Blogpost
Montag, 04. August 2025

Scrollicon
Ratte im Gras
04. August 2025, 14:46    office@wildes-bayern.de

Rattengift killt Nahrungsketten – geht das nicht besser?


Anlässlich einer neuen Studie hat das Umweltbundesamt darauf aufmerksam gemacht, dass Rattengift längst nicht nur Ratten tötet. Der Wirkstoff, der die Blutgerinnung hemmt und letztlich zum Tod durch innere Blutungen führt, wurde auch in zahlreichen anderen Organismen am und im Wasser nachgewiesen: Rotkehlchen, Spitzmäuse, Rotmilane, Füchse, wildlebende Fische aus Donau, Rhein, Mosel und Elbe, aber auch Fischotter, Kormorane und Gänsesäger. Der Grund liegt darin, dass am Wasser oder in der Kanalisation ausgebrachte Köder sich im Wasser lösen und so das Gift freisetzen.

Aktuell werden die Zulassungen der so genannten Rodentizide (Nagergift) EU-weit überprüft und dabei schon einige Schrauben angezogen (die Köder sollen künftig in absolut wasserdichten Stationen ausgebracht werden). Das UBA mahnt aber dringend an, das Rattenmanagement speziell in Städten müsse nachhaltiger werden. Das sehen wir genauso. Unsere Devise lautet: Müll vermeiden statt Ratten killen!

Die Wanderratte oder Braune Ratte stammt aus Nord-China und war früher ein Bewohner von Wäldern und Buschland – heute ist sie fast nur noch im Umfeld von Menschen, besonders in Städten vorkommend. Sie kann eine Fülle verschiedener Lebensräume nutzen, wobei sie eine Vorliebe für feuchte und wassernahe Habitate zeigt. Da sie auch in ihrer Ernährung nicht wählerisch ist, kann sie vor allem in städtischen Kanalsystemen, Lagerräumen, Mülldeponien und Tierhaltungen optimale Lebensbedingungen vorfinden. Typisch für eine soziale Tierart entwickeln sich innerhalb eines Rudels Traditionen für bestimmte Verhaltensweisen und die Art und Weise, wie sie ihren Lebensraum nutzen. Wanderratten schwimmen und tauchen gut, sind aber weniger geschickte Kletterer wie die früher häufiger vorkommenden Hausratten, die vor allem in Getreidespeichern und Dachstühlen leben.

Wanderratten in Städten profitieren von vielfältigen Nahrungsangeboten, unter anderem wegen mangelhafter Abfallwirtschaft und altem Kanalisationssystem. Grundsätzlich ist das Nahrungsangebot (Abfall) der wichtigste Faktor für ihr Vorkommen. Eindeutig positiv wirken außerdem:

  • Bausubstanz und Pflege der Gebäude
  • Anzahl der Restaurants
  • Art der Kanalisation
  • Sozioökonomischer Status der Bevölkerung
  • Populationsdichte (der Menschen)
  • Angebot von undurchdringlichen Flächen (Gestrüpp)

Hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten, Ratten einzudämmen, indem man ihnen die Nahrungsgrundlage und den Rückzugsraum entzieht. Gift sollte eigentlich am besten NIE eingesetzt werden, in jedem Fall aber nur als allerletzte Lösung.

Mehr Infos zu der Studie und der Kampagne des Umweltbundesamts findet Ihr hier

Bildquelle: Ivabalk/Pixabay




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Der Große Brachvogel und der armselige Wiesenbrüterschutz

Nettes Online-Kinderbuch zur Kitzrettung

Was ein Wehr für einen Jungfisch bedeutet

Richtiges Weidetier-Management: Wichtig für unsere Wiesenbrüter

Jetzt noch anmelden: 19. September Artenschutztag im Steinwald!

VLAB erreicht Ausgleich statt Ablasshandel bei Windradbau

Gänsegeier plünderte Storchennest – Nahrungsnot?

Unbändige Hitze – Wasser für Tiere nötig!

Fischotter – weit mehr als ein Problemfall

Lesetipp für den Sommer: Naturschutz und Landschaftsplanung

Europäische Sumpfschildkröten kehren nach Hessen zurück

UPDATE Verstümmelte Kitze: Staatsanwalt verweigert die Arbeit – Ermittlungen eingestellt!

Fischsterben in der Wiener Lobau – Anzeige gegen Behörden

Was Hitze mit dem Lebensraum See macht

Jetzt Petition für besseren Umgang mit Schalenwild in Thüringen unterzeichnen!

Vorbildliches Bündnis naturschützender Verbände in Herborn

Internationales Jahr für Beweidung und Hirtentum * Veranstaltungen

Niederösterreich: Polizei soll verletzte Wildtiere töten

Was kostet die KI unsere Umwelt?

Wenn der Weg das Ziel ist – was Staudämme mit Flussfischen machen

Zum Tag der Wanderfische: Mehr Schutz durch die Bonner Konvention!

Zoos wollen mehr für heimischen Artenschutz tun

Vorträge zu „Naturschutzbeweidungen im Wald“ jetzt online

Videotipp: Der Bach, der Wald – und der Filmer Jan Haft

Wie der Klimawandel den „Herzschlag“ der Seen stoppt UPDATE

Urteil: Windkraftanlagen im Vogelschutzgebiet rechtswidrig

Der stille Kollaps: Was die globale Fischkrise für Bayerns Flüsse bedeutet

Konflikte kreativ lösen: Die Biber-Praxisfibel

Eichhörnchen – Daten sammeln und helfen!

Kreuzottern – jetzt gut darauf achtgeben!






Aktuelle Informationen



Stephensonplatz – Petition gegen Verbauung eines Grünzugs Am Stephensonplatz in Altperlach in München soll eine neue Seniorenanlage mit medizinischer Versorgung und weiteren Angeboten entstehen – das ist…

Freitag, 25. September 2026
Jetzt lesen
Wettbewerb: Wer fotografiert das dickste Murmeltier? Es ist wieder so weit: Die Murmeltiere haben sich ordentlich Winterspeck angefuttert und bereiten sich langsam auf ihren wohlverdienten Winterschlaf…

Donnerstag, 24. September 2026
Jetzt lesen
25. September Vortrag zu Windkraft und Heimat Am 25. September um 18.30 Uhr lädt die Initiative "Gegenwind Altötting" zu einem Informationsvortrag mit Josef Erhard, Förster a. D.…

Donnerstag, 24. September 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden