Es gibt immer mehr Studien, die aufzeigen, dass große Pflanzenfresser unsere Natur vielfältig und artenreich gestalten. Hier kommt eine neue, diesmal aus Afrika, über Nashörner, Elefanten und Giraffen. Der Ansatz lautete: Große Pflanzenfresser prägen die Vegetation, in der sie leben. Wie stark und in welche Richtung, ist allerdings sehr uneinheitlich: Mal steigt die Pflanzenvielfalt, mal sinkt sie. Wie erklärt sich das?
Eine im Journal of Animal Ecology veröffentlichte Studie ist dieser Frage in zehn Reservaten der südafrikanischen Savanne nachgegangen. Dabei kamen die Wissenschaftler zu der Erkenntnis, dass Pflanzenfresser die ökologischen Systeme stabiler und weniger störungsanfällig machen.
Die Reservate liegen in der Waterberg-Region in Limpopo. Die Bedingungen sind höchst unterschiedlich: Die Zahl der großen Pflanzenfresser reichte in den eingezäunten Gebieten von einer einzigen bis zu 19 Arten, ihre Biomasse von 0,1 bis 240 Kilogramm pro Hektar. In den artenreichsten Reservaten kamen unter anderem Afrikanische Savannenelefanten, Breitmaul- und Spitzmaulnashörner sowie Giraffen vor. Mithilfe von Kamerafallen ermittelten die Forschenden, wie intensiv die tierischen Bewohner einzelne Bereiche des vorhandenen Lebensraums nutzten. Gleichzeitig erfassten sie die Pflanzenwelt auf drei Ebenen: in 2 × 2 Meter kleinen Plots, entlang 200-Meter-Transekten und im gesamten Reservat.
Die Daten zeigten, dass dort, wo Wildtiere besonders aktiv sind, die Artenvielfalt der Pflanzen anstieg. Dieser Effekt betrifft vor allem krautige Pflanzen, also Gräser und Kräuter. Die Artenzahl der Tiere war hier nebensächlich, es war nur entscheidend, wie intensiv sie ein Gebiet nutzten. Durch Fressen und Trampeln stören Tiere die Vegetation, drängen dominante Arten zurück und verringern damit die Konkurrenz um Licht, Nährstoffe und Wasser. Das gibt anderen, weniger dominanten Pflanzen die Chance zu wachsen. Bei langsam wachsenden Gehölzen, wie Bäumen und Sträuchern, ging die Artenzahl dagegen zurück, speziell dort, wo besonders viele verschiedene Pflanzenfresser-Arten vorkamen.
Die Tiere förderten aber nicht nur die Artenzahl. Häufige Besuche verändern die Pflanzenzusammensetzung auch so, dass sie weniger störungsanfällig wird. Das geschieht, indem mehr Arten ähnliche Aufgaben im Ökosystem übernehmen. Fällt eine von ihnen durch eine Störung aus, stehen andere bereit, um die Lücke zu füllen – ein Sicherheitsnetz für das gesamte System. Dabei kommen nicht grundsätzlich neuartige Pflanzentypen hinzu, sondern das vorhandene Repertoire wird lediglich dichter besetzt. Diese Effekte wiesen auf allen Ebenen in dieselbe Richtung, statistisch ließen sie sich aber vor allem auf Ebene der Resservate absichern. Offenbar entfaltet die ungleichmäßige Raumnutzung der Tiere ihre Wirkung vor allem im großen Maßstab.
Die Autor*innen sehen darin einen vielversprechenden Weg zu widerstandsfähigen Lebensräumen: die gezielte Wiederansiedlung großer Pflanzenfresser.
MW & KI
Die vollständige Studie in englischer Sprache können Sie hier nachlesen
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