Vögel verhalten sich höchst unterschiedlich, wenn ihnen Neues begegnet: Während Meisen und Spatzen sich neugierig um den Gartentisch tummeln – es könnte ja etwas Leckeres herunterfallen –, nehmen andere Vögel Reißaus, sobald ein Mensch den Garten betritt.
In der Wissenschaft wird die Angst vor Neuem als Neophobie bezeichnet. Neophobie hat Vor- und Nachteile: Sie kann ein Individuum vor potenziellen Risiken schützen, nimmt ihm aber unter Umständen auch die Möglichkeiten, neue Ressourcen, wie unbekannte Nahrungsquellen oder Nistplätze, zu entdecken und zu erobern.
Warum manche Vögel neugierig und mutig sind, während andere das Neue meiden, wollten Forschende im so genannten „ManyBirds“-Projekt herausfinden. Das Projekt wurde 2021 von Dr. Rachael Miller und Dr. Megan Lambert von der Veterinärmedizinischen Universität Wien gegründet. Insgesamt sind 129 Forscherinnen und Forscher aus 77 Institutionen daran beteiligt.
Sowohl in Zoos und Laborhaltungen als auch in freier Wildbahn in 24 Ländern auf sechs Kontinenten beobachtete ManyBirds insgesamt 1.439 einzelne Vögeln aus 136 Arten und 25 taxonomischen Ordnungen. In Deutschland studierten Forscher Vögel unter anderem in Zoos und Tierparks in Detmold, Krefeld und Wuppertal, darunter den Sekretär, den Königspinguin und den Karibischen Flamingo.
In einem standardisierten Beobachtungsverfahren wurde jedem Vogel ein vertrautes, begehrtes Futterstück präsentiert, einmal allein und beim anderen Mal zusammen mit einem neuartigen Objekt. Dieses Objekt hatte eine einheitliche Farbe und Textur und war der Größe der jeweiligen Art angepasst.
Als Maß der Neophobie nahmen die Wissenschaftler die Zeitspanne, die der Vogel brauchte, um das Futter trotz des neuen, ungewohnten Gegenstands daneben zu berühren.
Dann untersuchten die Forscher, ob es einen Zusammenhang zwischen der gemessenen Angst vor Neuem und anderen Eigenschaften der Art gab. Sie stellten fest, dass Ernährungsspezialisierung und Wanderverhalten das Maß der Neophobie maßgeblich beeinflussen. Sie vermuten, dass Arten, die nur wenige ausgesuchte Dinge essen – hierzu zählen Flamingos –, möglicherweise weniger Umweltveränderungen ausgesetzt sind und deshalb Ungewohntes als bedrohlicher wahrnehmen. Dagegen erkunden ernährungsmäßig breit aufgestellte Arten, beispielsweise Stare, schneller verschiedene Nahrungsarten und nutzen sie. Wandernde Arten wie Kraniche wiederum sind erhöhten Risiken ausgesetzt, weil sie mit vielen potenziell gefährlichen neuen Objekten und Umgebungen interagieren müssen. Für sie kann Neophobie evolutionär vorteilhaft sein.
Die Eigenschaft ist aber nicht nur im Kleinen relevant – sie kann auch darüber bestimmen, ob Arten sich wandelnden Bedingungen, zum Beispiel dem Klimawandel, besser oder schlechter anpassen können. Arten mit geringerer Neophobie sind dagegen vermutlich flexibler oder widerstandsfähiger.

Übersichtsdiagramm über die Neophobie und Verwandtschaftsbeziehungen der verschiedenen untersuchten Vogelarten. Die Farben der Linien zeigen an, wie scheu die jeweiligen Vögel sind: Rottöne weisen auf hohe Neophobie hin, weiß auf Gleichgültigkeit gegenüber neuen Objekten. Blautöne markieren Vögel, die sich in Gegenwart neuer Objekte besonders schnell dem Futter nähern, also neugierig sind. (Abbildung: HHU / Kai Robert Caspar)
Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier
Die Internetseite vom ManyBirdsProjekt finden Sie hier
Bildquelle: HHU / Kai Robert Caspar, Monika Baudrexl, dp1616/pixabay.de
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