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Dienstag, 02. Juni 2026

Scrollicon
Gamswild klettert auf einem Felsen
02. Juni 2026, 09:47    Christine Miller

Nennt es, was es ist: Schädlingsbekämpfung


Es gibt einen Satz, den kein Jagdverband, keine Forstbehörde und keine Politiker gerne hören. Aber er stimmt. Und weil er stimmt, muss er gesagt werden: Was in Deutschland heute als „modernes Schalenwildmanagement“ verkauft wird, ist keine Jagd. Es ist Schädlingsbekämpfung – und nicht mal gute. Mit Büchse statt Rattengift – aber dasselbe Prinzip: maximale Strecke, minimale Kenntnisse über das, was lebt.

Kein systematisches Monitoring. Keine Bestandszählungen. Kein Interesse an Altersstruktur, Sozialverband oder natürlicher Mortalität. Stattdessen: Mindestabschüsse, die sich nicht an lebenden Tieren orientieren, sondern an politischen Absprachen zwischen Forstlobby und Jagdbehörde. Und wenn dann Daten erhoben werden, dann nur mit Wärmebilddrohne oder Fotofalle.

Die, die diese Daten sammeln, haben meist kaum bis gar keine Ahnung, was diese „Daten“ bedeuten. Denn dazu müsste man das Verhalten und den Charakter von Tierarten kennen. Und die kann man nur an lebenden Tieren studieren – tote Tiere verhalten sich nicht mehr!

Als Allheilmittel kommt dann die Nachtjagd auf Wild, das tagsüber längst unsichtbar geworden ist – weil es jahrelang unter Druck stand. Schonzeitaufhebungen als Eingeständnis, dass man das Revier nicht im Griff hat. Und die unverhohlen damit begründet werden, dass man den Tieren einfach keine Ruhe gönnen darf – weil sie sonst einfach weiterfressen, -atmen, -leben. Das tut einem Forstlobbyisten und Waldfunktionär einfach in der Seele weh!

Dagegen die Realität: Das Gamswild steht auf der Warteliste zur Roten Liste. Und wir reden weiter von „überhöhte Wildbestände“. Wohlgemerkt: ohne Daten. Rotwild steht vor dem Zusammenbruch, weil verinselte Populationen längst genetisch nicht mehr überlebensfähig sind.

Die Berner Konvention – seit 1985 geltendes Recht in Deutschland – schreibt unmissverständlich vor, dass jede Nutzung von Hirsch, Reh und Damwild so zu erfolgen hat, dass die Populationen nicht gefährdet werden. Nicht als Empfehlung – als Rechtspflicht! Wer keine Bestandsdaten erhebt, sich nicht  um genetische Vielfalt und Sozialstrukturen schert und trotzdem überhöhte Abschusspflichten verhängt, verstößt dagegen. Punkt.

Die bittere Ironie: Ausgerechnet Jäger, einige wenige Biologen und ein einsames Jagdmagazin wie der „Überläufer“ – alles Leute, die die Jagd wirklich lieben – stellen seit Jahren dieselben unbequemen Fragen.  Die großen Verbände für Tierschutz, Naturschutz und Jagd dagegen schweigen lautstark – oder pfeifen die Melodie der großen Forstlobbyisten.

Obwohl es immer mehr Jäger gibt, wird das Wild weniger. Doch solange immer noch irgendwo die Strecken steigen, singen die tauben und blinden Funktionäre und ihre Follower das Lied von den „massiv überhöhten Wildbeständen“.

Was es bräuchte, ist nicht kompliziert: Wer jagt, muss wissen, was er bejagt. Zahl, Struktur, Verhalten, natürliche Sterblichkeit – all das gehört erfasst, bevor ein Abschussplan entsteht. No data – no hunting. Klingt radikal. Ist aber nur das Mindeste, was ein Rechtsstaat von seiner Jagdpraxis verlangen darf.

Die Gesellschaft hat ein Recht auf erlebbare Wildtiere. Und die Wildtiere haben ein Recht auf Jäger und „Wildtiermanager“, die sie kennen und wissen, was sie tun.

Einen vollständigen Fachvortrag mit rechtlicher Analyse zu diesem Thema von Dr. Christine Miller finden Sie hier




Joachim Orbach schrieb:


Da kann man als Jäger Frau Dr. Miller nur zustimmen. Dieser Beitrag muss weiter verbreitet werden.

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