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Montag, 17. August 2026

Scrollicon
Vor schwarzem Hintergrund zwei geschnitzte Vogelfiguren
17. August 2026, 10:26    office@wildes-bayern.de

Tierfiguren aus der Gedankenwelt unserer Ahnen entdeckt


Falls Sie jetzt im Urlaub gerade in der Nähe der Schwäbischen Alb unterwegs sind, machen Sie unbedingt Station in Blaubeuren! Das dortige Museum für Urzeitgeschichte und Eiszeitkunst hat einen spektakulären neuen Fund in seiner Ausstellung: Zwei winzige, aus Mammutzähnen geschnitzte Vogelfiguren aus der Zeit rund 40.000 Jahre vor heute. Sie wurden an der Stelle gefunden, aus der zum Beispiel schon die „Venus von Hohle Fels“ hervorgegangen ist.

Winzige Vögel mit großer Bedeutung

Die gerade mal zwei bis drei Zentimeter großen Artefakte wurden in der Grabungssaison 2025 entdeckt und stellen vermutlich Schneehühner dar. Sie stammen zwar aus der gleichen Schicht, aber noch ist unklar, ob sie tatsächlich zusammengehören, oder ob Generationen sie trennen. Sie wurden etwa eineinhalb Meter entfernt voneinander gefunden. Eine Figur zeigt den Vogel in einer ruhenden Position, vielleicht auf Eiern brütend, während die andere mit weit ausgebreiteten Schwingen dargestellt ist. Neben diesen Figuren wurden Fragmente einer Flöte aus den Knochen eines Gänsegeiers entdeckt, – ein weiterer Hinweis darauf, welche kulturelle Bedeutung diese Höhle für die Menschen der Eiszeit hatte.

Ein Blick in die Gedankenwelt unserer Ahnen

Die Artefakte stammen aus dem Aurignacien vor etwa 40.000 Jahren, der Zeit der ersten modernen Menschen in Europa. Die Kunstwerke erlauben uns, fast durch die Augen dieser Menschen auf ihre Umwelt zu blicken. Die Funde am Hohle Fels stellen oft Dinge dar, die in der realen Welt gar nicht existieren, wie Mischwesen aus Mensch und Tier. Das beweist, dass diese frühen Gemeinschaften bereits über komplexe Mythen und eine Vorstellungskraft verfügten, die über das Hier und Jetzt hinausging. Solche Objekte dienten vermutlich als Talismane, Symbole der Gruppenzugehörigkeit oder als Werkzeuge zum Geschichtenerzählen.

Die Theorie der „Kulturpumpe“

Warum der moderne Mensch überlebte, während der Neandertaler ausstarb, könnte an diesem kulturellen Vorsprung gelegen haben. Das Modell der „Kulturpumpe“ besagt, dass die Region durch Bevölkerungsdruck zum Innovationszentrum wurde, von dem aus sich Kunst und Musik über Europa ausbreiteten. Da bisher keine menschlichen Skelettreste in der Höhle gefunden wurden, setzen die Forscher nun auf die Analyse von DNA direkt aus dem Höhlensediment. So hofft man nachzuweisen, dass die Schöpfer dieser Elfenbeinwunder tatsächlich jene Menschen waren, die sich später über den gesamten Globus ausbreiteten.

Im englischsprachigen Video von Nature erläutert Grabungsleiter Nicholas Conard die erstaunlichen Details der frisch entdeckten Elfenbein-Skulpturen von Hohle Fels:

Ice age carvings deepen mystery of early human culture

Den Beitrag mit dem Foto der geschnitzten Schneehühner finden Sie hier

Infos zum Urzeit-Museum von Blaubeuren und zum Fund der Figuren finden Sie hier

Bildquelle: Ralf Ehmann/urmu




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