Das sächsische Unternehmen „Sachsenforst“ nimmt wieder Anlauf, die Natur im Erzgebirge zu verwüsten. Allein im Forstbezirk Marienberg stehen ab dieser Woche bis Ende Januar fast wöchentlich bis zu drei Drückjagden auf dem Programm. Wobei „spätbarocke Hetzjagden“ wohl eher der treffende Begriff wären, denn hier werden jeweils bis zu 150 Schützen und bis über 50 Hunde auf unsere Wildtiere losgelassen.

Übersichtstabelle der geplanten Jagden
Die Frage, wer sich zu solchen üblen Wildschlachten einfindet, stellt sich auch vor dem Hintergrund, dass kaum Aussicht auf Jagdstrecke besteht. Unsere Auswertungen vorliegender Daten zeigen, dass der durchschnittliche Jagderfolg pro Schütze im Forstbezirk Marienberg meist nur bei 0,3 Stück Wild liegt – nur jeder dritte bis vierte erlegt also überhaupt irgendetwas. Gerade die großen Jagden schneiden am schlechtesten ab, hier kommt auf einen Schützen nur noch 0,1 „Stück“ Wild an Strecke.
Zugleich werden durch die Jagden aber die Lebensräume sensibler geschützter Arten, wie von Raufußhühnern, in der Phase des winterlichen Überlebenskampfes massiv negativ beeinträchtigt. Weder die ausgedehnten Schutzgebiete noch die Kenntnisse um den winterlichen Stoffwechsel von großen Pflanzenfresser halten die Forstverantwortlichen in ihrem „rehligiösen Eifer“ ab (einer der Protagonisten von Sachsenforst gab in einem Zeitungsinterview zu Papier: „Wir müssen den Wald mit der Waffe verteidigen“).
Die Methode wird seit Jahren nicht verändert, bringt aber auch nichts – ein Gutachten zeigt auf, dass die Abschusszahlen im Forstbezirk Marienberg bis zum Jahr 2018 zugenommen haben, bevor sie auch hier rückläufig wurden. Der Anteil der Hirschkühe ab zwei Jahren in der Strecke nahm während des gesamten Zeitraums ab, anders als es bei einer Bestandsreduktion sein müsste.
Ein wildbiologisches Gutachten, das die vorliegenden Daten bis 2021 berücksichtigte, hält fest: „Das Jagdmanagement von Rotwild in den Forstbezirken des Staatsbetriebs Sachsenforst im Erzgebirge erweist sich in der Zusammenschau als nicht den gesetzlichen Grundlagen entsprechend. Der Rotwildbestand wird destabilisiert und progressiv verringert, wobei Ausmerzen lokaler Kleinpopulationen in Kauf genommen wird. Eine fachliche Begründung für das Rotwildmanagement ist nicht vorhanden, eine konkrete Zielvorstellung über die Reduktions- oder Lenkungseingriffe ist nicht ersichtlich. Naturschutzrechtliche Vorgaben werden weder beim Jagdmanagement noch bei der forstlichen Bewirtschaftung in erforderlichem Maß berücksichtigt. Tierschutzrechtliche Vergehen scheinen bei dem Jagdmanagement, vor allem der Erlegung von Alttieren bei Drückjagden, billigend in Kauf genommen zu werden.“
Trotz dieser Widersprüche und Übertretungen wird die Bejagung in der beschriebenen Weise einfach fortgesetzt, und die Forderungen nach höheren Abschussvorgaben kehren regelmäßig wieder. Fällt das bei den Behörden einfach niemandem auf?
Zum Glück gehen immer mehr Bürger vor Ort auf die Barrikaden und wehren sich gegen das herrschaftliche Gebahren in ihren Wäldern und auf Kosten ihrer Natur. Tierschützer und Jäger üben hier bereits den Schulterschluss, denn das fanatische Zerstören von Wildpopulationen ohne Rücksicht auf Verluste scheint bei den sächsischen Landesforsten zum Markenkern geworden zu sein.
Einige der anberaumten Jagden werden sicher auch von Demonstrationen begleitet werden. Wir sind gespannt, was uns berichtet wird!
Bildquelle: Screenshot (228)
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