Blogpost
Montag, 27. Juli 2026

Scrollicon
Abendroter Himmel mit grauen Wolkenfetzen, davor schwebt eine Fledermaus
27. Juli 2026, 13:04    office@wildes-bayern.de

Fledermäuse: Lautlose Schädlingsbekämpfer auf unseren Äckern


In der heutigen Landwirtschaft dreht sich viel um neue Pestizide, moderne Maschinen und Düngeregeln. Dabei geraten wertvolle natürliche Helfe, wie die Fledermausart Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), oft völlig in den Hintergrund. Eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und der Universität Potsdam zeigt nun am Beispiel der Uckermark, dass diese nachtaktiven Jäger regelmäßig Insektenarten erbeuten, die als Agrar- und Forstschädlinge bekannt sind. Die Studie macht deutlich, wie eng eine produktive Landwirtschaft mit dem Erhalt naturnaher Lebensräume verbunden sein kann.

Schädlinge auf dem Speiseplan

Über die Analyse von Insekten-DNA im Fledermauskot identifizierte das Forschungsteam insgesamt 295 verschiedene Insektenarten. 67 (rund 23 Prozent) davon sind als Schadinsekten bekannt. Darunter waren 28 Agrarschädlinge, 20 Forstschädlinge und 19 Arten, die Krankheiten übertragen können. Besonders häufig fanden sich unter den Beutetieren der Feldmaikäfer, die Wiesenschnake oder der Gerippte Brachkäfer. Alle drei können in bestimmten Entwicklungsstadien Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen verursachen.

Zwischen Äckern und Natur

Über einen Zeitraum von drei Jahren stattete das Forschungsteam insgesamt 128 Große Abendsegler mit winzigen Sendern aus. So konnte man nachvollziehen, wo sich die Fledermäuse während ihrer nächtlichen Flüge aufhielten, und welche Landschaftsbereiche sie zur Jagd nutzten. Dabei fanden die Forschenden heraus, dass über die Hälfte der Jagdflüge über landwirtschaftlichen Ackerflächen stattfanden, jedoch machten diese Felder im Untersuchungsgebiet fast 95 Prozent der Gesamtfläche aus. Gemessen an dieser riesigen Fläche mieden die Tiere reine Monokulturen verhältnismäßig stark. Ein möglicher Grund dafür ist, dass das Nahrungsangebot über intensiv bewirtschafteten Agrarflächen durch den Einsatz von Pestiziden häufig geringer ist. Naturnahe Lebensräume scheinen den Fledermäusen dagegen zuverlässiger Nahrung zu bieten.

Die Bedeutung naturnaher Refugien

Damit die Fledermäuse ihre Rolle als Schädlingsbekämpfer überhaupt wahrnehmen können, brauchen sie gut gefüllte Energiespeicher. Diese finden sie in den verbliebenen naturnahen Landschaftselementen, wie Tümpeln, Söllen, kleinen Wäldern oder naturbelassenen Wiesen. Besonders deutlich wird die Bedeutung dieser Lebensräume, wenn man ihre geringe Fläche berücksichtigt. Die Gewässer zum Beispiel machten nur etwa 0,5 Prozent der Fläche aus, wurden aber zu 14 Prozent als Jagdorte genutzt. Auch Grasland und Wald wurden im Verhältnis zu ihrer geringen Flächengröße überproportional häufig aufgesucht.

Die Ergebnisse zeigen, dass Große Abendsegler einen potenziell wichtigen Beitrag zur natürlichen Schädlingskontrolle leisten können. Dieser könnte womöglich noch höher sein, wenn wir die Ackerflächen nicht mithilfe der Pestizide „unattraktiv“ machen würden. Der Erhalt der Leistung der Fledermäuse hängt so jedenfalls davon ab, dass wir kleine, naturnahe Landschaftsinseln erhalten und schützen und uns damit die kostenlose Unterstützung dieser lautlosen Jäger sichern.

MW mit Unterstützung von KI

Die original Studie in englischer Sprache finden Sie hier




Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.






Weitere Beiträge zu diesem und verwandten Themen finden Sie hier:

Tschernobyls Rinder – back to the roots

Weideprämie gestrichen – was Bürokratieabbau wirklich meint

Späte Mahd erhält mehr Insekten

Allmende – Weiden für unser aller Artenvielfalt

Vormerken: Online-Seminar zur Wiedervernässung

UPDATE: Über 150 Verbände fordern mehr Unterstützung für Beweidung

Tausend Füße brauchen einen Ausweg

Seminar zu insektenfreundlichem Mähen in der Landschafts- und Grünpflege

Kitze zermäht – mehrere Anzeigen gegen Landwirte

Kitzrettung Wildes Bayern – Update

Nicht alle Insekten sind der Stadt gewachsen

Zum Weltbienentag: Buch- und Bautipps und mehr

Jetzt noch anmelden: Tagung zu Bestäubern in der Agrarlandschaft

US-Studie zur Nutztierhaltung: Keiner will das

Heute ein Stündchen Schmetterlings-Webinar

HEUTE Online-Vortrag zur wildtierschonenden Mahd und Mähknigge

Konflikte kreativ lösen: Die Biber-Praxisfibel

Fatal attraction: Windkraftanlagen als Magnet für Fledermäuse

Walzverbot gelockert: Für Märzhasen und Gelege der Tod

Wählen Sie Ihr Gartentier des Jahres!

Gänsestudie: Fressen ist wichtiger als fürchten

Buchtipp: Spannender Einblick ins komplexe Wesen des Huhns

Wie Pflanzenschutzmittel das Leben im Boden schädigen

Erstmals Vogelgrippe bei Kuh in Europa entdeckt

Die Masse an Insekten schrumpft, weil Arten verschwinden

Rapsfelder – nur in Maßen gut für die Natur

Die Halloween-Studie: Ratten fressen Fledermäuse * VIDEO

UPDATE – EU verabschiedet Bodenüberwachungsgesetz

Insekten brauchen mehr und verlässliche Lebensräume

Essay: Vier Punkte für eine bessere Wolfs- und Raubtierpolitik






Aktuelle Informationen



Ausstellungstipp: Facettenreiche Insekten in Darmstadt Im Hessischen Landesmuseum Darmstadt hat die Ausstellung »Facettenreiche Insekten. Vielfalt / Gefährdung / Schutz« eröffnet, die noch bis Ende Januar…

Dienstag, 18. August 2026
Jetzt lesen
Braunkehlchen, so zäh wie winzige Ironmen... In einer neuen Studie haben Forschende unter Beteiligung der Vogelwarte Sempach die Zugrouten von Braunkehlchen zwischen den französischen Alpen und…

Dienstag, 18. August 2026
Jetzt lesen
Bairache: Naturfrevel in Kreuth erfordert Konsequenzen! Die Gemeinde Kreuth hat - während der Balz- und Brutzeit 2026 - einen Single-Trail von der Bayralm nach Süden zum…

Dienstag, 18. August 2026
Jetzt lesen

Mitglied werden