Blogpost
Freitag, 24. Juli 2026

Scrollicon
Ein Bargeier sitzt vor blauem Himmel auf einem Felsen
24. Juli 2026, 11:01    office@wildes-bayern.de

Archäologie im Bartgeierbett


Erinnern Sie sich an unseren Blogbeitrag über die Nester von Blässhühnern in Amsterdam, in denen man anhand verbauter Plastikstückchen feststellen konnte, wie lange sie schon existieren? So etwas ähnliches gibt es auch bei anderen Greifvögeln, wie Bartgeiern – nur geht es bei ihnen viel weiter, großräumiger und umfassender in die Geschichte.

Denn Horste von Greifvögeln an trockenen, geschützten Stellen können echte historische Stätten sein. In Griechenland gab es mal einen Gerfalkenhorst, der nicht nur über Jahrhunderte, sondern sage und schreibe über 2.500 Jahre existierte – das konnte mithilfe von Genproben nachgewiesen werden. Ein Adlerhorst in den USA wurde auf über 500 Jahre datiert.

Die Stiftung Pro Bartgeier fasste kürzlich eine Studie aus Spanien zusammen, bei der Forscher die dortigen Bartgeierhorste genauer unter die Lupe genommen haben:

„Ein aus Gräsern und Zweigen gefertigter Schuh aus dem 14. Jahrhundert und die Reste eines Korbes aus dem 19. Jahrhundert sind nur einige der historischen Fundstücke, die sich in alten Bartgeierhorsten angesammelt haben und Aufschluss über vergangene Zeiten geben.

Geeignete Felsnischen für Bartgeierhorste sind selten. Daher nutzen Bartgeier diese Nischen oft über viele Generationen. In jeder Brutsaison bauen sie am Horst weiter und tragen dazu neues Nistmaterial ein. Ist der Nachwuchs geschlüpft, schaffen sie Nahrung heran, wovon ein Teil als knöcherne Überreste im Nest zurückbleibt. Da das trockene Mikroklima in diesen Nischen den Abbau des angesammelten Materials verhindert, bleibt es oftmals über Jahrhunderte erhalten, wie eine spanische Studie zeigt, für die zahlreiche, seit langem verlassene Bartgeierhorste untersucht worden sind.

Als Nistmaterial sammeln Bartgeier auch immer wieder Artefakte ein. In den untersuchten Nestern haben die Studienautor:innen beispielsweise bearbeitete Holzstücke, Gewebe und Flechtwerke gefunden. Solche Fundstücke liefern wertvolle Hinweise auf die Lebensumstände und Kulturtechniken der Menschen, die zum Zeitpunkt des Nestbaus in der Region ansässig waren. Aus den zahlreichen Knochenfragmenten wiederum lässt sich rückschliessen, ob in der Region noch wilde Huftiere lebten und wie stark der Lebensraum bereits durch Haustiere, wie Schafe oder Ziegen genutzt wurde.

Die soliden und über lange Zeit bestehenden Nester der Bartgeier sind also eine Art natürliches Geschichtsarchiv für Fundstücke, die uns einiges sowohl über die ökologische als auch über die menschliche Entwicklung einer bestimmten Region und Zeit erzählen können.“

Zur Mitteilung der Stiftung Pro Bartgeier gelangen Sie hier

Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier

Bildquelle: k. A./Pixabay.de




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Das Hermelin – im Klimawandel bald gefährdet?

Rotwild-Genetik-Studie: Kanibers Hütchenspieler

Allmende – Weiden für unser aller Artenvielfalt

Unordnung im Wald zahlt sich in Arten aus

Wenn der Weg das Ziel ist – was Staudämme mit Flussfischen machen

Fördert der Mensch als „Schutzschild“ den Goldschakal?

Zum Tag der Wanderfische: Mehr Schutz durch die Bonner Konvention!

Nicht jeder Mischwald ist gut fürs Ökosystem

Auen und Weidetiere – eine fruchtbare Symbiose

Ein Managementplan für Stadtbienen

Wespenspinne: Rasante Verbreitung durch Anpassung

Forschungsprojekt: Verbiss gegen Feuer und für die Vielfalt

US-Studie zur Nutztierhaltung: Keiner will das

Eichhörnchen in der Stadt – besser oder schlechter dran?

Hummeln, die heimlichen Rock´n Roller

Rehkitze markieren bringt wichtige Daten UPDATE

Junge Rotmilane mögen Schlaf-WGs

Biber – die besten Helfer der Biodiversität

Katzen halfen beim Mäusemonitoring Schweiz

Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Was bringt der Biber?

protectAlps: Schlechte Neuigkeiten für alpine Insekten

Ohne Wildschweine weniger Artenvielfalt UPDATE

Soziale „Revolution“ bei Pavianen in Kenia

Schmelzendes Eis: Nicht alle Eisbären leiden gleichermaßen

Gänsestudie: Fressen ist wichtiger als fürchten

Dem Bösewicht auf der Spur: Erster Waldschädling entdeckt

Kühe – so viel intelligenter als gedacht * VIDEO*

Hirsche im Kanton Aargau oder: Guter Wille zum Wildmanagement






Aktuelle Informationen



Wichtiger Hinweis: Baumfällung ist Eingriff nach Naturschutzgesetz! Immer wieder erlebt man den Schockmoment, dass man an einem gewohnten Platz vorbeifährt - und plötzlich fehlt da die große…

Freitag, 24. Juli 2026
Jetzt lesen
Wie der T-Rex seine Babys großzog Wenn wir an Dinosaurier denken, sehen wir meist gewaltige Tiere vor uns: riesige Pflanzenfresser mit langen Hälsen oder furchteinflößende Räuber,…

Freitag, 24. Juli 2026
Jetzt lesen
5. Modernisierungsgesetz: Eher mehr als weniger Aufwand! Würde man das Ziel der Entbürokratisierung in Bayern ernsthaft betreiben, dann sollte man vielleicht zu allererst damit aufhören, immer wieder…

Donnerstag, 23. Juli 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden