Am Montag, 29. September, bietet die Akademie des Deutschen Jagdverbands einen Online-Vortrag zum Thema:
„Letzte Chance fürs Auerhuhn? Schutzmaßnahmen und Herausforderungen im Schwarzwald“. Referent ist Simon Boos vom Landesjagdverband Baden-Württemberg.
Termin: Mo, 29.09.2025 – 15 bis 17 Uhr
Alle Termine und die Möglichkeit zur Teilnahme (nach einer unkomplizierten Registrierung) finden Sie hier:
akademie.jagdverband.we-bcast.de/termine/
Meldung vom 1. August 2025
Erst vor Kurzem haben wir über die „Erweiterung“ des Nationalparks Schwarzwald berichtet, bei der wichtige Randzonen verloren gehen werden, die unter anderem für Management-Maßnahmen für das bedrohten Auerhuhn genutzt wurden (s. Meldung unten). Jetzt kommt nochmal eine Bestätigung aus dem Park: Diese Maßnahmen waren so erfolgreich, dass dort in diesem Jahr um 75 Prozent mehr balzende Hähne gezählt werden konnten als vor drei Jahren! Ihre Zahl ist von 17 auf 30 gestiegen, was der Park als Indiz dafür wertet, dass er einen wesentlichen Beitrag zur derzeitigen Bestandssituation im Gesamtschwarzwald leistet.
Die Zahl ist umso gewichtiger, als andere Gebiete einen Rückgang beim Auerwild zu verzeichnen haben. Insgesamt wurden in diesem Frühjahr 103 balzende Auerhähne im Schwarzwald gezählt, nur ganz wenige mehr als auf dem historischen Tiefpunkt 2022 mit nur 97 balzenden Hähnen. Der Nationalpark beherbergt laut seiner Leitung damit 30 Prozent der Gesamtpopulation der Auerhühner im Schwarzwald, obwohl er lediglich 20 Prozent des Verbreitungsgebietes umfasst.
Den Erfolg führt die Parkleitung auf die Durchführung ihres „Auerhuhn-Notfallplans“ von 2022 zurück. Der geht davon aus, dass die größten Gefahren für die Auerhühner von der Verschlechterung der Lebensräume und den Störungen durch den Menschen ausgehen. Wege bringen Störungen, auf die die Tiere gerade im Winter und in der Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit äußerst sensibel reagieren. Zudem verbuscht und verwaldet der Schwarzwald immer mehr, weil Weidetiere und Rothirsche, große Weidegänger wie Wisente oder wilde Pferde fehlen. „Lichte, strukturierte Wälder aber sind wichtig, um den bodenbrütenden Hühnern wärmendes Sonnenlicht, Deckung, eine Begehbarkeit durch niedrigen Bewuchs und Nahrung zugleich zu bieten“, beschreibt der Park in einer Pressemitteilung.
Die Leitung setzt deshalb auf Beweidung, Beruhigung durch Besucherlenkung mit Wegesperrungen und durch Ruhezonen fürs Wild rund um die Balz- und Aufzuchtgebiete, damit Hirsch und Co. mithelfen, indem sie Heidelbeersträucher kurzhalten und offene Flächen durch Tritt- und Liegestellen schaffen.
Wie wird es mit diesen Maßnahmen weitergehen, wenn der Nationalpark einen Großteil seiner Pufferflächen an das Unternehmen ForstBW abtreten muss? Wir sind gespannt auf Wildruhezonen und gesperrte Wege in der Brut- und Balzzeit…
Die Pressemitteilung des Nationalparks zum aktuellen Auerwildbestand findet Ihr hier
Die Pressemitteilung zum Start des Auerhuhn-Notfallplans von 2022 findet Ihr hier
Meldung vom 21. Juli 2025
Der Nationalpark Schwarzwald wird erweitert – soweit, so erfreulich. Doch wer die konkreten Pläne genau studiert, bemerkt, dass sie die Situation für den Naturschutz und gefährdete Arten verschlimmern, statt verbessern könnten. Sowohl die Situation des Auerhuhns wird sich verschlechtern, wie auch der Umgang mit einer Art, die für die Lebensräume des großen Waldvogels so wichtig, ja entscheidend ist, findet Wildes Bayern. Wir protestieren deshalb nachdrücklich gegen Änderungen, die den Nationalpark in seiner Zielsetzung und Funktion beschädigen und zudem noch gegen nationale und internationale gesetzliche Regelung verstoßen können.
In einem schwer zu durchschauenden Hin- und Herschieben von Besitz und Nutzung hat die baden-württembergische Landesregierung es geschafft, dass der Nationalpark Schwarzwald bald zwar etwas größer und an einem zusammenhängenden Stück ist, aber auch deutlich dünner und damit viel anfälliger für Einflüsse von außen. Der Grund: Viele wichtige Pufferflächen entlang der Ränder, die bisher vom Park nach internationalen Schutzkriterien gemanagt wurden, gehen neu in die Hände des staatlichen Forstunternehmens ForstBW über- und der ist völlig anderen Zielen verpflichtet.
Die prominentesten Leidtragenden dürften das Auer- und das Rotwild im Park sein. Für die Leitart Auerwild konnten bisher im Park Managementmaßnahmen durchgeführt werden, die auch das Rotwild mit einbezogen, weil dieses als großer Pflanzenfresser in der Landschaft die richtigen Impulse für die Auerhühner setzt. (Siehe dazu auch unseren Blog „Mehr Hirsche für die Hühner“)
Der Nationalpark liegt mit (derzeit) rund 80 % seiner Fläche im Vogelschutzgebiet Nordschwarzwald, das zu den bedeutendsten Brutgebieten des Auerhuhns zählt. Dieses weist im Schwarzwald die größte Population Zentraleuropas außerhalb des Alpenraums auf. Es braucht lichte strukturierte Nadelholzwälder und gut entwickelte Bodenvegetation, wie das Rotwild sie in der Natur mit seinem Verbiss schafft. Ob ForstBW das ebenfalls hin bekommt, zumal dort die Schalenwilddichte gezielt abgesenkt wird, ist für uns höchst fraglich.
Wildes Bayern hat deshalb eine Stellungnahme zur Änderung des Nationalparkgesetzes abgegeben. Wir sehen Teile des Managementplans im Nationalpark und vor allem die geplante Flächenabtretung von Nationalparkbereichen an ForstBW mit seiner gängigen Bewirtschaftung von naturfernen und artenarmen Forstlandschaften als weder mit dem Bundesnaturschutzgesetz noch mit den Anforderungen der Natura2000 Richtlinie der EU sowie der Berner Konvention kompatibel.
Wir befürchten, dass durch die Umsetzung des vorliegenden Entwurfs des Nationalparkgesetzes und die Durchführung der darin festgelegten Maßnahmen eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes von Schutzgütern und eine erhebliche Beeinträchtigung von durch die Natura 2000-Richtlinien geschützten
Lebensraumtypen und Habitaten maßgeblicher Arten kommt. Der Plan könnte, so befürchten wir, die Artenvielfalt und Biodiversität großflächig negativ beeinträchtigen.
Die vollständige Stellungnahme von Wildes Bayern zur Erweiterung des Nationalparks Schwarzwald findet Ihr hier
Eine Stellungnahme des Freundeskreis Nationalpark zur Erweiterung mit Karte findet Ihr hier
Und hier findet Ihr eine Stellungnahme des Evangelischen Kirchenbezirks Ortenau zu der Erweiterung
Bildquelle: Privat, privat, W. Finkbeiner
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