Als Kind waren sie ein Objekt grenzenloser Begeisterung: Die Tausendfüßler! Als Erwachsener bekommt man sie dann rätselhafterweise nur noch selten zu Gesicht, oder wann haben Sie zuletzt einen Hundert-, Doppel- oder Schnurfüßer gesehen? Dabei hat es laut Wikipedia mal Zeiten gegeben, in denen Massenvermehrungen dieser Tiere ganze Bahnstrecken lahmlegten!
Die Zeiten haben sich geändert. Jetzt ploppten die Vielfüßer in unserem Gesichtsfeld auf, weil das Rote Liste-Zentrum berichtete, dass einige der Hundert- und der Doppelfüßer bedroht sind, die einen Teil der Tausendfüßer ausmachen. Solche Meldungen sind immer besonders besorgniserregend, wenn sie Arten betreffen, die wir nicht unmittelbar sehen. Bei den hier untersuchten Hundert- und Doppelfüßern ist das so: Sie leben meist verborgen im Boden, in der Laubstreu oder in verrottendem Holz, leisten da unersetzliche Arbeit und scheinen doch nie auf.
Während Hundertfüßer als Räuber die Bestände von kleinen Beutetieren in der Bodenstreu regulieren, tragen Doppelfüßer als wichtige Zersetzer maßgeblich zum Abbau organischer Substanz bei, da sie sich zum Großteil von verrottenden Pflanzen und Tieren sowie von Algen und Pilzen ernähren. Natürlich sind beide Gruppen damit sehr auf ihren Lebensraum spezialisiert. Was man aber nicht meinen möchte: Trotz all ihrer vielen Füße sind sie wenig mobil. Wird ihr Lebensraum also zum Beispiel durch forstliche Arbeit vernichtet oder zerschnitten, ist das quasi ein Todesurteil.
So ist es wohl zu erklären, dass sechs Arten der Hundertfüßer und 15 Arten der Doppelfüßer in der neuen Roten Liste als bestandsgefährdet aufgeführt sind. Darunter sind vier Arten vom Aussterben bedroht, neun stark gefährdet und sieben gefährdet. Weitere 20 Arten sind extrem selten. Eine Doppelfüßer-Art ist in Deutschland bereits ausgestorben oder verschollen.
Besonders gefährdet sind Hundertfüßer und Doppelfüßer durch den Verlust geeigneter Lebensräume wie Trockenrasen und Heiden, aber auch Grasland, Moore, Auenwälder, Bruchwälder, extensiver Agrarflächen und strukturreicher Mischwälder mit hohem Totholzanteil.
Die Intensivierung der Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie die Anreicherung von Nährstoffen in Gewässern und Böden führen zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen in vielen Ökosystemen.
Um die in Deutschland vorkommenden Hundertfüßer und Doppelfüßer besser zu schützen, empfehlen die Autorinnen und Autoren insbesondere den Erhalt und die Förderung strukturreicher Lebensräume sowie deren bessere Vernetzung durch Verbindungskorridore als zentrale Schutzmaßnahmen. Auch der Klimawandel macht den Wissenschaftlern Sorgen, denn Hitze und Dürre lassen die Populationen vieler feuchtigkeits- und kühleliebender Arten schwinden und nehmen ihnen zunehmend die Chance auf Erholung.
Die detaillierten Infos zur Roten Liste der Hundert- und Doppelfüßer finden Sie hier
Und hier finden Sie ein schönes Porträt des Gemeinen Gepunkteten Schnurfüßers
Wer Lust hat auf mehr Fachinfos zu den Tausenfüßern, kann hier auf der Seite zu Myriapoden fündig werden
Bildquelle: Logan Wenger/Pixabay.de
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