Seit Jahrzehnten flammt in Wiener Medien immer wieder der alarmierte Ruf auf, dass die Untere Lobau mehr Wasser braucht. Doch es scheint, dass die Behörden nicht reagiert haben. Ereignisse aus dem Februar 2026 lassen sogar den Verdacht aufkeimen, dass hinter ihrer Untätigkeit noch mehr stecken könnte.
Die Untere Lobau ist ein Auwaldbereich an der Donau, der sogar Teil des Nationalparks Donau-Auen und ein nach dem Ramsar-Abkommen international geschütztes Feuchtgebiet für Wat- und Wasservögel ist. Doch das selbst in Volksliedern viel besungene Naturjuwel trocknet immer mehr aus – und wir reden hier nicht allein von sommerlichen Hitzephasen! So titelte zum Beispiel die Kronenzeitung am 10.2.2026: „Trockenheit bleibt Öko-Dauerbrenner“.
Fischerei-Fachleute klagen jetzt die Stadt Wien an, diesen Wassermangel im Winter 2026 vorsätzlich und zumindest grob fahrlässig verursacht und damit Tierleid hervorgerufen zu haben. Ein bekannter Wiener Rechtsanwalt hat wegen der folgenreichen Unterdotierung der Lobau Anzeige gegen Unbekannt erstattet.
Fische waren nur noch auf teilweise verschlammte, restliche Flachwasserzonen angewiesen, wodurch auch ein Fischseuchenpotenzial verursacht wurde. Durch die kalten Temperaturen hatte sich Eis auf den viel zu geringen Wasserständen gebildet. Wahrscheinlich bildete sich darunter Faulgas, und die Fische sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit qualvoll erstickt und verendet. Auf Fotos sind bei allen Fischen ein weit aufgerissenes Maul und abgespreizte Kiemendeckel erkennbar. Dieses Syndrom ist als klassische Erstickungsstellung bekannt.
Könnten Fische schreien, wäre das Schmerzgebrüll aus der Unteren Lobau im gesamten 22. Bezirk Wiens zu hören gewesen.
Diese Entwicklung hätte den verantwortlichen Fachleuten der Stadt Wien längst bewusst sein müssen, weil von zahlreichen Fachleuten, oftmals auf die Gefahr für den Fischbestand durch die Unterdotierung der Unteren Lobau und den daraus resultierenden Wassermangel hingewiesen wurde.
Die verendeten Fische aus der Unteren Lobau wurden laut Zeugenaussagen im Eilverfahren und offenbar ohne jede Prüfung auf etwaige Fischseuchen durch Amtstierärzte entsorgt, was es unmöglich macht, ein mögliches Fehlverhalten der Behörden auch nachzuweisen.
Die Sache hat noch einen pikanten Haken: Beim Großteil der verendeten Fische handelte es sich um die Art Tolstolob. Der Tolstolob ist nicht heimisch, gilt in Europa als Neozoon und hat in solchem Übermaß in einem Nationalparkgewässer nichts zu suchen. Aufgrund der in Österreich herrschenden niedrigen Wassertemperaturen pflanzt sich diese fernöstliche Art in der Lobau auch nicht fort. Was hat also diese invasive Art in einem Nationalparkgewässer zu suchen, wer hat diese offenbar rechtswidrig besetzt, und warum wurde sie nicht vorher ausgemerzt?
Weitere Infos zum Gewässerzustand in der Unteren Lobau finden Sie zum Beispiel hier
Bildquelle: Symbolfoto: Lubos Houska/Pixabay
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