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Dienstag, 01. September 2026

Scrollicon
Auf dem Rand eines grünen Blattes sitzt ein längliches, netzflügeliges Insekt
01. September 2026, 12:46    office@wildes-bayern.de

Wie ein hässlicher Räuber zur Fee wird


Hier kommt mal wieder eine Art zum Staunen: Der Ameisenlöwe – besser gesagt, die ziemlich hässliche, räuberische und listige Larve der filigranen Ameisenjungfer.
Vor weißem Hintergrund ein braunes, käferartiges Wesen mit großen Beißzangen, kleinen Vorder und größeren Mittelbeinen.

Ameisenlöwe

Aus Sicht der Nachhaltigkeit betrachtet, ist ein Ameisenlöwe ein unglaublicher Held: Alle Überreste dessen, was er in den zwei Jahren seiner Existenz frisst, speichert er in seinem Körper und verwendet einen Großteil davon später für die Seide, aus der er seinen Kokon spinnt, in dem er sich verpuppt. Aber auch sonst ist dieses Vorstadium eines Insekts mehr als erstaunlich, wie das Artenschutzzentrum Bayern kürzlich in einem Porträt dartstellte.

Die ca. 1,5 Zentimeter großen Ameisenlöwen haben die schmutzigbraune Farbe von Sand und Erde, wo sie auch leben. Seine perfekte Tarnung, manchmal verstärkt durch klebengebliebene Dreckkörnchen, nutzt das rundliche Tier mit den kräftigen Beißzangen für ihre Jagd auf Ameisen, kleine Spinnen oder Tausendfüßer. Die Larve baut dazu im sandigen Boden einen circa drei Zentimeter tiefen Trichter – also eine richtige Löwengrube. Der Sand, den sie mit den Zangen aushebt, fliegt bis zu 30 Zentimeter weit!

Beutetiere, die in die Grube geraten, rutschen aufgrund des lockeren Substrats zum Trichtergrund, wo der Ameisenlöwe mit seinen kräftigen Kieferzangen wartet und ihnen ein lähmendes Gift injiziert. Im Anschluss saugt er die Beute aus. Die Hülle wird wieder aus dem Trichter geschleudert, so dass man manchmal rund um die Erdtrichter noch Leichenteile finden kann. Die Lauerjäger sind extrem geduldig und zäh: Sie können zur Not mehrere Monate unbeschadet ohne Nahrung oder Wasser überleben.

Ameisenlöwen bauen ihre Trichter bevorzugt an sonnenbeschienenen und vor Regenfällen geschützten Arealen, wie Sandabbrüchen, Höhleneingängen, Sohlen von Felsüberhängen, unter Wurzeln, an Hausmauern und unter Gartenbänken. Regen und Nässe dürfen dort nicht hinkommen, weil Wasser den Sand zusammenkleben lässt und das die ganze Löwengrube außer Funktion setzen würde.

Schwer vorstellbar, dass sich aus diesem erdbraunen, klumpigen Räuber nach zwei Jahren die filigrane Ameisenjungfer entwickelt. Aber auch sie lebt von anderen Insekten, die sie vor allem in der Dämmerung und nachts im Flug erbeutet. Nektar und Pollen sind eher nur Beilage.

Obwohl die Ameisenjungfern die artenreichste und am weitesten verbreitete Gruppe innerhalb der Netzflügler darstellen, kommen in Mitteleuropa nur neun Arten vor. Am häufigsten sind die Gemeine Ameisenjungfer (Myrmeleon formicarius) und die Gefleckte Ameisenjungfer (Euroleon nostras). Die Arten leiden allerdings unter der Zerstörung ihrer Lebensräume, wie Trockenbiotopen, unter Bodenverdichtung sowie der Verbuschung und dem Zuwachsen von sandigen Offenlebensräumen.

Wer Ameisenjungfern und ihre Larven unterstützen möchte, sollte regengeschützte, sonnige sowie sandige Bereiche am Haus oder im Garten erhalten oder gezielt anlegen. Dort lassen sich dann häufig zügig die charakteristischen Trichter der Ameisenlöwen beobachten. Da sie in ihrer Lebensspanne viele Ameisen einsammeln, sollte man Ameisen nie mit Gift behandeln!

Bildquelle: Amada44, Samuel Stone/Pixabay.de




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