Spurenelemente kennt wohl jede(r) von uns aus der täglichen Ernährung: lebenswichtige Mineralien, von denen wir aber nur winzige Mengen benötigen. Auch Tiere brauchen sie! Und während wir in Bezug auf die Landschaft meist nur über die drei Makronährstoffe Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor sprechen, geht ein aktueller Konzeptbeitrag im Journal of Animal Ecology den Spuren von Selen, Natrium und Co. nach und der Rolle, die große Wirbeltiere für ihre Verteilung spielen.
Die Forschenden entwerfen ein Drei-Phasen-Modell, das erklärt, wie Tiere Spurenelemente über Landschaften hinweg umverteilen:
Aufnahme und Speicherung: Über Nahrung, Bodenaufnahme und Mineralquellen reichern Tiere essenzielle Spurenelemente an, um ihr ionisches Gleichgewicht zu halten. Das Ionom (die mineralische Zusammensetzung eines Organismus) gilt bei Säugetieren inzwischen als sehr variabel, was Prognosen erschwert. Manche Elemente, wie Natrium und Selen, sind für Tiere sehr wichtig, für Pflanzen dagegen kaum von Nutzen; entsprechend selektiv äsen Tiere dort, wo diese Elemente verfügbar sind.
Ausscheidung: Über Kot und Urin geben die Tiere solche Elemente laufend an den Boden zurück. Das Muster hängt dabei vom Verhalten ab: Alpakas legen gemeinsame Kotplätze an und schaffen so Hotspots, die das Pflanzenwachstum lokal fördern, Rinder verteilen ihre Exkremente wahllos in der Fläche. Wölfe markieren mit Losung ihr Revier und konzentrieren die Elemente damit in nicht zufälligen räumlichen Mustern.
Tod und Zersetzung: Die Abgabe über einen Kadaver unterscheidet sich grundlegend von der über Ausscheidungen. Er setzt gespeicherte Elemente verzögert und räumlich konzentriert frei. Die Reichweite der Freisetzung wird von den Organismen bestimmt, die ihn nutzen: Dominieren Mikroben und Insekten bei der Zersetzung, entstehen lokale Hotspots mit dem Risiko, dass manche Elemente in tiefere, biologisch wenig aktive Schichten verlagert werden. Wirbeltiere mit großen Aktionsräumen tragen Nährstoffe aus Kadavern dagegen über beträchtliche Distanzen fort. Weil Aasfresserbestände durch Bejagung und Habitatverlust vielerorts zurückgegangen sind, dürfte diese Ökosystemleistung heute allerdings deutlich schwächer ausfallen als früher.
Die Forschenden werteten Daten aus 43 Sektionsberichten freilebender Schottischer Hochlandrinder im niederländischen Nationalpark Veluwezoom aus. Dabei zeigte sich, dass in den Lebern Kupfer und Selen überwiegend unter, Molybdän und Cadmium teils deutlich über den Referenzwerten optimal versorgter Milchkühe lagen. Die Tiere leben ausschließlich von natürlichem Aufwuchs in einem Gebiet mit hoher Stickstoffdeposition und langjähriger Bodenversauerung. Auch die Intensivierung der Landwirtschaft verschiebt diese Verhältnisse: Sie zehrt Zink und Kupfer aus den Böden und erhöht zugleich die Cadmiumverfügbarkeit. Hinzu kommt, dass Schutzgebiete nach politischen Grenzen zugeschnitten sind, nicht nach dem Mineralbedarf großer Pflanzenfresser.
Der „Circle of Life“ ist ein wichtiger Bestandteil des Rewilding – die Spurenelemente gehören dazu. Ein Vorschlag der Autor*innen: einen Teil des erlegten Schalenwilds im Revier belassen, statt die gesamte Biomasse zu entnehmen. Aasfresser könnten die enthaltenen Elemente wieder in der Fläche verteilen, Boden und Pflanzen sie aufnehmen, die Äsungsqualität sich verbessern. Auch die Rückkehr von Beutegreifern verändert, wo und wieviel Aas anfällt.
Voraussetzung bleibt ein Bodenmonitoring: Ohne Kenntnis der Ausgangswerte lässt sich weder ein Ungleichgewicht erkennen noch der Erfolg einer Maßnahme beurteilen. Wie groß diese Stoffflüsse tatsächlich sind, vorallem was die Zersetzung betrifft, ist bislang nicht bekannt.
Die original Studie in englischer Sprache finden Sie hier
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