Blogpost
Donnerstag, 10. April 2025

Scrollicon
Eine Hand hält einen jungen Barsch
10. April 2025, 17:43    office@wildes-bayern.de

Woran sterben die Fische im Bodensee?


Erst Anfang April war in der Presse wieder von einem Fischsterben im Bodensee zu lesen, wegen dem viele Berufsfischer ihre Arbeit aufgeben. Tatsächlich aber sind die Verhältnisse in diesem riesigen Voralpensee wesentlich komplexer. Zwei Forschungsprojekte haben vor einigen Jahren sowohl die Fischbestände und ihre Zusammensetzung untersucht, als auch die Faktoren, die darauf Einfluss haben. Dabei kam unter anderem heraus, dass sowohl das Nährstoffregime im See wie auch invasive Neozoen und natürlich der Klimawandel Auswirkungen zeigen. Allerdings geht es bei den Wechselwirkungen hin und her, und nicht alles, was auf den ersten Blick positiv oder negativ zu sein scheint, wirkt sich dann auch so aus.

Viele Speisefischbestände im Bodensee, darunter die der Barsche oder der Felchen, hängen offenbar stark vom Regime des Phosphors ab. Hält man ungewollte Nährstoffeinträge, zum Beispiel aus der Landwirtschaft, draußen, sinken die Zahlen dieser Arten. Natürlicherweise war der Bodensee aber immer ein nährstoffarmer See – die Felchen erlebten erst mit der Einschwemmung von Dünger ihre Hochphase, die aber bei dauerhaft hohen Phosphatwerten wiederum einbrach. Aktuell sind sie auf einem alarmierenden Tiefstand.

Auch ein Neubürger, der Stichling, hat Einfluss auf die Felchen, weil er sie als Larven und Jungfische erbeutet. Das Forschungsprojekt „Projet Lac“, das die Fische 2014 genauer erfasste, stellte zum Beispiel fest: „Bis auf den Kilch, eine Tiefseeart des Felchens, konnten alle historisch bekannten Fischarten nachgewiesen werden, auch die zwischenzeitlich etablierten gebietsfremden Arten. Auch eine verschollene Fischart, der «Tiefseesaibling», konnte wieder nachgewiesen werden. Im Freiwasser des Sees waren aber Stichlinge plötzlich mit 96% aller Fischindividuen die zahlenmäßig häufigsten Fische.“

Auch der Kormoran und die eingeschleppte Quagga-Muschel sind wichtige Einflussfaktoren auf die Bodenseefauna. Das große Fressen und Gefressen Werden im See ist aber so komplex, dass selbst die Wissenschaftler auf die „multifaktoriellen“ Probleme nicht unbedingt Antworten haben…

Den spannenden vollständigen Bericht aus den Projekten Seewandel und Projet Lac findet Ihr hier

Bildquelle: Symbolbild Barsch: Robin Strozyk auf Pixabay




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Zoos wollen mehr für heimischen Artenschutz tun

Vorträge zu „Naturschutzbeweidungen im Wald“ jetzt online

Auen und Weidetiere – eine fruchtbare Symbiose

Videotipp: Der Bach, der Wald – und der Filmer Jan Haft

Wie der Klimawandel den „Herzschlag“ der Seen stoppt UPDATE

Ein Managementplan für Stadtbienen

Wespenspinne: Rasante Verbreitung durch Anpassung

Forschungsprojekt: Verbiss gegen Feuer und für die Vielfalt

US-Studie zur Nutztierhaltung: Keiner will das

Urteil: Windkraftanlagen im Vogelschutzgebiet rechtswidrig

Eichhörnchen in der Stadt – besser oder schlechter dran?

Hummeln, die heimlichen Rock´n Roller

Rehkitze markieren bringt wichtige Daten UPDATE

Junge Rotmilane mögen Schlaf-WGs

Biber – die besten Helfer der Biodiversität

Katzen halfen beim Mäusemonitoring Schweiz

Katastrophe am Gewässergrund: Massensterben von Muscheln

Der stille Kollaps: Was die globale Fischkrise für Bayerns Flüsse bedeutet

Konflikte kreativ lösen: Die Biber-Praxisfibel

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Internationales Jahr für Beweidung und Hirtentum

Eichhörnchen – Daten sammeln und helfen!

Kreuzottern – jetzt gut darauf achtgeben!

Was bringt der Biber?

protectAlps: Schlechte Neuigkeiten für alpine Insekten

Online-Seminar zu ökologischem Verhalten

Ohne Wildschweine weniger Artenvielfalt UPDATE

Soziale „Revolution“ bei Pavianen in Kenia

Über unser Verhältnis zu Behörden….

Schmelzendes Eis: Nicht alle Eisbären leiden gleichermaßen






Aktuelle Informationen



Zum Weltbienentag: Buch- und Bautipps und mehr Am 20. Mai ist der Welt-Bienentag! Die Deutsche Wildtier Stiftung wie auch Wildes Bayern richten ihr Augenmerk dabei explizit auf…

Dienstag, 19. Mai 2026
Jetzt lesen
UPDATE: Über 150 Verbände fordern mehr Unterstützung für Beweidung Mehr als 80 Verbände aus dem Bereich der Grünlandbewirtschaftung und des Landschaftsschutzes, darunter auch der Deutsche Verband für Landschaftspflege, die…

Dienstag, 19. Mai 2026
Jetzt lesen
HEUTE NACHMITTAG Online-Vortrag zu Wildtieren in der Stadt Heute von 15 bis 17 Uhr bietet die Akademie des Deutschen Jagdverbands wieder einen Online-Vortrag an! Thema: „Wildtiermanagement im Siedlungsraum…

Dienstag, 19. Mai 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden