Blogpost
Dienstag, 07. Oktober 2025

Scrollicon
Eine dicht bewachsene Ackerfläche mit Phacelia, Kreuzblütlern u. a.
07. Oktober 2025, 10:11    office@wildes-bayern.de

Insekten brauchen mehr und verlässliche Lebensräume


Eine Studie der Universtität Freiburg zeigt, dass Insekten in der Agrarlandschaft deutlich mehr Lebensraum brauchen als die derzeit von der EU angepeilten zehn Prozent. Für alle untersuchten Arten gab es einen klaren Zusammenhang: Je mehr natürlicher Lebensraum vorhanden ist, desto mehr Bestäuber gibt es in landwirtschaftlichen Gebieten. Die Wissenschaftler schlagen deshalb vor, Landwirte gezielt für langfristige Maßnahmen zu fördern.

Der Insektenschutz in unserer Agrarlandschaft konzentriert sich aktuell stark auf vorübergehende Maßnahmen auf kleinen Flächen, wie beispielsweise Blühstreifen entlang von Feldern. Laut den Studienautoren haben frühere Untersuchungen  gezeigt, dass dies zwar zu einem Anstieg der Insekten- und Bestäuberpopulationen führt, aber nur vorübergehend.

Um wirklich einen Unterschied zu machen, sollten LandwirtInnen für die Schaffung und den langfristigen Unterhalt von natürlichen Lebensräumen belohnt werden, schlagen sie vor – idealerweise für mindestens 20 Jahre, denn dies bietet LandwirtInnen Sicherheit und gewährleitet einen größeren Nutzen für Bestäuber.

Die Mindestflächenanteile für den Erhalt von Populationen unterschieden sich dabei zwischen den Artgruppen. Für stabile Bestände von Schwebfliegen genügt es, wenn sechs Prozent der Flächen natürliche und halb-natürliche Lebensräume bieten, während Schmetterlinge ganze 37 Prozent benötigen. Die für die Bestäubung von Nutzpflanzen besonders wichtigen Wildbienen und Hummeln brauchen 16 bis 18 Prozent natürliche Flächenanteile. Diese Mindestwerte für das Populationswachstum liegen höher als die meisten politischen Vorgaben.

Ist eine Vergrößerung der naturnahen Flächen nicht möglich, sind deutliche Verbesserungen der Habitatqualität – das heißt vor allem mehr und vielfältigere Blütenpflanzen – notwendig, um vergleichbare positive Effekte zu erzielen.

So konnten die Forschenden zeigen, dass in Lebensräumen mit mehr Blütenpflanzen mehr Bestäuber vorkommen als in Gebieten mit wenig Blüten. Doch es reicht eben nicht aus, Bestäubern nur Blüten, also Nahrung, anzubieten, ohne ihnen einen dauerhaften Wohnort zum Nisten und Überwintern zu geben. Zudem hat die Verbesserung der Lebensraumqualität nur anfangs einen starken positiven Effekt auf die Insektenpopulationen; dieser flacht bei weiteren Verbesserungen ab. Deshalb sei es besser, zunächst die Fläche natürlicher Lebensräume zu vergrößern, statt viele kleine Lebensräume zu bewirtschaften – auch wenn sie viele Blüten enthalten.

Die Pressemitteilung zu der Untersuchung mit Link zur Studie finden Sie hier

Einen Bericht über die Studie in der Zeitschrift Naturschutz und Landschaftsplanung online finden Sie hier




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Vormerken: 4. November Onlinevortrag Lebensraum-Fragmentierung

Der Große Brachvogel und der armselige Wiesenbrüterschutz

Glockenblumen im Garten als Augen- und Bienenweide

Wasserkäfer: Von Profi-Tauchern und U-Booten

Wie ein hässlicher Räuber zur Fee wird

Richtiges Weidetier-Management: Wichtig für unsere Wiesenbrüter

Insektenfreundliche Mahd – was wirkt wie? UPDATE

Das geheime Leben der „Solitärbienen“

Jetzt noch anmelden: 19. September Artenschutztag im Steinwald!

VLAB erreicht Ausgleich statt Ablasshandel bei Windradbau

Ausstellungstipp: Facettenreiche Insekten in Darmstadt

Mehrjährige Grashalme als Hotspots der Insektenvielfalt

Unbändige Hitze – Wasser für Tiere nötig!

Lesetipp für den Sommer: Naturschutz und Landschaftsplanung

Fledermäuse: Lautlose Schädlingsbekämpfer auf unseren Äckern

Europäische Sumpfschildkröten kehren nach Hessen zurück

UPDATE Verstümmelte Kitze: Staatsanwalt verweigert die Arbeit – Ermittlungen eingestellt!

Das Hermelin – im Klimawandel bald gefährdet?

Was Hitze mit dem Lebensraum See macht

Jetzt Petition für besseren Umgang mit Schalenwild in Thüringen unterzeichnen!

Vorbildliches Bündnis naturschützender Verbände in Herborn

Internationales Jahr für Beweidung und Hirtentum * Veranstaltungen

Seminar zu insektenfreundlichem Mähen in der Landschafts- und Grünpflege

Wilde Gärten – die Vielfalt vor der Haustür

Buchtipp: Von Pflanzen, die sich mögen & Tieren, die uns helfen

Nicht alle Insekten sind der Stadt gewachsen

Zum Weltbienentag: Buch- und Bautipps und mehr

Neue Kinderkarte: Die Welt erkunden anhand ihrer Wale

Zoos wollen mehr für heimischen Artenschutz tun

Vorträge zu „Naturschutzbeweidungen im Wald“ jetzt online






Aktuelle Informationen



Blauzungenkrankheit – von Kollateralschaden und Wächter-Arten Die Gamsbrunft naht, und wer in dieser Zeit Glück und ein gutes Spektiv hat, kann erregte Gamsböcke beobachten, die mit…

Freitag, 02. Oktober 2026
Jetzt lesen
UPDATE Ausbau an Fellhorn & Co.: Liftbau schreitet voran Hier mal ein kleines Update in Sachen Scheidtobelbahn am Fellhorn im Oberallgäu – wir erinnern uns, das war die geplante…

Donnerstag, 01. Oktober 2026
Jetzt lesen
Weidesymposium verabschiedet grundlegende Erklärung Vom 18. bis 20. September 2026 kamen rund 200 Menschen – darunter auch Vertreter von Wildes Bayern – auf Schloss…

Donnerstag, 01. Oktober 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden