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Montag, 26. Oktober 2026

Scrollicon
Zwei Männer in jagdlicher grüner Kleidung mit roten Caps und Waffen unter dem Arm gehen vom Betrachter weg in einen Wald
26. Oktober 2026, 10:56    office@wildes-bayern.de

Steinfelder Kreis – auf der Suche nach einer Zukunft für die Jagd


Seit 2022 trifft sich jährlich der lose Verbund „Steinfelder Kreis“ im Kloster Steinfeld in der Eifel zu einer Tagung. Ihm gehören Jäger und Naturschützer an, auch Vertreter der entsprechenden Organisationen. Auch Wildes Bayern zählt von Anfang an dazu. Vorsitzende Dr. Christine Miller besuchte am 12. Oktober wieder die Vortragsveranstaltung, und sprach unter dem Titel „Die Jagd nach der Macht“ über die Fragen, ob die Jagd noch auf dem richtigen Weg ist – wie dieser aussehen könnte.

Der Bogen ihres Vortrags reichte von der globalen Lage der Wildtiere über vier Thesen zum Umgang mit ihnen in Deutschland bis zur Frage, wer die Geschichten über Wild und Jagd erzählt. Gerade dies ist die Voraussetzung dafür, dass Wild den gebührenden Stellenwert und Rückhalt in der Gesellschaft erhält. Die zentrale Botschaft des Vortrags: Wildtiere sind selten und kostbar. Eine der Hege verpflichtete Jagd ist für ihren Schutz unverzichtbar, muss ihre eigene Geschichte aber endlich selbst erzählen.

Hier ein kurzer Zusammenschnitt aus dem Vortrag, den Sie unten vollständig verlinkt finden.

„Die Bilanz ist ernüchternd. Der Mensch macht nur rund 0,01 Prozent aller Lebewesen aus. Seit den vergangenen 6.000 bis 8.000 Jahren hat er jedoch etwa 83 Prozent aller wildlebenden Landsäugetiere vernichtet. Von der Biomasse aller Säugetiere entfallen heute 60 Prozent auf Nutztiere und 36 Prozent auf Menschen. Für wilde Säugetiere bleiben ganze 4 Prozent.

Auch in Deutschland ist die Lage kritisch:

  • 41 Prozent aller Säugetierarten sind gefährdet oder bereits ausgestorben.
  • Weitere 10 Prozent stehen auf der Vorwarnliste, darunter Gamswild, Iltis und Baummarder.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Debatte über „überhöhte Wildbestände“ in Europa und Deutschland als Phantomdebatte. Im weltweiten Vergleich sind die Wildtierdichten hier gering. Bleibt die Frage, warum diese Debatte überhaupt so heftig geführt wird. Antwort: Den Wildtieren fehlt eine richtige Lobby.

Vier Thesen kreisen dieses Thema ein:

  • These 1: Wildtiere fallen durchs Raster zersplitterter Zuständigkeiten bei Naturschutz- oder Jagdbehörde, Forst- oder Landwirtschaftsverwaltung, Veterinären, Grundbesitzerverbänden, Jägern oder Förstern.
  • These 2: Naturschutz braucht Wildtiere. Es gibt im Grunde an Land keine Naturschutzmaßnahme, die nicht die Wirkung von Huf und Äser simuliert und ersetzt. Daraus folgt die Gleichung: Naturschutz = Jagd + Wildreichtum + Hege
  • These 3: Gesetzeskonformes Wildtiermanagement orientiert sich am lebenden Bestand, doch ein rechtlich und fachlich gestütztes Wildtiermanagement oder eine nachhaltige weidgerechte Jagd gibt es derzeit nicht.
  • These 4: Das Reviersystem ist ein Gesellschaftsvertrag. Die Pflicht dazu lautet: Lebensräume für den lebenden Bestand erhalten.

Wer erzählt die Geschichte von Wild und Jagd? Die Jägerschaft erzählt bislang vor allem Alltagsgeschichten. Dem steht ein geschlossenes Narrativ gegenüber, das von der Forstlobby und von Grundbesitzerverbänden breit vertreten wird. Getragen wird es von Schlagworten (“buzz-words”) wie Verbiss, Verjüngungsausfall, Entmischung, Klimawald, klimagerechter Waldumbau oder Schutzwaldsanierung.

Dabei hat die Jagd eine Geschichte zu erzählen, die wahr ist und direkt zu Herzen geht. Sie ruht auf drei Säulen:

  • Freude: Wildtiere sind ein Gegenstand der Freude, wenn man ihnen begegnet.
  • Recht: Wildtiere haben ein Recht auf ihre Lebensräume – auch wenn das für Bewirtschafter mühsam ist. Manchmal erschweren sie die Bewirtschaftung, manchmal helfen sie dabei.
  • Sichtbarkeit: Nur sichtbares Wild weckt Verständnis, schafft Rücksichtnahme und sorgt für gute Presse.

Daraus folgt der Auftrag an die Jägerschaft: Unsere Gesellschaft braucht einen neuen Umgang mit Wildtieren. Und sie braucht Menschen, die dafür brennen und kämpfen – mit Sachverstand, Herz und Rückgrat. Das können die Jäger sein!

Den vollständigen Beitrag von Dr. Christine Miller finden Sie hier zum Download

Eine schöne Zusammenfassung der Tagung können Sie hier auf dem Blog der Stiftung natur + mensch nachlesen

 




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