Waldweide? In Zeiten von Klimawandel und Zukunftswald ist das ein Begriff aus Mottenkiste oder Giftschrank (wahlweise)! Gerade für die meisten Förster ist es undenkbar, pflanzenverdauende Tiere absichtlich zwischen Bäumen fressen zu lassen!
Doch diese Sichtweise ist nicht modern und zukunftsorientiert, sondern einseitig und wohl profitgesteuert. Denn wie gerade eine Forschergruppe um Thomas Asch in verschiedenen Jagdzeitschriften (Anblick, Wild und Hund) veröffentlicht hat, ist Waldweide eins der besten Mittel gegen das Insektensterben und für die Lebensraum- und Artenvielfalt. Die Forscher haben das Thema am Beispiel Auerhuhn beleuchtet, das – je nach Jahreszeit – unterschiedliche Waldstrukturen braucht. Besonders wichtig sind jedoch offene, lückige Wälder mit warmen Flecken, kahlen Bodenstellen, und einem Wechsel aus hoher und niedriger Vegetation, zum Beispiel aus Heidelbeersträuchern.
Solche Wälder gibt es von Natur aus entweder nur auf kargen, trockenen oder zu nassen Standorten, in kaltem Klima – oder überall, hervorgerufen durch Pflanzenfresser. Die gestalten Wälder mit ihrer Nahrungsaufnahme (Verbiss oder Schäle), durch soziale Kommunikation wie das Fegen, durch ihre Trittsiegel, Betten und ihre Losung, über die sie Samen verbreiten.
Auerhühner lieben kahlen Boden zum Staubbaden und brauchen eine Bodenvegetation, die einerseits Beeren als Nahrung bietet, andererseits nicht zu hoch oder dicht ist, damit die Jungvögel noch gut hindurchlaufen können, ohne bei Tau oder Regen klatschnass zu werden. Die Bedürfnisse von Pflanzenfressern und Auerhühner ergänzen sich insofern ideal, beziehungsweise, sie haben sich wahrscheinlich aneinander entwickelt, denn Jahrhundertelang war die Waldweide bei uns gang und gäbe, und den Auerhühnern ging es prächtig.
In der Zeitschrift „Anblick“ schreibt das Forscherteam: „Insgesamt entsteht durch die Beweidung der Großherbivoren also ein lichter, vielfältig strukturierter, nahrungsreicher Wald mit hohem Grenzlinienanteil, wie ihn das Auerhuhn benötigt: Der Wald ist für Auerhühner gut passierbar und übersichtlich, bietet aber durch den Strukturreichtum dennoch ausreichend geeignete Deckung bei Prädatorenalarm oder ungünstiger Witterung.“ Dabei frisst bzw. äst jede Tierart etwas anders. Rothirsch, Gams und Reh halten Heidelbeersträucher kurz, Rinder eher das Gras.
Die Forscher fordern deshalb: In Auerhuhnlebensräumen braucht es eine funktionierende, ökologisch wirksame Großherbivorengemeinschaft!
Bildquelle: Vivienne Klimke
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