Jan Haft ist ein gefeierter Naturfilmer – aber auch er hat mal studiert, darunter Biologie und Paläontologie, und manche seiner Beiträge haben die Qualität wissenschaftlicher Essays, denn sie fußen auf einer riesigen Menge an Wissen um Fakten und Zusammenhänge.
Gerade ist in „Biologie unserer Zeit“ ein Artikel von ihm erschienen, den wir Ihnen hier wärmstens ans Herz legen wollen: „Warum der Beweidung die Zukunft gehört“.
Hier vorab einige Zitate daraus (weil sie so schön und treffend sind):
„All diese Zusammenhänge sind so offenkundig, dass man sich nur wundern kann, dass die Wilde Weide im Naturschutz nicht längst als das anerkannt ist, was sie ist: die Mutter aller Habitate und das Nonplusultra im Kampf gegen die fortschreitende Erosion der Biodiversität.“
„Fakt ist, dass der ökologische ´Systembaustein Pfanzenfresser`, der über Jahrmillionen und bis zum flächendeckenden Auftreten moderner Jäger eine tragende Säule in der Natur gewesen war, auf einmal nicht mehr in dem Maße wirksam ist wie zuvor.“
„Flugunfähige Arten oder auch solche, die in komplizierten Symbiosen leben wie viele Orchideen, sind dagegen auf dauerhaft offene Habitate angewiesen. Und diese kann kein Sturm, keine Käferkalamität und kein Waldbrandereignis schaffen und erhalten. In dieser Erkenntnis liegt der Schlüssel zum Verständnis des großen Paradoxons im Naturschutz: Wird heute ein Gebiet von jeglicher Nutzung freigestellt, entwickelt sich in der Regel dichter Wald.“
Und hier die kurze Zusammenfassung des mehrseitigen Textes:
„Der gegenwärtige Naturschutz schützt einzelne Arten erfolgreich, bremst jedoch den großfächigen Verlust von Biodiversität und Biomasse kaum. Der Hauptgrund liegt in einem verkürzten Naturverständnis, das Nutzungsfreiheit mit natürlichem Zustand gleichsetzt und dabei meist geschlossene Wälder als Ideal ansieht.
Tatsächlich war Mitteleuropa über lange Zeiträume von offenen und halboffenen Landschaften geprägt. Große Pfanzenfresser spielten dabei eine Schlüsselrolle. Durch Fraß, Tritt und Dung hielten sie Landschaften licht, strukturiert und dynamisch und schufen damit die Grundlage für hohe Artenvielfalt. Mit ihrem Verschwinden konnten Gehölze großfächig dominieren, Licht ging verloren und zahlreiche licht- und störungsabhängige Arten verschwanden.
Eine Wiederherstellung artenreicher Lebensräume erfordert deshalb die Rückkehr der Beweidung als zentralen ökologischen Prozess. Extensive Beweidung mit Rindern, Pferden oder Wasserbüffeln können die Funktion der einstigen Megaherbivoren übernehmen, Offenland erhalten, Insektenreichtum fördern und natürliche Dynamik ermöglichen.
Neben Waldschutz braucht der Naturschutz daher großfächige offene und halboffene, beweidete Landschaften als gleichwertige Form von Wildnis.“
Den vollständigen Beitrag von Jan Haft können Sie sich hier herunterladen.
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