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Dienstag, 21. Juli 2026

Scrollicon
Ein weißes Hermelin schaut zwischen Schnee und freigeschmolzenem braunem Gras aus seinem Bau heraus
21. Juli 2026, 11:28    office@wildes-bayern.de

Das Hermelin – im Klimawandel bald gefährdet?


Das Hermelin gehört zu den faszinierendsten Bewohnern unserer Landschaft. Im Winter trägt es sein charakteristisches weißes Fell, das ihm perfekte Tarnung im Schnee bietet. Doch genau diese Anpassung könnte ihm künftig zum Verhängnis werden. Eine aktuelle Studie italienischer Forschender zeigt, dass der Klimawandel die Lebensbedingungen des Hermelins in den Alpen erheblich verschlechtern könnte – und zwar gleich auf mehreren Ebenen.

Weniger Schnee – schlechtere Tarnung 

Für das Hermelin ist Schnee weit mehr als eine schöne Winterlandschaft. Sein Fell wechselt unabhängig von der tatsächlichen Schneelage von Braun auf Weiß. Bleibt der Schnee jedoch aus oder schmilzt immer früher, wird aus der perfekten Tarnung ein auffälliger Nachteil. Weiße Hermeline auf braunem Untergrund sind für Greifvögel und andere Feinde deutlich leichter zu entdecken. Die Studie bestätigt, dass die Dauer der Schneebedeckung der wichtigste Faktor für die Verbreitung des Hermelins in den italienischen Alpen ist. Gemeinsam mit der Verfügbarkeit seiner wichtigsten Beute erklärt sie mehr als 64 Prozent der Unterschiede in der vorhergesagten Lebensraumeignung.

Der wichtigste Beutegreifer der Schneemaus 

Neben dem Schnee spielt auch die Schneemaus eine entscheidende Rolle. Sie lebt in felsigen Hochgebirgshabitaten und stellt die wichtigste Beute des Hermelins in den italienischen Alpen dar. Je geeigneter ein Gebiet für Schneemäuse ist, desto wahrscheinlicher kommt dort auch das Hermelin vor. Interessanterweise sagen die Modelle voraus, dass sich die Schneemaus unter zukünftigen Klimabedingungen sogar ausbreiten könnte. Das bedeutet jedoch nicht automatisch bessere Bedingungen für das Hermelin. Der Verlust geeigneter Schneeverhältnisse scheint den positiven Effekt eines größeren Beuteangebots deutlich zu überlagern.

Lebensraum schrumpft deutlich 

Mithilfe moderner Verbreitungsmodelle berechneten die Forschenden, wie sich die Lebensräume bis zum Jahr 2100 entwickeln könnten. Je nach Klimaszenario könnte das geeignete Verbreitungsgebiet des Hermelins um rund 15 bis 36 Prozent schrumpfen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stützen sich dabei auf die Standard-Modelle des Weltklimarats (IPCC): Gehen sie von einem mittleren bis hohen künftigen Treibhausgasausstoß aus (dem sogenannten SSP3-7.0-Szenario), schrumpft der Lebensraum um 15 Prozent. Bei einem ungebremsten, sehr hohen Ausstoß (SSP5-8.5) sind es sogar 36 Prozent. Gleichzeitig verschiebt sich sein Lebensraum immer weiter nach oben in höhere Lagen – dort, wo die Schneebedingungen noch ausreichend lange erhalten bleiben. Doch genau darin liegt das Problem: Irgendwann endet jeder Berg. Arten, die bereits heute in Hochlagen leben, können dem Klimawandel nur begrenzt nach oben ausweichen.

Das Hermelin als Frühwarnsystem 

Die Autorinnen und Autoren schlagen deshalb vor, das Hermelin künftig stärker als Indikatorart für die Auswirkungen des Klimawandels im Hochgebirge zu nutzen. Seine enge Bindung an Schneebedeckung, seine Spezialisierung auf alpine Beutetiere und seine schnelle Reaktion auf Umweltveränderungen machen es zu einem wertvollen “Frühwarnsystem” für Veränderungen in alpinen Ökosystemen.

Mehr Monitoring notwendig 

Obwohl das Hermelin in Italien derzeit noch als “nicht gefährdet” gilt, könnten die prognostizierten Veränderungen eine Neubewertung seines Schutzstatus erforderlich machen. Die Forschenden empfehlen langfristige Monitoringprogramme sowie den verstärkten Einsatz moderner Erfassungsmethoden und Citizen Science, um Bestandsentwicklungen frühzeitig erkennen zu können. 

Die Studie macht deutlich, dass der Klimawandel nicht nur einzelne Arten betrifft, sondern ganze ökologische Beziehungen verändert. Beim Hermelin treffen gleich zwei Entwicklungen zusammen: Der Verlust der schützenden Schneedecke und Veränderungen in der räumlichen Verteilung seiner Beutetiere. Das kleine Raubtier könnte damit zu einem der ersten sichtbaren Verlierer des Klimawandels in den Alpen werden – und gleichzeitig zu einem wichtigen Botschafter für den Schutz hochalpiner Lebensräume.

MW

Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier

Bildquelle: 8070548-ermine-4829236, N.N./pixabay.de




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