Die extensive Ganzjahresbeweidung hat sich als wichtiges Instrument im Naturschutz etabliert. Aber ob sie auch für Wiesenbrüter funktioniert, und für welche Arten, das bedarf einer Feinjustierung. Denn ihr Erfolg hängt maßgeblich von einer präzise angepassten Besatzdichte der Weidetiere ab. Wir gehen hier im Detail nochmal auf eine Studie ein, die wir in einem früheren Blog nur gestreift haben.
Die über 15 Jahre durchgeführte Langzeitstudie in einem 63 Hektar großen Feuchtgebiet in Süd-Thüringen untersuchte diese Dynamik und liefert wichtige Erkenntnisse für das Management von Wiesenbrütern. Während des Untersuchungszeitraums stieg die Dichte der Weidetiere von ursprünglich 0,3 auf bis zu 1,4 Großvieheinheiten pro Hektar (GVE/ha) an. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine zu hohe Intensität das ökologische Gefüge belasten kann: Zwar blieb die reine Anzahl der beobachteten Vogelarten insgesamt stabil, doch die Gesamtzahl der Brutreviere sank mit zunehmender Dichte von Weidetieren signifikant.
Gewinner und Verlierer auf der Weide
Die Reaktion der Vögel auf die Beweidung ist stark artabhängig. Zu den Gewinnern zählen insbesondere der Kiebitz (Vanellus vanellus) und die Wiesenschafstelze (Motacilla flava flava), die von kurzrasigen, strukturreichen Flächen in der Nähe von Feuchtgebieten profitieren. Im Gegensatz dazu leiden besonders sensible Arten wie das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) und der Wiesenpieper (Anthus pratensis) unter einer zu intensiven Nutzung, ihre Bestände wurden ab einer Dichte von etwa 1,0 GVE/ha deutlich weniger. Auch für den Wachtelkönig (Crex crex), den Kuckuck (Cuculus canorus), das Blaukehlchen (Luscinia svecica) und die Rohrammer (Emberiza schoeniclus) wurden negative Trends festgestellt. Beim Blaukehlchen und der Rohrammer ist dies primär auf das Verschwinden von Schilfbeständen zurückzuführen, die durch die hohe Tierdichte abgeweidet wurden.
Unterschiedlich hohes Gras und Schilf müssen bleiben
Die Struktur der Pflanzendecke ist für den Bruterfolg sehr wichtig. Analysen ergaben, dass das Braunkehlchen eine mittlere Vegetationshöhe von etwa 40 Zentimeter (cm) und der Wiesenpieper von circa 30 cm bevorzugt. Eine zu hohe Weideviehdichte führt jedoch dazu, dass die Vegetation zu Beginn der Brutzeit im April und Mai zu niedrig ist, was zum Verlust von Versteckmöglichkeiten und Nahrungsinsekten führt. Zudem erhöht eine große Anzahl an Weidetieren auf der Fläche das Risiko, dass Gelege durch direkten Viehtritt zerstört werden.
Obwohl die Wiedervernässung des Gebiets im Jahr 2011 zunächst positive Effekte auf die Bestände hatte, wurden diese durch die spätere Steigerung der Beweidungsintensität wieder abgeschwächt. Für den langfristigen Erhalt bedrohter Wiesenbrüter wird daher eine deutlich geringere Besatzdichte von 0,5 bis maximal 0,9 GVE/ha empfohlen. Die Studie unterstreicht, dass ein gezieltes Monitoring und passende Managementmaßnahmen, wie die Auszäunung von Schilfflächen, unverzichtbar sind, um die Habitatqualität für Bodenbrüter in Kulturlandschaften zu sichern.
Einen Beitrag über die vollständige Studie zum Langzeit-Monitoring von Wiesenbrütern können Sie hier nachlesen
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