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Freitag, 30. Oktober 2026

Scrollicon
Eine Schleiereule fliegt mit ausgebreiteten Flügeln über ein Feld
30. Oktober 2026, 09:16    office@wildes-bayern.de

Helle Schleiereulen jagen anders


Bald ist Halloween – und wer dieser Tage nachts draußen unterwegs ist, begegnet sicher hin und wieder einem unheimlichen, vollkommen lautlosen Nachtjäger: der wunderbaren Schleiereule. Diese Tiere kommen in unterschiedlichen Färbungen vor: Die Oberseite ist meist goldbraun, ihr Bauch und die Flügelunterseiten variieren allerdings zwischen einem hellen Braun und reinem Weiß. Meist sind die Männchen auch etwas dunkler gefärbt als die Weibchen.

Forschende der Universität Lausanne und der Schweizerischen Vogelwarte Sempach haben jetzt nachgewiesen, dass diese Färbungen sich tatsächlich auch im Verhalten auswirken. Denn in hellen Nächten jagen die Schleiereulen (Tyto alba) je nach Gefiederfarbe unterschiedlich. Weiße Männchen wenden sich dem Mond zu, jagen im Licht und fangen pro Stunde mehr Beute. Rötliche Männchen bleiben unauffällig.

Warum trägt ein lautloser Nachtjäger ein so leuchtend weißes Gefieder? Frühere Experimente legten nahe, dass vom weißen Gefieder reflektiertes Mondlicht Nager kurz erstarren lässt und der Eule damit mehr Zeit verschafft. Die eigentlich auffällige Farbe ist somit eher eine Tarnung vor dem aufgehellten Nachthimmel. Was freilebende Eulen tatsächlich tun, war bisher nicht beobachtet worden.

Für die Studie trugen 69 männliche Schleiereulen im westlichen Schweizer Mittelland kleine Datenlogger mit GPS-, Beschleunigungs- und Luftdrucksensoren, die rund vier Prozent ihres Körpergewichts ausmachten. In 354 Nächten wurden mehr als 17.600 Jagdversuche aufgezeichnet.

Blick zum Mond

Ein Ergebnis der Auswertung: In hellen Nächten richteten weiße Männchen ihre Angriffe zunehmend zum Mond hin aus, sodass ihre helle Unterseite angestrahlt wurde. Bei rötlichen Männchen war diese Tendenz nur schwach ausgeprägt.

Jagen im Licht

Weiße Männchen konzentrierten ihre Jagd außerdem auf die hellsten Stunden einer ohnehin hellen Nacht. Bei schwachem Mondlicht fanden etwa 30 Prozent ihrer Angriffe im Schatten statt und sie mieden sogar die etwas helleren Phasen. Bei starkem Mondlicht hingegen jagten sie nur noch zu etwa fünf Prozent an dunklen Orten. Bei rötlichen Männchen ging der Anteil der „Schatttenjagden“ mit wachsender Mondhelligkeit von etwa 20 auf zehn Prozent zurück.

Mehr Beute in kürzerer Zeit

Die Erfolgsquote eines einzelnen Angriffs unterschied sich zwischen den Farbvarianten nicht. Trotzdem fingen weiße Männchen in hellen Nächten pro Stunde mehr Beute und waren früher mit der Nahrungssuche fertig. Die Autoren vermuten, dass die Eulen schlicht häufiger auf Beute treffen. Ob die Beutetiere tatsächlich erstarren, wurde nicht gemessen, dieser Teil bleibt also eine Deutung.

Das Zeitfenster ist schmal: Starkes Mondlicht gibt es nur während etwa vier Prozent des Mondzyklus´ rund um Vollmond. In diesen Nächten kann es aber den größten Teil der Jagdzeit andauern. Frühere Arbeiten zeigen außerdem, dass Schleiereulen ihre Brut so legen, dass die intensivste Fütterung der Jungen mit den hellsten Nächten zusammenfällt.

Und in Bayern?

Hier steht die Schleiereule als gefährdet auf der Roten Liste. Nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Umwelt (LfU) brüten in Bayern etwa 1.300 bis 1.700 Paare, der Bestandstrend ist derzeit stabil. Die aktuelle Schätzung liegt fast doppelt so hoch wie in den Jahren 1996 bis 1999, doch die Art ist auf Schutzmaßnahmen angewiesen, vor allem auf Nistkästen. Intensive Landwirtschaft, Rodentizide, Straßenverkehr und der Verlust von Brutplätzen an modernisierten Gebäuden bleiben Gefahren.

Wo die Eule jagt, sollten die Nächte dunkel bleiben

Für uns Menschen sind die neuen Erkenntnisse dazu, wie fein Schleiereulen auf das natürliche Licht der Nacht abgestimmt sind, eine Mahnung. Weiße Eulen richten Angriffe, Zeitpunkt und Jagdgebiet am Mond aus. Künstliches Licht wurde in der Studie nicht untersucht. Die Autoren weisen aber darauf hin, dass künstliche Beleuchtung die natürlichen Nachtlandschaften zunehmend verändert und Wechselwirkungen stören könnte, die der Mond über Jahrtausende geprägt hat. Für eine gefährdete Art ist Vorsicht deshalb die vernünftige Antwort. Das LfU beschreibt die Brutplätze als dunkle, störungsarme Nischen, und die Jagdgebiete liegen im offenen Gelände am Rand von Siedlungen. Zusätzliche Beleuchtung dort, von Straßenlaternen bis zu Flutlichtern, ist ein Risiko, das wir nicht noch hinzufügen sollten. Wo Bayerns Schleiereulen jagen und brüten, sollte die Nacht dunkel bleiben.

 

Die vollständige Studie in englischer Sprache mit wunderbaren Diagrammen können Sie hier nachlesen

Mehr Infos zur Schleiereule auf der Seite des LfU Bayern finden Sie hier




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