In der heutigen Landwirtschaft dreht sich viel um neue Pestizide, moderne Maschinen und Düngeregeln. Dabei geraten wertvolle natürliche Helfe, wie die Fledermausart Großer Abendsegler (Nyctalus noctula), oft völlig in den Hintergrund. Eine Untersuchung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung und der Universität Potsdam zeigt nun am Beispiel der Uckermark, dass diese nachtaktiven Jäger regelmäßig Insektenarten erbeuten, die als Agrar- und Forstschädlinge bekannt sind. Die Studie macht deutlich, wie eng eine produktive Landwirtschaft mit dem Erhalt naturnaher Lebensräume verbunden sein kann.
Über die Analyse von Insekten-DNA im Fledermauskot identifizierte das Forschungsteam insgesamt 295 verschiedene Insektenarten. 67 (rund 23 Prozent) davon sind als Schadinsekten bekannt. Darunter waren 28 Agrarschädlinge, 20 Forstschädlinge und 19 Arten, die Krankheiten übertragen können. Besonders häufig fanden sich unter den Beutetieren der Feldmaikäfer, die Wiesenschnake oder der Gerippte Brachkäfer. Alle drei können in bestimmten Entwicklungsstadien Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen verursachen.
Über einen Zeitraum von drei Jahren stattete das Forschungsteam insgesamt 128 Große Abendsegler mit winzigen Sendern aus. So konnte man nachvollziehen, wo sich die Fledermäuse während ihrer nächtlichen Flüge aufhielten, und welche Landschaftsbereiche sie zur Jagd nutzten. Dabei fanden die Forschenden heraus, dass über die Hälfte der Jagdflüge über landwirtschaftlichen Ackerflächen stattfanden, jedoch machten diese Felder im Untersuchungsgebiet fast 95 Prozent der Gesamtfläche aus. Gemessen an dieser riesigen Fläche mieden die Tiere reine Monokulturen verhältnismäßig stark. Ein möglicher Grund dafür ist, dass das Nahrungsangebot über intensiv bewirtschafteten Agrarflächen durch den Einsatz von Pestiziden häufig geringer ist. Naturnahe Lebensräume scheinen den Fledermäusen dagegen zuverlässiger Nahrung zu bieten.
Damit die Fledermäuse ihre Rolle als Schädlingsbekämpfer überhaupt wahrnehmen können, brauchen sie gut gefüllte Energiespeicher. Diese finden sie in den verbliebenen naturnahen Landschaftselementen, wie Tümpeln, Söllen, kleinen Wäldern oder naturbelassenen Wiesen. Besonders deutlich wird die Bedeutung dieser Lebensräume, wenn man ihre geringe Fläche berücksichtigt. Die Gewässer zum Beispiel machten nur etwa 0,5 Prozent der Fläche aus, wurden aber zu 14 Prozent als Jagdorte genutzt. Auch Grasland und Wald wurden im Verhältnis zu ihrer geringen Flächengröße überproportional häufig aufgesucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass Große Abendsegler einen potenziell wichtigen Beitrag zur natürlichen Schädlingskontrolle leisten können. Dieser könnte womöglich noch höher sein, wenn wir die Ackerflächen nicht mithilfe der Pestizide „unattraktiv“ machen würden. Der Erhalt der Leistung der Fledermäuse hängt so jedenfalls davon ab, dass wir kleine, naturnahe Landschaftsinseln erhalten und schützen und uns damit die kostenlose Unterstützung dieser lautlosen Jäger sichern.
MW mit Unterstützung von KI
Die original Studie in englischer Sprache finden Sie hier
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