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Dienstag, 25. August 2026

Scrollicon
Ein Fisch springt über einem dahinrauschenden Gewässer in die Luft
25. August 2026, 16:27    office@wildes-bayern.de

Was ein Wehr für einen Jungfisch bedeutet


Unsere Flüsse sind bereits hochgradig verbaut, und in Zeiten des Klimawandels kommen immer neue Wehre dazu. Zwar werden Fischtreppen und andere wildtierfreundliche Lösungen eingeplant, aber wie effektiv sind sie wirklich? In Nordirland haben sich Wissenschaftler in die Rolle von Junglachsen hinein versetzt und geprüft, wie diese mit Hindernissen auf ihrem Zugweg durch die Flüsse klarkommen.

Der Lebensweg des Atlantischen Lachses (Salmo salar) ist eine Reise zwischen zwei Welten: Er wird im Oberlauf von Flüssen geboren und verbringt dort die erste Zeit seines Lebens im Süßwasser. Als Jungfisch wandert er ins Meer und wächst im Salzwasser zum adulten Fisch heran. Zur Fortpflanzung kehrt er später wieder in seine Heimatgewässer zurück. Die aktuelle Studie hat untersucht, wie künstliche Hindernisse das Leben von insgesamt 400 einjährigen Jungfischen beeinflussten. Alle Fische befanden sich dabei in der Lebensphase, in der sie als „Parr“ bezeichnet werden – dem letzten Süßwasserstadium des Lachses, von dem aus er seine Wanderung Richtung Meer antritt.

V-Wehre kaum zu überwinden

Um die Bedingungen in den Gewässern realistisch abzubilden, wurden in Testbecken Barrieren aus Sandsäcken errichtet, die mit Steinen und Sand gefüllt waren. Die Studie zeigt, dass solche künstlichen Hindernisse den Lebensraum der Fische drastisch einschränken, indem sie ihre natürlichen Bewegungen im Flusssystem behindern. Unabhängig vom Design stellen solche Bauwerke ein erhebliches Problem dar. Sowohl moderne V-Wehre als auch klassische vertikale Wehre reduzieren die Mobilität der Junglachse im Vergleich zu hindernisfreien Gewässern signifikant. Diese Zerschneidung des Flusses erschwert den Zugang zu wichtigen Futterplätzen und sicheren Verstecken, was das Überleben der Fische stark beeinträchtigen kann.

Besonders schwer zu überqueren sind aber die sogenannten „V-Kerb-Wehre“, welche eine V-förmige Einkerbung in der Mitte haben. Diese Bauform konzentriert den Wasserfluss in der Mitte, was zu hohen Geschwindigkeiten und zu starken Turbulenzen führt. Für die einjährigen Lachse stellt das eine enorme Hürde dar, da sie normalerweise ruhigere Zonen in Ufernähe nutzen, um beim Aufwärtsschwimmen Energie zu sparen. Die Fische in der Studie waren an diesen V-Wehren deutlich seltener erfolgreich und benötigten wesentlich mehr Versuche für eine Überquerung als bei herkömmlichen, flachen Barrieren.

Angst und die Gefahr der Flucht

Die Wissenschaftler untersuchten auch, welchen Unterschied es macht, wenn an einem Wehr ein Fressfeind, wie ein Wasservogel, wartet – diese realistische Situation kann man auch an unseren heimischen Flüssen oft beobachten. In den Versuchen reagierten die Fische sehr empfindlich. Unter Stress sank die Wahrscheinlichkeit, dass die Jungfische sich einem Hindernis überhaupt näherten. Wenn sie trotzdem versuchten, die Hindernisse zu überqueren, geschah dies oft in einem panikartigen Sprint. Solch eine hastige Flucht ist gefährlich, da die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich die kleinen Fische an den harten Kanten der Bauwerke verletzen.

Konsequenzen für den Naturschutz

Die Studie zeigt die einschneidende Rolle von Bauwerken im Fluss. Die Bedürfnisse von Jungfischen müssen zwingend in die Planung eines erfolgreichen Flussmanagements einbezogen werden müssen. Es reicht nicht, erst dann naturschutzfachliche Maßnahmen zu ergreifen, wenn die Tiere wieder zurück in ihre Laichgründe schwimmen. Der effektivste Weg bleibt der Rückbau unnötiger künstlicher Hindernisse, da jede Barriere sowohl für junge als auch adulte Fische ein kräftezehrendes und mit Verletzungsgefahr verbundenes Überwinden bedeutet.

Wo ein Rückbau nicht möglich ist, müssen Lösungen gefunden werden, die auch schwächeren Jungfischen sichere Wege und Ruhezonen am Rand bieten. Nur durch einen vernetzten Lebensraum erhalten junge Lachse die Chance, unbeschadet zu ihrer großen Reise in den Ozean aufzubrechen.

MW mit KI

Die original Studie in englischer Sprache können Sie hier nachlesen

Bildquelle: Danny Moore/Pixabay.de




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