Wenn wir an Tierwanderungen denken, stellen wir uns meist Gnus vor, die über die Serengeti donnern, oder Vogelschwärme aus Störchen oder Schwalben, die Kontinente überqueren; selbst an die Wanderungen von Walen in den Ozeanen mögen wir denken. Eher vergessene Wanderrouten liegen jedoch in den Flüssen unserer Erde. Unter der Wasseroberfläche der weltweiten Flüsse spielt sich ein stiller, verzweifelter Kampf ab.
Ein kürzlich veröffentlichter, von den UN unterstützter Bericht, das „Global Assessment of Migratory Freshwater Fishes“ (Globale Bestandsaufnahme wandernder Süßwasserfische), enthüllt, dass unsere Unterwasserwanderer vor einem katastrophalen weltweiten Rückgang stehen. Dies lässt sich in den meisten großen Wasserwegen vom Amazonas bis zur Donau beobachten. Es ist eine bislang unerkannte Krise, die dringend unsere Aufmerksamkeit erfordert.
Süßwasserfische gehören zu den am stärksten bedrohten Wirbeltieren des Planeten. Obwohl sie etwa die Hälfte der gesamten Fischvielfalt ausmachen, verschwinden sie in einem erschreckenden Tempo.
Den Giganten der Flüsse ist es besonders schlecht ergangen, ihre weltweiten Populationen sind seit 1970 zusammengebrochen. Im Jahr 2022 wurde der Schwertstör offiziell für ausgestorben erklärt und ist damit der erste Fisch, der unter dem Schutz des internationalen Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS) stand und für immer verloren ging.
Der Bericht nennt nicht nur einen, sondern viele Gründe, warum dies durch menschliche Aktivitäten geschieht:
Eine der größten Herausforderungen bei der Rettung dieser Arten ist, dass Flüsse keine nationalen Grenzen kennen. Zum Beispiel vollbringt der Dorado-Wels aus dem Amazonasgebiet eine gewaltige Wanderung von über 11.000 Kilometern von den Anden bis zum Atlantik. Wenn ein Land den Fisch schützt, aber das Nachbarland einen Staudamm baut, leidet die gesamte Population.
Wir müssen jedoch nicht bis zum Amazonas schauen, um zu sehen, wie sich diese Krise entfaltet. Sie findet auch direkt hier in den Flüssen Bayerns statt.
Der UN-Bericht hebt speziell das Einzugsgebiet der Donau als eine globale Prioritätsregion hervor, in der sofortiges kooperatives Handeln erforderlich ist. Jahrhundertelang wimmelte es in unseren bayerischen Flüssen – Donau, Isar, Inn und Lech – von wandernden Arten, die sich frei zwischen Hauptflüssen, Laichplätzen in den Nebenflüssen und Flussauen bewegten. Heute haben historische Begradigungen, Tausende von Wehren, Wasserkraftwerke und veränderte Sedimentflüsse diese gemeinsamen Gewässer stark zerschnitten.
Die UN-Bewertung hebt mehrere ikonische heimische Arten hervor, die in großer Gefahr schweben:
Der UN-Bericht skizziert einen klaren Weg in die Zukunft für Systeme wie die Donau und betont, dass die Erholung von der Wiederherstellung der Durchgängigkeit abhängt. Um Arten wie dem Huchen und der Nase hier in Bayern eine Chance auf Erholung zu geben, muss der Fokus auf drei Hauptpfeilern liegen:
Die Wanderungen unserer Süßwasserfische haben Millionen von Jahren überdauert. Dieser globale Bericht ist eine eindringliche Erinnerung daran, dass die Gesundheit der weltweiten Flüsse, und auch unserer bayerischen Gewässer, davon abhängt, dass wir diesen unglaublichen Arten den Raum und die Freiheit geben, die sie zum Gedeihen brauchen.
UC und KI
Die original Studie finden Sie hier
Einen Bericht aus dem englischen Guardian zu diesem Thema finden Sie hier
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