Rotwild einmal an eine Fütterung gewöhnt hat, diese Futterstelle auch erhalten muss. Auch bin ich der Meinung, dass das Rotwild auf Futterstellen angewiesen ist, wenn ihre Wintereinstände nicht für sie erreichbar sind. Selbstverständlich muss mit Wildfütterungen auch ein gutes Wildmonitoring einhergehen und der Abschussplan dem Wildbestand angepasst werden, damit Verbissschäden gering gehalten werden.“

 

 

Meldung vom 9. Februar 2026: Offener Brief von Wildes Bayern an Miesbacher Kandidaten

Das Kernthema von Wildes Bayern ist ganz sicher nicht die Politik, sondern der Schutz unserer Wildtiere. Leider spielt die Politik hier aber immer wieder herein, wie zum Beispiel die Entscheidungen des Miesbacher Landrats bezüglich der Wildfütterung in Rottach-Egern. Um hier eine Verbesserung herbeizuführen, haben wir einen Offenen Brief an die Kandidaten für die kommenden Kommunalwahlen verfasst, den wir Ihnen hier zur Kenntnis geben.

Wir nehmen darin konkret Bezug auf Art. 141 Abs. 1 der Bayerischen Verfassung:

Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist, auch eingedenk der Verantwortung für die kommenden Generationen, der besonderen Fürsorge jedes einzelnen und der staatlichen Gemeinschaft anvertraut. 2Tiere werden als Lebewesen und Mitgeschöpfe geachtet und geschützt. 3Mit Naturgütern ist schonend und sparsam umzugehen. 4Es gehört auch zu den vorrangigen Aufgaben von Staat, Gemeinden und Körperschaften des öffentlichen Rechts,
Boden, Wasser und Luft als natürliche Lebensgrundlagen zu schützen, eingetretene Schäden möglichst zu beheben oder auszugleichen und auf möglichst sparsamen Umgang mit Energie zu achten,
die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes zu erhalten und dauerhaft zu verbessern,
den Wald wegen seiner besonderen Bedeutung für den Naturhaushalt zu schützen und eingetretene Schäden möglichst zu beheben oder auszugleichen,
die heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihre notwendigen Lebensräume sowie kennzeichnende Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten.
Hier unser Schreiben:

Sehr geehrte Herren,

der Landkreis Miesbach macht seit Monaten überregionale Schlagzeilen als „Tierquäler-Landkreis“. Immer wieder wird gefragt, warum in einer der reichsten Regionen Bayerns Gier und Profit einen höheren Stellenwert zu haben scheinen als das Wohlergehen von Natur und Tieren. Warum man Wildtiere im Winter bewusst leiden lässt.

Ich hatte mich vor über einem Jahr mehrmals an den Landrat und seinen Stellvertreter gewandt und um Hilfe in dieser Sache gebeten (Kopie der Anschreiben unten): Wir zwingen Rotwild dazu im Winter in seinen Sommerlebensräumen auszuharren. Und nun verweigern einige Akteure in einer Jagdgenossenschaft die notwendige Hilfestellung dabei, um Stress und Leiden beim Wild und zwangsläufig auftretende Schäden beim Wald zu verhindern.

In diesem Winter ist der Streit um eine fachgerechte, rechtskonforme und notwendige Lenkung und Versorgung von Rotwild im Rottacher Bergwald weiter eskaliert. Vor einem Jahr, wollte Sie sich der stellvertretende Landrat diesem Thema nicht annehmen mit dem Verweis, der Landrat von Löwis würde sich persönlich und kompetent darum kümmern. Die Ereignisse seit damals haben uns eines Besseren belehrt.

Die Anordnung der zuständigen Behörde wurde vom Landrat von Löwis im Januar 2025 persönlich gekippt. Waldschäden in beträchtlicher Höhe traten in der Folge auf.

Und in diesem Winter wurde erst nach sehr langem Zögern, Zuwarten und Zeitschinden endlich die notwendige Ersatzvornahme durch die Behörde angeordnet. Ein Fütterungsstandort von insgesamt dreien war da schon unwiederbringlich verloren. Und beim ersten lauen Wintertag wurde die Winterfütterung wieder eingestellt. Das verzweifelt im Umfeld der beiden verbliebenen Fütterungsstandorte suchende Rotwild nahm die Futtervorlage dankbar an. Nur um nach einer Woche wieder vor den leeren „Fütterungen“ zu stehen.

Dass es in dieser Sache nicht darum geht, „mit den Beteiligten zu reden“ und „gute Kompromisse zu finden“, zwei Floskeln, die gerne vom Landrat gebraucht wurden, sondern um einen Machtkampf und Richtungsstreit, mussten wir mit Entsetzen in den vergangenen Tagen erleben. Die untere Jagdbehörde, die immer wieder versucht hat, die Interessen von Allgemeingütern, wie unseren „herrenlosen“ Wildtieren und den natürlichen Lebensräumen, zu schützen, wurde nicht nur öffentlich brüskiert, wie im vergangenen Jahr, sondern praktisch zerschlagen. Der langjährige Leiter versetzt. Auch in anderen Fachbereichen, wie der Naturschutzverwaltung, traf die „Umstrukturierung“ vor allem Mitarbeiter, die sich dem Ausverkauf der Natur entgegenstellten. Ich muss nicht erwähnen, dass gerade auch die Protagonisten des Skandalreviers Rottach-Egern mit Anzeigen wegen des Verdachts auf eine Reihe von Naturschutzvergehen konfrontiert sind.

