Die Europäische Sumpfschildkröte ist unsere einzige heimische Schildkrötenart. Sie steht allerdings bundesweit auf der Roten Liste, weil es den Tieren durch Flussbegradigungen und Trockenlegen von Gewässern an geeigneten Lebensräumen fehlt. Dort, wo sie noch vorkommen, werden immer wieder Tiere überfahren. Und auch einige invasive Arten, wie der wasseraffine Waschbär, verfolgen sie als Beutetiere.
Im Tiergarten Nürnberg werden Europäische Sumpfschildkröten gehalten und natürlich auch vermehrt. Deshalb können immer wieder Tiere ausgewildert werden – aktuell gingen zehn der „Emys“ (nach ihrem lateinischen Namen Emy orbicularis) in hessische Naturschutzgebiete. Dort sollen sie die natürliche Population stützen.
Die Auswilderung findet im Rahmen eines Artenschutzprogramms statt, hinter dem die Arbeitsgemeinschaft (AG) Sumpfschildkröte steht. Neben den Tieren aus Nürnberg werden 40 weitere Sumpfschildkröten aus dem Zoo Frankfurt und dem Opel Zoo in die Schutzgebiete gebracht.
Die zehn Schildkröten sind im Frühsommer 2024 als Schlüpflinge aus Hessen zur Aufzucht in den Tiergarten Nürnberg gekommen. Zu jenem Zeitpunkt waren sie etwa so groß wie eine ein-Euro-Münze und wogen zwischen drei und neun Gramm.
Die Tierpflegerinnen und -pfleger im Zoo haben die Zwerge mit Glanzwürmern und Mückenlarven, später auch mit Regenwürmern und kleinen Fischen gefüttert. Nach ein paar Monaten wurden sie nach Größen sortiert in unterschiedlichen Aquarien gehalten, um Konkurrenzkämpfe zwischen ihnen zu minimieren.
Das Zielgewicht für die Auswilderung beträgt 120 Gramm – dann sind die Tiere etwa handtellergroß, stabiler und besser vor Fressfeinden geschützt.
In dem etwa 13 Hektar großen Naturschutzgebiet wurden außerdem vor der Auswilderung einige Hechte gefangen, die den Amphibien und Reptilien dort stark zusetzten.
Das Artenschutzprogramm zeigt laut Tiergarten Nürnberg beispielhaft, wie Artenschutz außer- und innerhalb des natürlichen Lebensraumes von Tieren ineinandergreifen. Zoos und Zuchtstationen züchten und versorgen die Tiere, bis sie bereit zur Auswilderung sind. Naturschützer vor Ort, Naturschutzbehörden und Naturschutzverbände sorgen für den Schutz und die Wiederherstellung der Lebensräume.
Dazu gehört auch, den Bestand übermäßig stark vertretener Beutegreifer wie in diesem Fall des Hechts und invasiver Arten wie zum Beispiel des Waschbären durch Bejagung zu verringern. „Um den Erfolg von Auswilderungsprogrammen zu messen, überwachen Naturschützer die Entwicklung des Bestandes. Dafür werden die Tiere mit winzig kleinen Mikrochips versehen – eine Art Personalausweis, der auch nach vielen Jahren eine individuelle Erkennung ermöglicht.
Der Tiergarten Nürnberg beteiligt sich seit 2020 an dem Schutzprojekt für Europäische Sumpfschildkröten. 2023 konnte er gemeinsam mit der AG
Sumpfschildkröte erstmals drei seiner eigenen Nachzuchten in den hessischen Nidda-Auen bei Stockheim auswildern. Insgesamt sollen in diesem Jahr in hessischen Schutzgebieten am Rhein, am Untermain und an der Nidda 50 junge Sumpfschildkröten ausgewildert werden.“
Seit einigen Jahren werden in Hessen die ersten Freilandnachzuchten nachgewiesen, und mittlerweile können regelmäßig Schlüpflinge oder Jungtiere beobachtet werden, die von ausgewilderten Tieren abstammen.
Die auf ehrenamtliche Initiative hin gegründete AG Sumpfschildkröte bemüht sich seit 1999 in Kooperation mit dem hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt und einigen Zoos um den Erhalt der Europäischen Sumpfschildkröte. Ziel dabei ist es, in geeigneten Lebensräumen in Hessen wieder sich selbst erhaltende Populationen zu begründen.
Bildquelle: Tom Burger/Tiergarten Nürnberg
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