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Mittwoch, 09. September 2026

Scrollicon
Ein weißer Hase sitzt im Schnee nehmen einer Felshöhle
09. September 2026, 16:40    office@wildes-bayern.de

Feld- und Schneehase: Wie teilen sie sich die Nahrung?


Der Klimawandel verändert unsere Bergnatur gravierend, und viele Arten passen sich an, indem sie ihre Lebensräume verschieben. Eine solche Verschiebung, die Biologen mit Sorge beobachten, ist die von Feld- und Schneehase. Denn der flexiblere Feldhase lebt in zunehmend höheren Lagen. Dort könnte er zu einem gefährlichen Nahrungskonkurrenten für den spezialisierteren Schneehasen werden, dessen Lebensraum nach oben hin begrenzt ist. Noch dazu können die Arten sich mischen, und dann besteht die Gefahr, dass eine von ihnen genetisch verschwindet. Doch jetzt zeigt eine neue Studie, dass die Hybriden eine wichtigere Rolle spielen könnten als gedacht.

Nahrungskonkurrenz zwischen Feldhase und Alpenschneehase

In den Bündner Alpen teilen sich der an das Hochgebirge angepasste Alpenschneehase (Lepus timidus varronis) und der anpassungsfähige Feldhase (Lepus europaeus) den Lebensraum. Bisher überlappen sich ihre Bereiche nur in einem schmalen Höhenband, doch das dürfte im Zuge der Klimaerwärmung immer mehr werden. Bereits jetzt kommt es in diesem Bereich zu Verpaarungen der beiden Arten mit hybriden Jungtieren.

Ein Forschungsteam hat nun ermittelt, in welchem Maß die beiden Arten in Nahrungskonkurrenz treten. Mithilfe von DNA-Metabarcoding aus Kotproben haben sie rekonstruiert, wer was frisst. Grundlage waren 211 genetisch bestimmte Losungsproben aus dem Unterengadin, Schweiz, gesammelt 2019 und 2020 zwischen 1.000 und 2.600 Metern Höhe.

Der Feinschmecker und der Pragmatiker

Der weitaus größte Teil der verfügbaren Pflanzen wurde seltener gefressen, als es dem Angebot entsprochen hätte, und nur wenige Arten wurde tatsächlich bevorzugt. Der Alpenschneehase wählt dabei Pflanzen aus, die für die jeweilige Höhenlage typisch sind. Das ist zum Beispiel in tieferen Lagen die Fichte, in großen Höhen die Rauschbeere. Ausgerechnet der Spezialist erwies sich in Sachen Nahrung also als Generalist, denn er vertilgte eine große Vielfalt an verschiedenen Pflanzen. Eine mögliche Erklärung der Wissenschaftler: Wer regelmäßig Heidekrautgewächse mit hohem Phenolgehalt aufnimmt, muss seine Kost breit streuen, um die Pflanzenstoffe entgiften zu können.

Die Nahrungspflanzen des Feldhasen waren vor allem die Berg-Esparsette und das Taubenkropf-Leimkraut. Anders als beim Schneehasen änderte sich diese Präferenz mit zunehmender Höhenlage nicht. Auch gegen Ende der Vegetationsperiode dehnte er sein Nahrungsspektrum nicht aus – die Viefalt der genutzten Arten nahm sogar deutlich ab. Das zeigt: Der Feldhase kommt in alpinen Höhenlagen erstaunlich gut zurecht und wird damit zum ernstzunehmenden Nahrungskonkurrenten des Schneehasen.

Wo es eng wird: Spätsommer und Hochlagen

Ein dauerhaftes Nebeneinander der beiden Arten ist allerdings nur möglich, solange sich die Nahrungsnischen hinreichend unterscheiden. Genau das ist zur Hochsaison der Vegetation und in tieferen Lagen der Fall, verändert sich aber zum Ende der Vegetationsperiode und in großen Höhen – also genau dann und dort, wo das Nahrungsangebot am geringsten ist. Der Schneehase, ohnehin im Klimastress, könnte hier auf Dauer den Kürzeren ziehen.

Was steht bei den Hybriden auf dem Speiseplan?

Fast alle bisher nachgewiesenen Mischlinge tragen mütterlicherseits Schneehasen-mtDNA, im Kerngenom aber Feldhasen-Erbgut. Entsprechend hoch ist die Übereinstimmung im Speiseplan: Er deckt sich mit jenem des Feldhasen nahezu vollständig. In großen Höhen allerdings zeigten die Mischlinge ein neues Verhalten. Sie fraßen sozusagen, was sie kriegen konnten und vermieden kaum noch Pflanzenarten. Damit ähnelten sie weder der einen noch der anderen Elternart. Diese Beobachtung stützt sich jedoch auf lediglich neun Tiere und ist entsprechend vorsichtig zu bewerten – trotzdem ist sie natürlich hoch interessant.

Evolution im Zeitraffer?

Das Zusammenleben mit dem Feldhasen könnte die Zukunft des Alpenschneehasen also langfristig verändern. Über Rückkreuzungen lassen sich Merkmale austauschen, die im jeweils anderen Lebensraum von Vorteil sind: Feldhasen könnten Eigenschaften erwerben, die ihnen die Nutzung des Hochgebirges erleichtern, Schneehasen im Gegenzug flexiblere Ernährungsgewohnheiten. Der Überlebenskampf in den Bergen zeigt deutlich: Beide Hasenarten haben erfolgreiche, aber grundverschiedene Strategien entwickelt. Wie sich dieses ökologische Gleichgewicht unter fortschreitender Erwärmung verschiebt, ist offen, und die Hybriden spielen dabei wahrscheinlich eine größere Rolle, als ihre geringe Zahl vermuten lässt.

MW & KI

Die vollständige Studie in englischer Sprache finden Sie hier




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