In der Zielgerade seiner Amtszeit hat Landrat von Löwis anscheinend versucht Weichen zu stellen. Deshalb wende ich mich jetzt mit der Frage an Sie, wie Sie als neuer Landrat Tier- und Naturschutz im Landkreis Miesbach wieder stärken wollen. Werden Sie Art. 141 Abs. 1 unserer Bayerischen Verfassung wieder als Maßstab Ihrer politischen Arbeit sehen?

Ich bitte Sie wieder für eine funktionsfähige Verwaltung im Landratsamt zu sorgen, die beim Schutz von Natur und Tierwelt nicht ständig befürchten muss, gebremst, gegängelt und ausgewechselt zu werden, wenn sie dabei Interessen einzelner, aber gut vernetzter Personen und Lobbygruppen stören könnte.

Und ich bitte Sie, allen Menschen im Landkreis und weit darüber hinaus zu versichern, dass derartige skandalöse Dramen, wie sie sich beispielhaft um die Jagdpraktiken und Winterfütterungen des Rottacher Skandalreviers abspielten, von Ihnen als neuer Landrat verhindert werden.

Sie werden sicher auch Verständnis dafür haben, dass unsere Fragen an Sie und Ihre Antworten auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Den Wortlaut des Art. 141 der Bayerischen Verfassung füge ich am Ende meines Schreibens bei – schließlich sollte sie nicht nur für die Politik sondern für uns alle Leitbild und Kompass sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Christine Miller

 

 

 

Bildquelle: Wildes Bayern




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Reh, Rothirsch, Damwild… wer ist was?

Weilheim: Ab März darf alles Rotwild – auch Ungeborene – getötet werden

Hessen: Vorbildliches Lebensraumkonzept für Rotwild

Rotwild retten? – die Mehrheits-Politiker im Bundestag sagen Nein!

Vom Umgang mit Notzeit und Fütterung

Vorarlberg: Gellender Hilfeschrei aus Jagd und Waldbesitz

24. Februar – ein Stündchen Webinar über den Hirsch

Rottach-Egern: Das Hungern nimmt kein Ende * VIDEO*

18. April Rotwildforum in Niedersachsen

UPDATE Rottach-Egern: Jagdgenossen gehen auf die Barrikaden

Jagdskandal im Harz: Wildtiere leiden unter fragwürdigen Methoden

Petition in Sachsen: Drückjagden ab Ende Dezember einstellen!

Hirsche im Kanton Aargau oder: Guter Wille zum Wildmanagement

Das unterirdische Ende der Fahnenstange – Rotwildprozess in Kärnten

Rothirsch ist Tier des Jahres 2026

RotWildes Deutschland: Gesellschaft für Wildbiologie gegründet

Rotwild in der Rhön und darüber hinaus: Experten fordern offene Wanderräume

Viele Tipps zur Vogelfütterung – jetzt langsam starten

Erinnerung: Auerhuhn im Schwarzwald Vortrag 29.9.

Polizei ermittelt in Enterrottach: Jungtier krankgeschossen und liegen gelassen

Notzeiten gibt´s nicht nur im Winter – Tagungsband erschienen

Satirischer Grünbrückenpreis sucht Vorschläge!

Hirsche schützen heißt auch Wanderungen bewahren!

Mähroboter nachts endlich stoppen! UPDATE aus Sachsen-Anhalt

Landkreis Miesbach – biketrails statt Birkhühner?

St. Gallen – eindrucksvolles Eintreten fürs Wild

Rotwild-Forum Werra-Fulda fordert Jagdbeginn nicht vor 1. Mai

Mehr Hirsche für die Hühner

Maul- und Klauenseuche: Gefahr scheint gebannt

UPDATE Sauerei! Wildbrücke im Saarland zum Solarpark ausgewiesen






Aktuelle Informationen



Walzverbot gelockert: Für Märzhasen und Gelege der Tod Wiesen und Grünland dürfen in Bayern dieses Jahr nicht nur bis zum 15. März, sondern bis zum 1. April gewalzt…

Dienstag, 17. März 2026
Jetzt lesen
Was bringt der Biber? In den Nationalparks Bayerischer Wald und Sumava/Tschechien wird der Einfluss des Bibers auf die Natur erforscht. Das hat der Nationalpark…

Dienstag, 17. März 2026
Jetzt lesen
protectAlps: Schlechte Neuigkeiten für alpine Insekten Unsere vermeintlich heile, gesunde Bergwelt leidet längst unter den Emissionen von dicht besiedelten Gebieten im Tal - das ist nicht…

Dienstag, 17. März 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden